Sonntag, 16. Januar 2011

Dies und Das über die Esel

Wir alle verleihen mal Bücher. Wenn ich ein besonderes Buch gelesen habe, dann will ich den mir nahestehenden Menschen etwas von meinem Lesevergnügen vermitteln. Darum habe ich ich früher meine Bücher gerne und oft verliehen. Leider bekommt man solche freizügig verliehenen Schätze häufig lange oder gar nicht mehr zurück. Mir ist es auch so ergangen und deshalb verleihe ich keine Bücher mehr.
Manchmal muss man schon froh sein, wenn die Seiten etwas wellig vom verschütteten Kaffee sind und nur jede dritte Seite  ein Eselsohr hat. Schicksalsergeben zucke ich dann mit den Schultern, entferne noch ein paar Brotkrümel aus Kapitel 3 und biege einem halben Dutzend Grautieren die langen Löffel zurecht. (Um nicht falsch verstanden zu werden: Das ist leicht ironisch gemeint. Ist mir auch nur vier- oder fünfmal passiert.).
Doch nun zur Erklärung, woher die Bezeichnung  "Eselsohr"  kommt.
Eben jene umfangreichen Knicke geben dem Eselsohr schon im 17. Jahrhundert seinen Namen. Denn wer solch ausladende Knicke benötigt, um sich an die Buchseite zu erinnern, der ist eben der sprichwörtliche Esel.
Andere Nationen gehen übrigens sparsamer mit ihrer Namensgebung um. Im Englischen reicht ein  "dog´s ear" (Hundeohr) und auch die Schweden begnügen sich mit dem  "hundöra". Die Franzosen nennen es "corne" (Horn). Bei den Brüdern Grimm wird ohne Hinweis auf den Urheber eine Redewendung angemerkt, die mich dann doch etwas beruhigt, wenn ich wieder einen meiner Lieblinge lädiert und leicht verschmiert zurückbekomme:  "Es ist selten ein Buch ohne Eselsohr.".  (Bei mir sind fast alle Bücher ohne Eselsohr).
Zum einen finde ich es beruhigend, dass ich scheinbar mit meinen verknickten Buchseiten nicht alleine dastehe und zum anderen  erinnert mich die zweite .Bedeutung einfach zu sehr an meine liebsten Buchmalträtierer. Der Ausspruch geht nämlich auf den Augustinermönch Abraham a Santa Clara  (1644-1709)  zurück und soll bedeuten, dass alle Dinge und Menschen auch Fehler haben können.
"Darum bleibe ich stumm wie ein Fisch, schaue mit Hundeblick zum Entleiher auf, hoffe, dass ich nicht schon wieder einen Bock schieße und trainiere meine Eselsgeduld."
Die kommt wirklich  vom duldsamen Wesen eines Esels.
Dann gibt es auch noch den Begriff "Eselsbrücke".. Hier habe ich gegoogelt,:
Esel sind sehr wasserscheu und weigern sich beharrlich, auch kleinste Wasserläufe zu durchwaten, auch wenn sie diese physisch leicht bewältigen könnten („sturer Esel“), denn ein Esel kann durch die spiegelnde Wasseroberfläche nicht erkennen, wie tief der Bach ist. Daher baute man ihnen in Furten kleine Brücken, die sogenannten „Eselsbrücken“.
Analog dazu ist eine sprichwörtliche Eselsbrücke ein Umweg oder besonderer Aufwand, der dennoch schneller – oder überhaupt erst – zum Ziel führt.
Außerdem geht ein Esel nicht über jede Brücke, denn er setzt seinen Huf nur auf jenen Untergrund, der ihm völlig geheuer erscheint. Er überquert nur eine Brücke, die ihm Sicherheit bietet. Somit steht die „Eselsbrücke“ auch für die Sicherheit.

Kommentare :

  1. Wir wünschen dir weiter viel
    Freude mit deinen Büchern und
    einen frohen Sonntag
    Angela und Elisabeth

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  2. Liebe Irmi,

    Schön erzählt und so gibt es sehr viele 'alte' und auch 'uralte' Sprüche. Da fragt man sich ja heufig was bedeutet(e) es eigentlich.
    Komisch ist auch noch ein anderer Esel...
    Hier ist ein Demokrat auch ein Esel! Die Republikaner sind Elefanten. Also haben die Esel schon sehr viel Bedeutung und wir haben auch gelernt hier daß es immer ein Esel gibt zum Schutz bei Kühe in großen Wiesen. Die würden mit ihren Hinterbeinen viele Coyote weghalten (eine Art von Prairie Wolf) die sonst die kleine Tieren töten würden. Erst letzten Jahrzehnten (ist mein Deutsch okay?) haben wir daß dazu gelernt. Es ist also ein sehr mutiges Tier.
    In Mexico haben wir ja viele Esel und Maultiere gesehn, die gibt es da noch zum arbeiten auf'm Lande.
    Man lernt immer bis zum Tod!
    Dank für diesen interessanten Post!

    Lieber Gruß und ein schöner Sonntag.

    Mariette

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  3. Oh, wie ich merke, gibt es noch mehr Blogetten, die nicht schlafen können.
    Prima, daß man dann hier bei Dir, liebe Irmi, noch Interessantes über Eseleien findet. ;-))

    Liebgruß
    vom nichtschlaffindenden Tiger
    =^.^=

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  4. Ups, ich Tiger-Esel habe mein Kreuzchen vergessen.

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  5. Liebe Irmi,

    Danke schön für Deine Teilnahme an meinem Lieblingsfrosch-GiveAway und lieben Dank auch für all das Wissenswerte über Esel.
    Am schönsten finde ich die Esel aus dem französischen Poitou, die haben so wunderbare Ohren :-))))
    Ganz liebe Grüsse vom anderen Ende der Welt
    Christine

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  6. Irmi ich hasse Bücher mit Eselsohren..ganz besonders wenn ich es so ZURÜCK bekommen.Unmöglich wenn andere Menschen mit Sachen die ihnen nicht gehören schlampig umgehen...
    auf solche geliehenen Sachen sollte man besonders achten.
    Das der Esel so ein vorsichtiges Tier ist..Danke war neu für mich..nicht dummer Esels sonder sehr klug von ihm
    LG zum Sonntag vom katerchen

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  7. Wie oft werde ich belächelt, wenn ich sage "Nein, ich verleihe keine Bücher mehr" Schön zu erfahren, dass Du auch so handelst.

    Sehr, interessant, das mit den Eselsbrücken.
    Liebe Grüße

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  8. Guten Morgen Irmi,
    da habe ich ja tatsächlich mit meinen bisher verliehenen Büchern Glück gehabt. Aber ich verleihe sie auch "nur" an Familienmitglieder und die legen genauso viel Wert auf eine ordentliche und gute Behandlung von Büchern wie ich selbst.
    Würde ich aber mal eines ziemlich lädiert zurückbekommen, so würde der Verantwortliche von mir kein Buch mehr bekommen.

    Liebe Grüße von Birgit

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  9. Liebe Irmi,
    eine schöne Geschichte zu den Eselsohren.Ich mag Esel sehr und wenn ich den Platz hätte,dann hätte ich auch Esel.Was ich nicht mag sind Eselsohren in Bücher,da ich Bücher über alles Liebe.Ich benutze immer Lesezeichen.Verleihen tue ich sie ungern,da ich öfter auch schon verschmierte Bücher zurück bekommen habe.
    Dir einen schönen Sonnta
    LG
    Nicole

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  10. Ich habe auch noch einige Bücher auf meiner Vermißtenliste,zum Beispiel bei einem Mitazubi, keine Ahnung, wo er heute lebt. Das Verleihdatum ist aber wohl inzwischen verjährt, denn meine Ausbildung habe ich vor fast 25Jahren abgeschlossen...
    LG Ute

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  11. andere seite: wenn ich antiquarische bücher erwische mit eselsohren und randbemerkungen wird für mich der wahrscheinlich längst verstorbene vorbesitzer lebendig. ich versuche, mich in ihn hineinzudenken. was war ihm gerade auf dieser seite so wichtig, dass er die ecke eingeknickt hat? was meint er mit seiner randbemerkung? ist sie für mich noch nachvollziehbar? verstehe ich heute seine fragen noch? warum hat er gerade diesen satz unterstrichen? für mich ist ein buch etwas lebendiges, das wie alles, was lebt, runzeln und falten haben darf. hm.... steh ich ziemlich alleine da... granny, was machstde nur immer falsch? *kopp mit langen ohrn hängen lass* o.k. - in geliehene bücher stecke ich zettelchen mit meinen bemerkungen um mich mit dem verleiher evtl. darüber auszutauschen. *kopp wieder hoch*

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  12. Hmmm, datt is getz ein Thema *strahl* - ich lieb ja auch die Poitou-Eselchen un überhaupt mag ich Esel sehr, aber nich die Ohren in Büchern. Ich verleih auch nur noch seehr ungern Bücher, mir fehlen noch ganz viele, die ich nie mehr wiederkriege :-(. Seit Ehemann die dann nach mir auch immer liest, lohnt sich ein Neukauf schon mehr *grien*....Also, immer wenn mir watt mit nem ausgeliehenen Buch passiert war, denn habbich nen Neues gekauft für die Verleiherin.
    Aber Zettelchen von Grännie würd ich gern finden, ich quatsch gern über Gelesenes.
    Ich geh getz ma Ehemann fragen, ob ich nen Esel kriege. Schönen Sonntach noch!

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  13. Finde es auch immer schade, wenn ausgeliehene Bücher verhunzt zurück kommen, das muss ja nicht sein, doch was nicht mir gehört, na ja...

    Sei lieb gegrüßt und sonnige Stunden
    Kvelli

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  14. Bücher die mir gefallen verleihe ich auch nicht (mehr), kaufe ich notfalls neu, um sie zu verschenken.
    Andere werden nach kurzer Zeit wieder aussortiert und weitergegeben.
    Mit Eselsohren hab ich auch meine Probleme, mag ich gar nicht.
    Liebe Grüße in den Sonntag, Petra

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  15. Das hast du sehr unterhaltsam geschrieben, liebe Irmi. Und wenn ich das nächste Mal ein Buch mit Eselsohren zurück bekomme, werde ich ganz gelassen bleiben und mir meinen Teil denken *grins*

    LG und schönen Sonntag noch!
    dieMia

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  16. Liebe Irmi das ist ja wieder spannend bei dir!!
    Stell dir vor wir hatten in der Primarschule eine Einführung in die Schulbibliothek! Zu den Instruktionen erklärte uns der Lehrer auch wie eine Seite umgeschlagen werden sollte, dass das Buch die Leserei unbeschadet übersteht.
    ...und zu den Eseln: Unsere Esel benehmen sich nur stur, wenn sie etwas nicht kennen! Sie lernen jedoch extreeem schnell und es ist immer wieder ein Freude mit ihnen etwas zu üben.
    Ich wünsche dir einen schônen Sonntag! Chälbli Nummer 6 ist in der Anflugschneise!!
    Herzlich und bbbbb

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  17. Liebe Irmi,
    ich vermisse auch immer noch einige Bücher. Weiß teilweise gar nicht mehr, an wen ich sie verliehen habe.
    LG Sabine

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  18. ich habe schon verliehene Bücher gar nicht wieder bekommen :(
    PS: bremen war super!
    gglg

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  19. ich habe schon verliehene Bücher gar nicht wieder bekommen :(
    PS: bremen war super!
    gglg

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  20. Ja, so viele Bücher, die ich nicht wieder bekommen habe, sogar welche, die ich noch nicht mal gelesen hatte.....kenn´ich doch nur all zu gut.
    Sei lieb gegrüßt
    und hab´einen guten Start in die neue Woche liebe Irmi.
    Herzliche Grüße
    Rosi

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  21. Herrlich erklart. An meinen Büchern ist das spezielle das Eselsohr.... Hab schon so oft gedacht, wat die Leute wohl von mir denken, wenn sie in meine Sammlung mal reingucken. Aber es sind meine und ich verleihe keine.... Aber ich gelobe Besserung, da ich ja nun auch ein schönes Lesezeichen bekommen habe. LG Inge

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  22. Das ist ja eine recht interessante Ausführung.
    Immer wieder erstaunlich, immer wieder spannend.
    Danke für die Geschichte von Eselsohr und Eselsbrücke usw. ♥

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Ich freue mich über jeden Kommentar und möchte mich auf diesem Weg recht herzlich dafür bedanken. Kommentare sind wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt sehr viel.