Samstag, 20. April 2013

Dies und Das und das Sterben der Bäckereien






Heute erzählte mir der Bäcker meines Vertrauens, dass die Bäckerei zum Ende des Jahres geschlossen wird.
Ich bin sehr betroffen. Hier wird das Brot noch selbst gebacken, ich will sagen, man nimmt keine Rohlinge.
Wenn ich ein Sauerteigbrot haben möchte, bekomme ich es auch. Am Freitag gibt es immer ein echtes Roggen-Kümmelbrot. Ein Genuss! Und am Samstag bekomme ich ein Weißbrot mit Rosinen. Alle diese Köstlichkeiten - und noch mehr -  soll es also im kommenden Jahr nicht mehr geben. Bäcker M. sagte, dass man schon seine Stammkundschaft habe, die es zu schätzen wüsste, dass alles selbst gemacht wird. Aber von diesen Kunden kann man nicht leben. Als ich 1971 zu zog, gab es zwei Bäckereien in dem Dorf. Lange schon hat der Bäcker im Unterdorf  dicht gemacht. Dafür haben wir jetzt eine Großbäckerei und auch im Supermarkt gibt es Brötchen und Brot - mehrmals frisch am Tag. Wesentlich billiger - aber auch besser?
Ich möchte mich nicht  dazu äußern - ich gehe halt lieber zum Bäcker.
Im Mittelalter haben in den Städten die Männer gebacken, auf dem Lande war das die Aufgabe der Frauen. Wenn die Männer das Brot fertig hatten, bliesen sie in ein Horn, um zu signalisieren, dass jetzt frisches Brot zu kaufen war. Der Ofen hatte aber immer noch Restwärme. Im Kinderlied  "Backe backe Kuchen"  geht es genau darum, wenn es heißt  "Der Bäcker hat gerufen!" Es beschreibt, dass nun die Frauen an der Reihe waren, ihren Kuchen im noch warmen Ofen auszubacken. Besonders geschätzt war zu dieser Zeit das Weißbrot. Dementsprechend teuer war es auch, so dass die einfache Bevölkerung es sich nicht leisten konnte. Stattdessen mussten die wenigen Wohlhabenden sich mit dem dunklen Brot begnügen. Waren die Zeiten schlecht, wurden dem Mehl Erbsen oder Kartoffeln beigemengt, denn Getreide war sehr wertvoll. Es war seit jeher in sämtlichen Kulturen ein wichtiges Zahlungsmittel, das mancherorts noch bis ins 19, Jahrhundert Gültigkeit hatte. Auch Steuern wurden in Form von Getreideabgaben erhoben.


Gottlob, dass ich ein Bäcker bin!
Ich mein, ich bin´s in Ehren,
Und daß ich habe frohen Sinn
Soll mir kein Teufel wehren.
 Ich backe Brot, Brot geht voran
Vor allen Gottesgaben,
Das müssen Bauer, Bürgersmann
Und Rat und König haben.
(Verfasser unbekannt - um 1800)


Und dann möchte ich noch
chat noir
hier am Neckarstrand begrüssen. Ich freue mich, dass du hierher gefunden hast.

Kommentare :

  1. Liebe Irmi,

    es schmerzt, wenn nach und nach Geschäfte
    geschlossen werden.
    Wir können es nicht ändern.

    Sonnige Grüße
    Elisabeth

    AntwortenLöschen
  2. guten morgen irmi,
    das kann ich durchaus nachfühlen. aber das liegt daran, dass die leute immer billiger bzw. preiswerter einkaufen wollen und somit die guten geschäfte die preise, die die
    großbäckereien haben nicht halten können. welche kleine bäckerei kann solche preise machen? die großbilligbäckereien schießen ja wie pilze aus dem boden und die Leute gehen schnell mal rein und kaufen sich ein Brötchen o.ä. Dann gehen sie futtern mit dem Teil in der Hand durch die Straßen. Früher habe ich mich immer ein bisschen drüber aufgeregt, dass man in Stuttgart immer Leute gesehen hat, die futternd durch die Straßen gegangen sind. Ich frage mich immer, haben die kein Zuhause und keinen Tisch, wo sie essen können?
    Heute stört es mich nicht mehr, ich sehe es nicht mehr.

    LG Eva, die beim Bäcker nebenan kauft, wie lange noch?

    AntwortenLöschen
  3. Irmi so ist das leider..

    Wir hatten vor vielen Jahren 3 Bäcker im Dorf..nun ist keiner mehr da..

    Brote so wie du sie beschreibst sind eine Köstlichkeiten,da kommt nichts mit was man so in einem Laden kaufen kann..
    Nur diese Art des Backens ist Zeitaufwendig..das passt nicht.

    LG vom katerchen der ein schönes Wochenende wünscht

    AntwortenLöschen
  4. Hallo Irmi,

    leider ist das heute so, die Kleinen verschwinden nach und nach. Wir sind dazu übergegangen unser Brot selbst zu backen und kaufen nur noch selten Brot.

    Viele Grüße und ein schönes Wochenende noch
    Nachtfalke

    AntwortenLöschen
  5. Liebe Irmi,
    heute sprichst du ein Thema an, dass uns durch den Beruf unseres Sohnes (er ist gelernter Bäcker und Bäckermeister) sehr bekannt ist. Der Wert des Handwerks ist verloren gegangen und der Anspruch an gute Qualität wurde dem Deutschen durch die Geiz ist Geil Offensive erfolgreich abgewöhnt. Man könnte jetzt den Bogen zur Rolle der Politik schlagen, aber davon nehme ich lieber Abstand. Was ist aus dem Qualitätsmerkmal MADE IN GEMANY geworden? Es löst sich in ein Nichts auf. Dann wenigstens im eigenen Leben, in der eigenen Familie an den alten Werten festhalten und bewußt oder bewußter Leben.
    So gehen wir nun in dieses Wochenende hinein, das hoffentlich wieder ein sehr gesundes sein wird.

    Dir herzliche Grüße,
    egbert

    AntwortenLöschen
  6. Hallo Irmi,
    danke, sehr informativ. Es gibt Bestrebungen, dass Brot zum Weltkulturerbe werden soll. Ich weiß allerdings nicht, wie die Aussichten sind, diesen Status zu erhalten. Brot habe ich auch auf meiner Ideenliste stehen, darüber einen Post zu schreiben. Das mit dem kleinen Bäcker im Ort ist bei uns umgekehrt. Unsere Familie mag lieber das Brot aus den Bäckereiketten, so dass wir kaum Brot beim kleinen Bäcker kaufen.

    Grüße Dieter

    AntwortenLöschen
  7. Ja liebe Irmi, leider ist es so, dass die guten Bäcker, die noch alles von Hand machen, nicht davon leben können. Der einzig Bäcker, den wir hier hatten, der noch so gebacken hat, hat auch vor kurzem Schluß gemacht. Aber wir haben mittlerweile in unserer Straße 7 (sieben) Bäckereien, die mit Backmischungen backen, kleine Bistros haben und belegte Brötchen anbieten. Außerdem liegen sie alle in unmittelbarer Nachbarschaft. Du siehst in einer Stadt mit den meisten Arbeitslosen in Deutschland, können so viele Bäckereien bestehen, die für ein halbes belegtes Brötchen teilweise über €1,40 nehmen und natürlich den Coffee to go in allen Variationen anbieten. Ich denke zwar, dass die sich auf Dauer auch wieder gegenseitig kaputt machen, aber erst einmal sind sie da. Ich finde es ganz schlimm, dass so etwas überhaupt möglich ist, aber im Grunde sind wir (die Kunden) es ja, die den Markt bestimmen. Und "wir" wollen nunmal nur billig und bequem, was in diesem Fall der belegten Brötchen zwar nicht zutrifft, aber da überwiegt dann wohl die Bequemlichkeit. Ich bin inzwischen dazu übergegangen, mein Brot selbst zu backen. Da weiß ich, was da drin ist. Schade ist es trotzdem. Da lob' ich mir die Franzosen, die noch ihr frisches Baguette jeden Tag auf's Neue holen und auch sonst die selbstgemachten süßen Köstlichkeiten lieben und da auch wesentlich mehr für bezahlen als wir.

    Ein schönes Wochenende
    und liebe Grüsse
    Brigitte

    AntwortenLöschen
  8. Hallo, meine liebe Irmi (◠‿◠)
    Oh, ja, das ist ein Thema! Unser Staat macht immer mehr kaputt, in dem neue Gesetze und Verordnungen herausgegeben werden. Heute kannst du an jeder Ecke Verkaufsstellen für Backwaren finden, niemand backt mehr selbst, die Preise sind zwar für uns Kunden angenehmer, aber die richtigen Bäckereien sterben aus. Das kann es ja eigentl auch nicht sein. Aber unser Staat macht einfach mal, und nach den paar Jahren als Politiker im Amt ... die Sinnflut.

    Danke für deinen Kommentar. (≧◡≦) Ich habe diesemal im neuen Post darauf geantworte, da ich heute noch eine Fortsetzung von der Demo gebloggt habe.
    Ich sende dir ♡allerliebste Grüße zum Wochenende, Wieczora (◔‿◔) | Mein Fotoblog

    AntwortenLöschen
  9. Liebe Irmi,
    das ist leider der Lauf des Lebens.
    Ich finde es auch sehr schade,dass die kleinen Läden schließen müssen.
    Wir sind es im Grunde ja selber schuld.
    Vor einem Jahr hat ein Brüderpaar bei uns im Ort einen Lebensmittelladen eröffnet,aber leider ist das nicht angenommen worden.
    Ich konnte das nicht verstehen,zumal wir außer der Bäckerei kein Geschäft haben.
    Die alten Leute sind dann lieber mit ihren Rädern 4km gefahren,um einzukaufen,dabei waren die Preise bei uns nicht teurer.Viele sperren sich für neue Sachen,auch wenn es bequemer wäre vor Ort einzukaufen.Der Laden ist mittlerweile wieder geschlossen.
    Viele können sich aber auch nicht die Preise beim Bäcker leisten und deshalb gehen sie zum Discounter oder zum Billigbäcker.
    Meine älteste Tochter ist mit drei Jugendlichen alleinerziehend und muss den Cent mehrmals umdrehen.Unsere drei Enkel verputzen natürlich einiges.
    Sie backt ihr Brot auch oft selbst, wenn die Zeit es zulässt neben ihrer Berufstätigkeit.
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.
    Liebe Grüße
    Tilla
    PS:Das Kümmelbrot würde meinem Mann auch schmecken.

    AntwortenLöschen
  10. Auch so ein trauriges Thema, liebe Irmi, das Bäckersterben. Ich bedaure das auch so sehr. Hab mal gehört oder gelesen, dass die Bäckereien, die noch von Hand backen, für ein Brot ca. 10 Euro verlangen müssten, um überleben zu können.
    Meine Tochter backt ihr Brot selbst und ich überlege das auch schon.

    Ein lieber Gruß zum Wochenende
    von der Waldameise

    AntwortenLöschen
  11. diese verd. Globalisierung lässt all das Gute und Feine der kleinen Läden stirbt. Eine beängstigende Entwicklung, die ich seit Jahrzehnten beobachtet und was mir nicht nur zu Denken gibt, sondern auch Angst bereitet. Der Einheitsbreimüll der Massenproduktionen ist nicht nur ungesund für den Menschen, sondern auch sozial nicht erträglich. Grosse, anonyme Einkaufszentren, Dauerberieselung mit verdummender Musik und ebensolcher Werbespoteinlagen, verführen die Kundschaft, lassen Kommunikation nicht zu und füllen letztendlich nur die Ladenkassen. All Das, was aus sinnloser Überproduktion dann nicht verkauft wird, landet im Müll.

    Die kleinen Dorf- oder Quartierläden sind längst zum Tod verurteilt. Nur, es regen sich bereits erste kleine Zeichen, dass diese übergroßen Konsumtempel auch dem Tod geweiht sind und dass der Trend wieder hin zu Kleinen weist. Ich Basel wird bereits ein solcher überdimensionaler Einkaufspalast nähe Hauptbahnhof geschlossen, und das nach nur knapp zweijährigem Betrieb.


    Liebe Grüsse Dir

    Hans-Peter

    AntwortenLöschen
  12. ...ich kaufe auch lieber ein gutes Brot beim Bäcker, liebe Irmi,
    und kann es mir auch leisten ohne darüber nach zu denken, aber viele können das nicht mehr und müssen die Angebote der Großbäckereien nutzen, was diese wiederum stärkt...hier machen auch immer mehr Bäckerketten auf...

    lieber Gruß Birgitt

    AntwortenLöschen
  13. Doch es schmerzt,
    ich bin jedenfalls sehr froh, dass wir hier zwei sehr gute Bäcker haben, die noch selber und richtig backen.
    Ein gutes Brot kostet meist auch nicht viel mehr, hält länger und enthält bessere Zutaten. Auch deshalb kaufe ich kein Brot von den Großbäckern und Ketten. Ja und weil ich diese oft nicht vetrage, die Folge sind schmerzende Lüfte auf die ich gerne verzichte.
    Liebe Grüße vom Frollein

    AntwortenLöschen
  14. Da muss ich erzählen, dass wir großes Glück hier im Städtchen haben. Wir haben 2 ganz hervorragende Bäckereien hier. Die sind auch enorm gut frequentiert. Viele Leute zahlen lieber etwas mehr für gute Ware. Die Brezen sind unvergleichlich, und erst die Seelen. Man kann hier auch mal in aller Gemütsruhe frühstücken mit ganz frischen Semmeln (Brötchen). Obwohl es jede Menge Supermärkte gibt, mit vorgefertigter Ware, kaufen wir doch lieber beim Bäcker. Und hoffen, dass sie so schnell nicht dichtmachen. Und wie auch das Frolleinchen schreibt, ich vertrage ebenfalls die Großbäckereiware nicht.

    Will ich jedoch im Fachgeschäft Fleischwaren kaufen, dann muss ich ein Stück fahren. Gute Metzgereien sind hier Mangelware.

    Liebe Grüße, Brigitte

    AntwortenLöschen
  15. Liebe Irmi,

    es ist wirklich traurig, dass die "echten" und oft alteingesessenen Bäckereien ums Überleben kämpfen müssen und es oft nicht schaffen - gegen diese Billig-Bäcker. Grad in HN gibt es davon ja einige - manchmal sitzt so ein Billigladen direkt neben einem eingesessenen Bäcker .. ich find das schlimm.

    In unserem Dorf haben wir eine Bäckerei, die noch drei Filialen hat, die aber auch ohne Fertigteiglinge und Zusätze backt. Diese Bäckerei ist wirklich Gold wert. Alles, absolut alles schmeckt dort superlecker, und sie ist sehr etabliert in der Gegend hier, zum Glück.

    Ich grüß dich ganz lieb und danke für die Hintergrundinformationen zu dem Lied ..das kannte ich zwar, aber diese Bedeutung war mir nicht bewußt gewesen.

    Ein schönes restliches Wochenende wünscht dir
    Ocean

    AntwortenLöschen
  16. Bei uns spriessen die Billigbäcker mit Selbstbedienung in der City aus dem Boden...
    Schönes Restwochenende!

    AntwortenLöschen
  17. Dank Dir, liebe Irmi!
    Ich schicke Dir eine große Portion Meeresenergie und puste heilsamen Seewind zu Dir gen Süden! :)

    Liebste Grüße
    Martina

    AntwortenLöschen
  18. Yummy, fill my tummy, great image Irmi.

    AntwortenLöschen
  19. Ja, eine traurige Entwicklung!
    Aber ich kenne sie selbst nur allzugut als Handwerker.

    Ich hoffe, Du findest Ersatz.

    Liebgruß,
    Tiger
    =^.^=

    AntwortenLöschen
  20. Liebe Irmi,
    Ja so etwas ist ja schade und ich glaube auch sicher das die Bäcker gesundere Zutaten verwenden! Ich mag diese informativen Posts sehr gerne.
    Lieber Gruss,
    Mariette

    AntwortenLöschen
  21. Oh, ich liiiiiiiebe (Bäcker)Brot aus eurer Region. Hier gibt es leider keines, was dem annähernd gleich kommt. Schade, dass dein Bäcker schließen muss.

    AntwortenLöschen
  22. Tzääää, dreimal den gleichen Kommi rausgehauen ... Blogger hatte wohl Ladehemmungen.

    AntwortenLöschen
  23. Ja, ein trauriges Thema, nicht nur mit den Bäckereien ....
    ich kaufe mein Brot auch am liebsten in der kleinen Bäckerei, wo das Brot noch nach Brot schmeckt!Ich wünsch Dir einen guten Start in die neue Woche!
    ♥ Allerliebste Grüße Claudia ♥

    AntwortenLöschen
  24. Liebe Irmi,

    ich gebe gern ein paar Cent mehr aus für ein gutes Bäckerbrot. Wir haben hier noch einige vor Ort. Und wenn alle Strenge reißen, muss Herr Schwanenweiß ran. Der ist schließlich Bäcker von Beruf...

    Allerbeste Grüße

    Anke

    AntwortenLöschen
  25. Vielen Dank für die nette Begrüßung!
    Liebe Grüße aus dem südlichsten Zipfel Niedersachsens von der schwarzen Katze!

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über jeden Kommentar und möchte mich auf diesem Weg recht herzlich dafür bedanken. Kommentare sind wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt sehr viel.