Montag, 25. Juli 2011

Ja,einmal sollte man....


Bild: Weserkrabbe

Einmal sollte man seine Siebensachen
Fortrollen aus diesen glatten Geleisen.
Man müßte sich aus dem Staube machen
Und früh am Morgen unbekannt verreisen.

Man sollte nicht mehr pünktlich wie bisher
Um acht Uhr zehn den Omnibus besteigen.
Man müßte sich zu Baum und Gräsern neigen,
Als ob das immer so gewesen wär.

Man sollte sich nie mehr mit Konferenzen,
Prozenten oder Aktenstaub befassen.
Man müßte Konfession und Stand verlassen
Und eines schönen Tags das Leben schwänzen.

Es gibt beinahe überall Natur,
- Man darf sich nur nicht sehr um sie bemühen -
Und soviel Wiesen, die trotz Sonntagstour
Auch werktags unbekümmert weiterblühen.

Man trabt so traurig mit in diesem Trott.
Die anderen aber finden, daß man müßte...
Es ist fast so, als stünd man beim lieben Gott
Allein auf der schwarzen Liste.

Man zog einst ein Lebenslos "zweiter Wahl".
Die Weckeruhr rasselt. Der Plan wird verschoben.
Behutsam verpackt man sein kleines Ideal.
- Einmal aber sollte man... (Siehe oben!)
(Mascha Kaleko)

Kommentare :

  1. Weißt Du, wie oft ich am Hauptbahnhof stehe, und mir denke, heute gehst Du nicht ins Büro sondern nimmst einfach den Zug auf dem nächsten Bahnsteig nach Kiel/Wien/Wladiwostock? Schön wär's und ich bewundere jeden, der es schafft, sich aus dem Alltagstrott zu befreien.
    Liebe Grüße

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  2. Danke liebe Irmi für dieses wunderbare Gedicht von Mascha Kaleko. Sie war einen grosse Lyrikerin, ich mag ihre Werke sehr...

    Herzlichst und alles Liebe

    Hans-Peter

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  3. So schön und gefühlvoll, danke liebe Irmi.lg sendet dir Ilse.

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  4. Sehr schoen !

    Gruss aus momentan Maryland, wo nicht nur ausschliesslich Damen mit dem Namen Mary wohnen ;-)


    lg joe

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  5. Hm, irgendwie verschwinden hier in letzter Zeit immer meine Kommentare... Also nicht immer, aber ab und zu... Wie kommtn das? Hab doch heute früh wat geschriebm... Komisch... *wunder*

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Ich freue mich über jeden Kommentar und möchte mich auf diesem Weg recht herzlich dafür bedanken. Kommentare sind wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt sehr viel.