Mittwoch, 18. April 2012

Dies und Das und ein Rezept gegen die Angst

Diese Straße verliert sich in der Ferne. Wenn wir sie nicht zu ende gehen, wissen wir nicht, was noch kommt, was eine Wegbiegung uns zeigt. Und verläuft nicht unser Leben auch so? Keiner von uns hat Jugend, Liebe und Gesundheit gepachtet. Innerhalb weniger Sekunden werden wir vor vollendete Tatsachen gestellt, die wir erst einmal verkraften müssen Es hat auch nichts damit zu tun, ob wir jung oder alt sind - verarbeiten müssen wir die Wahrheit ganz allein. Da bekommt auch das Wort, das wir alle mal benutzt haben, eine ganz andere Bedeutung: "Schlaf eine Nacht darüber.  Morgen sieht alles anders aus." Das stimmt nicht - nichts sieht anders aus. Die Probleme sind geblieben. Du musst für dich ganz allein entscheiden: Behalte ich das für mich - oder öffne ich mich ein Stück weit? Ich weiss genau, helfen kann niemand - und will ich die gutgemeinten Ratschläge dann überhaupt hören? Ich weiss es nicht. Wie immer in prekären Lebenslagen fand ich bei Mascha Kaleko ein Rezept: 

Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
und der Anzug im Schrank. 

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit. 

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muss, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück. 

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
geht es um dich oder ihn.
Dein eignen Schatten nimm
zum Weggefährten. 

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruss mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
unter dem Dach im Einstweilen. 

Zerreiss deine Pläne. Sei klug
und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
im grossen Plan.
Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten. 
(Mascha Kaleko)

Kommentare :

  1. Liebe Irmi,
    nein, hier kommt jetzt kein gut gemeinter Ratschlag ... ich wüsste auch (leider) nicht welcher. Deine Zeilen machen nachdenklich, ebenso das Gedicht. Gleichzeitig tun sie aber auch irgendwie gut. (Klingt das jetzt arg blöde??)
    Jedenfalls finde ich es schön, dass es Dich gibt, und hoffe, dass Deine prekäre Lebenslage bald durchgestanden ist und Du endlich mal wieder fröhlich und ohne Sorgen durchatmen kannst.

    Drück Dich und sende Dir alles Liebe,
    Sonja

    PS: Das Wörtchen "prekär" liest sich ganz schrecklich ...

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  2. Verwandele Deine Angst ins Positive..
    LG Gisela
    Die Angst ist ein stummer Begleiter,
    sie ist weder Freund noch Feind.
    Sie macht uns nicht gescheiter
    auch wenn es so auszusehen scheint.
    Ein Gefühl,eine Ahnung,ein Schrecken,
    die Angst kann wandelbar sein.
    Vor ihr gibt es kein verstecken,
    sie holt uns überall ein!
    Sie lauert uns auf bei Tag und bei Nacht-
    mal macht sie uns klein,
    mal gibt Sie uns Macht.
    Angst- heißt vorsichtig weitergehn.
    Sich ab und zu mal umzusehn.
    Nachdenken-
    und nicht kopflos handeln,
    so kann sich Angst in Glück verwandeln!
    (Susi Becker)

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  3. Wenn es wirklich ein Rezept gegen die Angst gebe, würden wir dann nicht viel leichtsinniger mit manchen Dingen im Leben umgehen.
    Wie immer regst du mit deinen Worten zum Nachdenken an.
    LG Sheepy

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  4. angst ist wirklich etwas schlimmes und jeder hat seine art damit umzugehen. hast du mal wieder schööön geschrieben!
    liebe gruesse!

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  5. Liebe Irmi,

    lange habe ich bei Dir nicht mehr kommentiert. Was ich heute bei Dir als Post lese, (ich lese zwischen den Zeilen), macht mich sehr betroffen. Falls Du Hilfe brauchst, würde ich mich freuen, wenn Du Dich bei mir meldest.

    Meine Mailadresse müssest Du haben.

    liebe Grüße Lydia ♥♥♥

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  6. Toller Text, auch wenn der Inhalt leider nicht so erfreulich ist.
    Ich wünsche Dir alles gute, und hoffe, dass du bald positiver denken kannst.

    LG Yeliz

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  7. Liebe Irmi

    Eigentlich habe ich gar keine Zeit zum kommentieren. Aber heute MUSS das sein.
    Mir geht es wie der Malerin - ich muss grad immerzu an Dich denken.

    Das wollte ich Dir einfach gesagt haben.

    Herzgrüesslis mit Lächeln
    Fränzi Sternenzauber

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  8. Liebe Irmi
    ein sehr guter Ratgeber für die Angst!
    Ich lebe mit der Angst zu sammen und arbeite immer wieder daran um sie nicht siegen zu lassen. Ich red auch mit ihr udn frag sie warums ie da ist jetzt gerade!
    Ich Schreib es auf und dann sehe ich was los und probiers anders den weg zu gehen aber ich gehe weiter!!!

    Lieben Gruss Elke

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  9. Wie du es schreibst, man muss sich nichts vormachen. Diese Angst bleibt nicht weg. Und dafür kann es wirklich keine guten Ratschläge geben. Jedoch finde ich, dass in dem Gedicht viel enthalten ist.

    Dir wünsche ich viel Kraft, Brigitte

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  10. Ein wunderbares Gedicht hast du uns rausgesucht.
    "Geh dem Leid nicht entgegen.
    Und ist es da,
    sieh ihm still ins Gesicht.
    Es ist vergänglich wie Glück."
    Dieses Stück des Gedichts berüht mich besonders.
    Liebe Grüße!

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  11. Leid ist vergänglich wie das Glück ...
    ein schöner und trauriger Gedanke. Und das eine geht vielleicht gar nicht ohne das andere.

    Dein Text regt zum Nachdenken an. Danke

    lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

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  12. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  13. Liebe Irmi,

    Angst ist auch immer wieder ein ständiger Begleiter von mir.

    Manchmal stimmt es aber schon, dass man manche Dinge nach einer Weile als nicht mehr so schlimm empfindet. Auch wenn das mit dem "schlaf mal darüber" nicht so ganz stimmt.

    Ich hoffe Dir gehts gut. Es sind doch sehr nachdenkliche Zeilen, die Du sicher nicht ohne Grund geschrieben hast.

    Viele liebe Grüße


    Claudia

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  14. Liebe Irmi,

    dieses Gedicht von Mascha Kaleko berührt mich sehr... sie stimmt mich nachdenklich, lässt mich tiefer schauen ... Lieben Dank dafür und für deinen ebenso genialen Post...
    Wer hat sie nicht mal als Weggefährtin, die Angst? Auch ich arbeite daran...

    Hoffe, du bist wohlauf?...
    Liebe Gutenachtgrüsse, Sichtwiese

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  15. Liebe Irmi,

    So ein herlliches Gedicht wo drinnen das ganze Leben verwortet worden ist... So war.
    Lieber Gruss,

    Mariette

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  16. "Jage die Angst fort ..." mein liebes Irmili ..dieses Gedicht les ich immer und immer wieder ....und mich lähmt sie gerade ..sie lähmt mich die "richtigen" Worte zu finden ....stumm vor Schreck
    gerade
    dein
    Kroeti

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  17. Sehr nachdenkliche Worte, liebe Irmi.
    Sei gegrüßt von mir,
    Ute

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  18. Natürlich ist das 'Problem' noch da, wenn man eine Nacht drüber geschlafen hat. Aber vielleicht ist einem eine Lösung in den Sinn gekommen, die vorher durch Unruhe etc. verbaut war.

    Ich sehe Angst nicht als Negativum. Ohne das Gefühl der Angst, der Warnung, hätten wir als Menschen früher nicht überlebt. Die Hirnforschung hat mittlerweile herausgefunden, dass es nur eine Art von Menschen gibt die keine Angst hat – nämlich Psychopathen. Ihr Angst-Bereich im Gehirn ist nie aktiviert.

    LG!

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  19. Liebe Irmi,

    ich habe vor vielen Jahren mal gesagt: "Wer den Abgrund nicht kennt, kann den Himmel nicht sehen." Und dazu stehe ich noch heute. Glück und Leid lieben meist nah beieinander. Und nichts davon darf man vergessen, nicht die kleinen Glücksmomente im Leben aber auch nicht die Trauer und das Leid.

    Angst kenne ich auch ... sie kann uns lähmen. Man muss sich ihr stellen, aber das ist schwer.

    Liebe Grüsse
    Angelika

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  20. Liebe Irmi,
    das ist wunderschön und so wahr.
    Ich wünsche dir ein schöes Wochenende.
    LG Sabine

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  21. Liebe Irmi,
    ich hoffe, es geht Dir gut und es ist nichts Ernstes! Mir gehts wie den anderen hier ...

    Herzliche Grüße
    Sara

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  22. Liebe Irmi!
    Die Zeilen von Kaleko sind einfach nur ... sie fegen aus in einem.

    Ein schönes Wochenende wünscht die Frau vom Bogenregen

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  23. Wie wahr....wie wahr sind deine Worte und das von Mascha Kaleko..
    Zum Leben gehört eine gute Portion Mut...oder mal stehen zu bleiben..ein anderes Mal..zu laufen, ein ganz anderes mal nach Oben zu schauen..oder sich doch hinzusetzen...weil das Leben dann gerade genau richtig ist und man es genießt ;o)
    Ich wünsche für uns alle..ein spannendes Leben, das sich viele Türen öffnen,wenn eine andere zuvor geschlossen wurde..

    Liebe Grüße
    Swaani

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Ich freue mich über jeden Kommentar und möchte mich auf diesem Weg recht herzlich dafür bedanken. Kommentare sind wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt sehr viel.