Montag, 29. November 2010

Dies und Das über den Blaustrumpf

Wieder einmal muß ich Prof. Sowatzky bemühen, um uns über einen Ausdruck aufzuklären, den man heute nicht mehr ganz so oft hört wie früher. Es handelt sich um den "Blaustrumpf".
Wie ich darauf komme? Dem liegt eine kleine Geschichte zugrunde:
Ich war am Freitag bei einer jungen Dame eingeladen, die ihren 12. Geburtstag feierte. Ihr persönlicher Wunsch war es, daß ich als Vorleserin fungieren sollte. Ich habe die Einladung angenommen. 14 Geburtstagsgäste (alle zischen 12-13 Jahre) hatten sich eingefunden.
Ich hatte eine spannende Lektüre ausgesucht, die auch den Jungen
gefallen mußte. Nachdem ich nach etwa 1 Stunde mal eine Pause einlegte, fragte mich einer der Jungen: "Sag mal, bist Du ein Blaustrumpf"? Zunächst war ich etwas irritiert, doch dann kam die Gegenfrage: "Wie kommst Du denn auf diesen Ausdruck?" Es stellte sich dann heraus, daß sein Vater über seine Schwester - also der Tante des Jungen - sagte, daß sie ein Blaustrumpf sei. Ich habe eine kurze Erklärung abgegeben und die Kinder waren zufrieden. Mir ist diese Dame, eine unverheiratete Frauenärztin, persönlich bekannt.
Mich ließ diese Thema aber nicht los und ich bat Herrn Prof. Sowatzky, dieser Sache nachzugehen und uns darüber zu berichten. Hier sind seine Ausführungen:
Herkunft des Begriffs: zusammengesetzt aus blau und Strumpf.
Der Begriff in der späteren Bedeutung geht auf England Mitte des 18. Jahrhunderts zurück. Um 1750 eröffnete die Londoner Literatin Elizabeth Montagu ihren Salon für  "schöngeistige Partys" und lud Gäste zu literarischen Themenabenden und Diskussionen. Einer der dort verkehrenden Herren war der Botaniker Benjamin Stillingfleet, der statt der zur  feinen Herren-Abendgarderobe gehörenden schwarzen Seidenstrümpfe mangels entsprechender Mittel billige blaue Garnstrümpfe trug. Dieses skandalöse modische Vergehen sprach sich herum und die Teilnehmer der  "intellektuellen Feste" wurden allesamt  als  "Blue-Stockings",  "Blaustrümpfe"  bezeichnet
Mit dem Ausdruck  "Blaustrumpf" bezeichnet man nach Korte in Nürnberg einen Verräter. Es ist auch ein englischer Spottname auf gelehrte Frauenzimmer, deren Federgeübte Finger nicht dazu kommen können, Strümpfe zu waschen, weshalb jene Damen angeblich blaue Strümpfe tragen sollen, um den Schmutz zu verbergen. Darauf anspielend schrieb einmal Byron in sein Tagebuch  "Morgen Einladung bei der blauen Miss."
Blaustrumpf war im 19. Jahrhundert eine abwertende Bezeichnung für bestimmte gebildete, aber als unweiblich geltende Frauen. Man zählte sie zu den ersten Angehörigen einer Frauenbewegung analog zur "Emanze" der 1970er Jahre. Die Blaustrümpfe waren keine organisierte Gruppe, wie die späteren Suffragetten, sondern einzelne gebildete Frauen aus dem Bürgertum, die dem zeitgenössischen Frauenbild widersprachen. Die Frauen kämpften für das Frauenwahlrecht und den Zugang zu Hochschulen.
Im 17. und 18. Jahrhundert war  "Blaustrumpf"  ein Spottname für Gerichtsdiener, die oft blaue Strümpfe trugen. Nach dem  "Deutschen Wörterbuch" von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm hatte die Bezeichnung  "Blaustrumpf"  die Bedeutung  "Angeber"  oder  "Verleumder".
Zum Abschluss ein Gedicht von Marie von  Ebner-Eschenbach
Sankt Peter und der Blaustrumpf
Ein Weiblein klopft an’s Himmelsthor,
Sankt Peter öffnet, guckt hervor:
– »Wer bist denn du?« – »Ein Strumpf, o Herr …«
Sie stockt, und milde mahnet er:
»Mein Kind, erkläre dich genauer,
Was für ein Strumpf?« »Vergib – ein blauer.«
Er aber grollt: »Man trifft die Sorte
Nicht häufig hier an unsrer Pforte.
Seid samt und sonders freie Geister,
Der Teufel ist gar oft nicht dreister,
Geh hin! er dürfte von dir wissen,
Der liebe Herrgott kann dich missen.«
Quelle: Wikipedia - Suffragetten - Gedichte

Kommentare :

  1. seid ich Deine Seite lese, habe ich schon einiges an Klugheit gewonnen, finde ich toll eine schöne Woche wünsche ich Dir und freue mich auf den nächsten Bericht herzl. grüße Siegrun

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Irmi,

    deine Darlegungen waren hochinteressant für mich.
    Das habe ich alles noch nicht
    gewusst.
    Herzlichen Dan dafür.

    Liebe Grüße
    Angela und Elisabeth

    AntwortenLöschen
  3. Koestlich dieser Artikel Irmi, vielen Dank!
    Wenn man mich gefragt haette, was ein Blaustrumpf ist, haette ich gesagt: "Na, so eine unverheiratete Klugsch....Intelektuelle." Ganz so daneben waere das ja gar nicht gewesen. Sehr interessant, wo das herkommt und was fuer verschiedene Bedeutungen das hat!

    AntwortenLöschen
  4. Ich kenne den Blaustrumpf als Bezeichnung für eine altjüngferliche, hochnäsige junge Frau, die sich für alles mögliche zu fein ist.
    Deine Erklärungen finde ich super interessant. Danke, liebe Irmi.

    AntwortenLöschen
  5. Das ist ja mal klasse!!!! Danke für diese Wortschatzerweiterung!!!
    LG, Alice

    AntwortenLöschen
  6. Interessant liebe Irmi,ich hätte garnicht gewusst was ein Blaustrumpf ist.
    LG
    Nicole

    AntwortenLöschen
  7. Das war aber spannend!! Hatte keinen schlichten Schimmer zu dieser Bezeichnung....
    Das ist aber toll, dass du als Vorleserin eingeladen wurdest. Eine wunderbare Idee! Ich bin jedoch auch "gwunderig", was du vorgelesen hast.
    So liebe Irmi ich wûnsche dir einen obergemütlichen neuen Tag!
    Herzlich und bbbb

    AntwortenLöschen
  8. Mal wieder eine sehr interessante und informative Geschichte, wie könnte es auch anders sein.
    Den Ausdruck "Blaustrumpf" habe auch ich noch nie gehört.
    Liebe Irmi, ich wünsche dir eine wunderschöne Woche.
    Liebe Grüße Leppine

    AntwortenLöschen
  9. Liebe Irmi, danke für diese interessante Geschichte und Bereicherung meines Wortschatzes :) Ich möchte Dir eine wunderschöne Adventszeit wünschen! Ich grüße Dich ganz herzlich! Deine Alice

    AntwortenLöschen
  10. Guten Morgen, liebe Irmi :)

    diesen Beitrag hab ich jetzt mit ganz besonderem Interesse gelesen - einfach toll, was für spannende und alles andere als alltägliche Themen du immer wieder für uns hier hast.

    Blaustrumpf - gehört hatte ich den Ausdruck schon - aber nicht gewußt, was genau er noch bedeutet ..nur als Verräter war es mir irgendwie geläufig. Da fragt sich dann - ist das ein Kompliment für die jeweiligen Damen, oder nicht? Doll, dass Kinder auf solche Ausdrücke kommen :)

    Ganz liebe Grüße an dich zum Wochenstart,
    Ocean :)

    AntwortenLöschen
  11. Jetzt frage ich mich aber doch ganz dringend, was der Vater des Knäblein von Beruf ist :)

    AntwortenLöschen
  12. ich kannte bis jetzt nur die Bedeutung dieser Redwendung für emanzipierte Frauen. Bei dir habe ich wieder etwas mehr erfahren. Es war sehr interessant.
    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
  13. Irmi
    man staunt über die Frage dieses Jungen..also ist doch noch einiges da an Kindern die nicht Masse sondern Klasse ist?? Freu

    Höre bei uns gerne im Radio die WAHRE GESCHICHTE..classic radio da kommen solche Sachen ..immer ganz toll gemacht
    LG vom katerchen

    AntwortenLöschen
  14. Nun weiß ich auch Bescheid, warum ich wohl nie Professor werden kann, es fehlt einfach an Wissen...

    Servus und Ahoi
    Kvelli

    AntwortenLöschen
  15. Blaustrumpf war mir kein Begriff... bis eben.
    Einen schönen Tag und liebe Grüße

    AntwortenLöschen
  16. ...unter dem Begriff Blaustrumpf konnte ich mir gar nichts vorstellen (vermutet hatte ich eher so Richtung blaues Blut - Adel...) und bin dank deiner Ausführungen jetzt schlauer, liebe Irmi.
    Schneit es bei dir auch so?
    Schön aussehen tut es ja, aber wegen dem Auto fahren werde ich eher unruhig, ich mag es einfach nicht. Obwohl ich genau weiß, daß ich mit Winterreifen gut ausgerüstet bin. Wird schon werden.
    Wünsche dir einen erfeulichen Montag,
    liebe GRüße von Birgitt

    AntwortenLöschen
  17. Nun ist mir der Begriff Blaustrumpf prägnant geworden.
    Ein Glück, daß die Frau an der Himmelspforte Einlaß bekam...der liebe Gott hat nämlich keine Vorurteile.
    Hab einen guten Wochenstart und liebe Grüße

    Marianne ♥

    AntwortenLöschen
  18. und wieder etwas schlauer ;-) danke das du uns immer so schön aufklärst!!!
    lg, kirsten

    AntwortenLöschen
  19. Hallo liebe Irmi,
    da hab ich ja nun einiges nachzulesen gehabt. Das kommt davon, wenn man einfach so für ein paar Tage verschwindet. ;-)
    Du hast wieder so interessante Themen eingestellt, daß ich nur so staunen kann.
    Das Wort Blaustrumpf habe ich noch nie gehört. Ich hätte überhaupt nicht gewußt, in welche Richtung ich gedanklich gehen müßte, wenn jemand so bezeichnet wird.
    Höchst lehrreich.

    Liebe Grüße von 2 B's

    AntwortenLöschen
  20. Liebe Irmi!

    Vielen Dank für Deine netten Erklärungen. Jetzt bin ich wieder etwas schlauer geworden.
    Hab' eine schöne Woche,
    Conny

    AntwortenLöschen
  21. Hihi Irmili ..hier ein etwas längeres Gedicht dazu:



    Sankt Peter und der Blaustrumpf

    Ein Weiblein klopft an's Himmelsthor,
    Sankt Peter öffnet, guckt hervor:
    - »Wer bist denn du?« - »Ein Strumpf, o Herr ...«
    Sie stockt, und milde mahnet er:
    »Mein Kind, erkläre dich genauer,
    Was für ein Strumpf?« »Vergieb - ein blauer.«
    Er aber grollt: »Man trifft die Sorte
    Nicht häufig hier an unsrer Pforte.
    Seid samt und sonders freie Geister,
    Der Teufel ist gar oft nicht dreister,
    Geh hin! er dürfte von dir wissen,
    Der liebe Herrgott kann dich missen.«
    - »Das glaub ich wohl - doch ich nicht Ihn,
    O Heilger, wolle noch verziehn!«
    Sie wagt es, sein Gewand zu fassen,
    Hat auf die Knie sich sinken lassen:
    »Du starker Hort, verstoß mich nicht,
    Laß blicken mich in's Angesicht
    Des Ewgen, den ich stets gesucht.«
    - »In welcher Weise, ward gebucht;
    Man strebt ihm nach, wie's vorgeschrieben,
    Du bist uns fern und fremd geblieben.«
    Das Weib blickt flehend zu ihm auf:
    »Wär dir bekannt mein Lebenslauf,
    Du wüßtest, daß in selgen Stunden
    Ich meinen Herrn und Gott gefunden.«
    Der Pförtner stutzt: »Allwo? - Sprich klar!«
    - »Daselbst, wo ich zu Hause war,
    (Mein Handwerk brachte das mit sich)
    Im Menschenherzen. Wunderlich
    War dort der Höchste wohl umgeben;
    Oft blieb von seines Lichtes Weben
    Ein glimmend Fünklein übrig nur
    Und führte doch auf Gottes Spur.
    Ob er sich nun auf dem Altare
    Den Frommen reicher offenbare -
    Das zu entscheiden ist dein Amt:
    Bin ich erlöst? bin ich verdammt?«
    Sankt Peter zu derselben Frist
    Etwas verlegen worden ist,
    Dacht eine gute Weile nach,
    Nahm endlich doch das Wort. Er sprach
    Und rückt dabei den Heilgenschein:
    »Besprich es drin - ich laß dich ein.«



    (Marie von Ebner-Eschenbach)

    AntwortenLöschen
  22. toll, dass der junge den begriff kennt. ich dachte das ist sicher ein "fast" ausgestorbenens wort.
    hab einen feinen tag.
    lg
    ingrid

    AntwortenLöschen
  23. Boah Irmi,

    was hab' ich wieder viel versäumt,
    hier in den letzten Tagen,
    gefallen hat mir Alles gut,
    da brauchst Du gar nicht fragen. ;-))

    Viele Liebgrüße
    vom verschneiten
    Tiger
    =^.^=

    AntwortenLöschen
  24. Liebe Irmi,
    deine Geschichte ist wieder genial. Jetzt weiß ich auch, warum ich keine blauen Strümpfe trage.
    LG Sabine

    AntwortenLöschen
  25. Wow....du bringst meine Hirnwindungen immer wieder richtig in Schwung. Danke für deine tollen Gedichte und Geschichten.
    Grüßchen Mummel

    AntwortenLöschen
  26. Unglaublich, was man hier ales lernt, ich kannte bisher nur die Bezeichnung für "gebildete, aber als unweiblich geltende Frauen"!

    Was deinen Kommentar zum Baumstriezel betrifft: es ist so wie bei allem, was man im Urlaub oder in der Ferne geniesst zu Hause gar nicht original herstellbar ist und auch nicht so schmeckt, wie an dem Ort, wo man es kennenlernte, siehe Retsina in Griechenland uvm

    Schönen Abend noch!

    AntwortenLöschen
  27. Das ist ja höchst interessant, liebe Irmi. Da kannte ich ja einige Erklärungen noch nicht. Bisher war mir nur die gängige Bezeichnung unweiblich empfundener, belesener Frauen bekannt. Danke für die ausführlichen Erläuterungen.
    Herzliche Grüße
    Elke

    AntwortenLöschen
  28. Das hätte ich nicht gedacht, ich hätte den Waid vermutet. Wie frau sich doch so irren kann, danke für die schöne Erklärung und wieder was gelernt. Ja, bloggern so umher macht einen nicht dümmer, herzlichst margit

    AntwortenLöschen
  29. Soso, die Emanzen sind darauf hervorgegangen. Interessant, interessant.

    AntwortenLöschen
  30. Interessant :). Wußte ich noch nicht! Übrigens, dein Profilfoto jedenfalls gefällt mir :).

    LG Tina

    AntwortenLöschen
  31. Liebe Irmi. Wieder ein genialer Post. Ich liebe das schon richtig. LG Inge

    AntwortenLöschen
  32. Liebe Irmi, vielen Dank für Deine nachgeholten, netten Worte für meinen Männe. Ich bin sowieso erstaunt über die gute Besserungswünsche für meinen Mann, von vielen meiner Blog-Leser.
    Ich finde es eine originelle und wunderschöne Einladungsform zum Geburtstag als Vorlesetante und
    Du bist genau die Richtige. Du hast die Gabe, dafür eine wunderbare, einmalige, vielleicht auch ungewöhnliche Geschichte für diese Vorlesung herauszusuchen.
    Du verblüffst mich ja auch immer wieder mit Deinen außergewöhnlichen Themen, die Du uns als eine interessante, lesenswerte und immer oft lehrreiche Geschichte hier präsentierst, so wie diese.
    Alles Gute für Dich und tschüssi, winke, winke, von der Bettkante, Brigitte

    AntwortenLöschen
  33. Den Begriff kenne ich gut, wußte aber nicht, woher er stammt. Danke für die Aufklärung!
    Ich kenne ihn allerdings nicht für gelehrte Frauen, die keine Hausarbeit tun wollen sondern für Frauen, die Männer hassen ;-) So sagt man bei uns jedenfalls. Sogenannte Ober-Emanzen *lach*

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über jeden Kommentar und möchte mich auf diesem Weg recht herzlich dafür bedanken. Kommentare sind wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt sehr viel.