Dienstag, 28. Oktober 2014

Dies und Das über Sprachstörungen


Heute mal wieder etwas aus meinem Leben. Seit mehr als 4 Monaten betreue ich ein kleines 4 1/2-jähriges Mädchen. Ich bin eine so genannte "Leihoma". Die Kleine ist behindert. Sie zieht das rechte Beinchen nach und stottert. Ich habe mich bewusst für dieses Kind entschieden. Wir verstehen uns gut und ich glaube, diese Verbindung tut uns beiden gut.
Die Kleine wurde immer wieder gehänselt und ausgelacht und hatte sich immer mehr zurückgezogen. Seit einigen Wochen besucht sie für 2 Stunden täglich einen Kindergarten. Hier hat sich sofort ein kleines Türken-
mädchen um sie gekümmert und die beiden sind unzertrennlich. Aber das alles wollte ich eigentlich nicht erzählen. Es geht vielmehr um das Stottern.
Gestern Nachmittag hatte die Logopädin der Kleinen Verwandte und Bekannte der Kinder zu einem Vortrag geladen. Ich habe viel Neues gelernt. Bislang dachte ich immer, man solle Stotterer nicht anschauen. Dann würde es schlimmer. Ich weiß, dass man das früher gesagt hat. Heute wurde ich eines anderen belehrt.
Bei manchen Menschen wird es richtig heftig, wenn sie aufgeregt sind. Bei anderen, wenn sie im Stress sind. Dann schaffen sie es nicht, flüssig zu sprechen. Sie wiederholen Silben, zum Beispiel: "Wiewiewie geht es Dir? Oder sie dehnen manche Buchstaben besonders lang:  "Waaas machst du? Und manche Menschen stottern heftig.
Warum es Menschen so geht und anderen nicht, wissen selbst Fachleute nicht genau. Fest steht allerdings, dass die Sprechwerkzeuge der stotternden Menschen  -  also Mund und Zunge -  gesund sind. Stottern ist vielmehr einfach eine Störung beim Sprechen. Unter dieser Störung leiden viele Menschen: In Deutschland sind es etwas 800 000 - vor allem Kinder. Bei ihnen verschwindet das Stottern häufig von selbst wieder. Oft helfen ihnen auch spezielle Übungen.
Stotternde leiden oft unter ihren Sprechstörungen. Doch man kann ihnen helfen. Wichtig ist zum Beispiel, dass man sie in Ruhe ausreden lässt. Stotternde wissen meist genau, was sie sagen wollen. Man muss ihnen nur Zeit lassen. Es hilft gar nicht, wenn man ihre Sätze zu Ende bringt. Also: Falle dem Stotternden am besten nicht ins Wort. Versuche vielmehr, den Menschen ruhig und direkt anzusehen, während er redet. So gibt man ihm das Gefühl: Es ist okay, nimm dir ruhig Zeit.
Blöde Witz gehen gar nicht. Stotternde leiden genug, da muss man nicht noch reinhauen. Man sollte sich auch gut gemeinte Ratschläge sparen. das setzt sie nur unter Druck. Man sollte einfach entspannt und geduldig
sein .Damit hilft man dem Betroffenen am meisten. Viele Stotterer können nämlich oft dann flüssiger sprechen, wenn sie keine Angst haben und sich wohlfühlen.
Für mich war der Vortrag sehr lehrreich und ich bin nun sicherer im Umgang mit der Kleinen. Leider sieht es so aus, dass sich die Sprachstörungen etwas bessern können - eine völlige Heilung aber nicht möglich ist.

Keiner kann sein Leben
nach eigenen Entwürfen erfinden,
sondern jeder muss es annehmen
als Gnade und Last,
so wie es ihm gegeben ist.
(Karl Rahner)

Kommentare :

  1. Liebe Irmi,
    wir kennen einen stotternden Markthändler, der auch immer sehr viel und lustig erzählen kann.
    Der bittet sogar darum, dass wir seine Sätze zuende bringen, wenn er in einer Stotterschleife festhängt. Vorausgesetzt, wir ahnen das Satzende. Danach macht er mit dem nächsten Satz weiter....
    Wir gehen recht locker miteinander um, und es ist in Ordnung so.

    Die Menschen sind wohl verschieden?

    Liebe Grüße!

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  2. Guten Morgen , meine liebe Irmi,
    ja, das ist ein schwieriges Thema. Der Vortrag brachte ja viele neue Erkenntnisse, die ich bisher auch noch nciht so kannte.
    Jeder ist verschieden, und ich denke, ein jeder muß seinen Weg finden, mit diesem Sprachfehler umzugehen und zu leben.
    Manchen Menschen hilft dabei die Musik, das Singen sehr!
    Ich wünsch Dir einen schönen und glücklichen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Deine Claudia ♥

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  3. Liebe Irmi,
    Ach, das kleine Mäuschen.
    Wir hatten in der Schule ein Mädchen, dass heftig stotterte.
    Ich hab sie gefragt, ob ich sie anschauen soll. Das war ihr
    Wirklich lieber und sie wurde viel ruhiger beim Sprechen.
    Wir haben uns ganz gut verstanden :-) und viel gelacht.
    Ganz viele liebe Herbstgrüße
    sendet dir die Urte

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  4. Das stimmt , liebe Irmi , ein wahrer Spruch . Der Graf ( Unheilig ) hat sein stottern auch durchs Singen in den Griff bekommen . :)
    Liebe Grüsse Heike

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  5. Guten Morgen Irmi
    Ich selber hatte als Kind ganz heftigen Sprachfehler, und wer mich verbessern wollte bekam immer zu hören
    DaläniwenniindiLulelomm - das lern ich wenn ich in die Schule komm. Ein sehr geduldiger Sprachlehrer kam 2 x in der Woche zu mir, heute undenkbar. Und ich hab es gelernt und konnte ein normales Leben leben, obwohl die Prognose eine Sprachbehindertenschule war. Da wäre mein Leben wohl anders verlaufen. Heute merkt mir keiner was an, nur ich selber weiß, dass ich mich bei manchen Buchstabenkombinationen konzentrieren muss...
    liebe Grüße und toitoitoi für das Mädchen, Petra

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  6. Seit dem mit einem Oscar ausgezeichneten Film " The King's Speech" ( Die Rede des Königs), den ich mir gerne angesehen habe, ist Stottern wohl wieder etwas mehr ins Blickfeld geraten. Dein Engagement für das kleine Mädchen ist wunderbar und nur gut, dass sie in den Kindergarten geht. Durch Deinen interessanten Beitrag habe ich nun noch etwas gelernt. Ich hätte stotternde Menschen nicht angeschaut und würde das nun aber tun. Jetzt überlege ich grad mal. Ich kenne niemanden der stottert und erinnere mich auch gar nicht daran, jemanden je stottern gehört zu haben. Nur im Film und mal in Fernsehsendungen. Eine gute Woche wünsche ich Dir, LG ClauDia.

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  7. Ein ruhiger Blickkontakt und nicht drängen oder gar "verbessern" ... puh, dann habe ich ja alles richtig gemacht. Da haben wir ja beide Glück gehabt ... irgendwie ...

    Alles Liebe,
    Sonja

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  8. Ein sehr gute und hilfreicher Beitrag, Irmi.
    Ich kann die Erkenntnisse, die Du hier aufzeigst nur bestätigen. Mein kleiner Sohn hat immer mal wieder Phasen gehabt wo er stottert. Immer dann, wenn seine Sprachentwicklung wieder einen Sprung gemacht hatte. Das blieb dann immer nur für eine Woche und dann war alles wieder normal. Aber auch bei diesem "normalen" Entwicklungsstottern sollten wir genauso vorgehen, wie Du es beschrieben hast.
    Ansonsten bestünde die Gefahr, dass sich daraus ein echtes Stottern entwickelt.

    Liebe Grüße
    Sonja

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  9. Liebe Irmi,
    das find ich klasse, dass Du Dir bewußt dieses Mädl ausgesucht hast.
    Ich habe selbst eine behinderte Schwester und da ist stottern für mich
    noch eine Kleinigkeit. Trotzdem ist es natürlich für die Menschen, die
    es betrifft schon schlimm. Sehr interessant hast Du geschrieben und ich
    hab wieder viel neues erfahren. Danke.
    Liebe Grüße, Christiane

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  10. Hallo liebe Irmi,
    Ja man hat es nicht leicht mit einem Handicap zu leben, drum find ich es besonders schön wenn man das Glück hat einen Menschen zu finden der einem hilft dieses Handicap zu meistern!! Toll das Du das machst.
    Ganz liebe Grüße und hab eine schöne Woche mit der kleinen Leihenkelin bis bald
    Barbara

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  11. Du bist ja wirklich ein sehr sozial engagierter Mensch und hilfst anderen Leuten. Das ist bestimmt nicht immer einfach aber es kann auch viel geben.
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Freude mit dem kleinen Mädchen.
    Liebe Grüße von Marie

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  12. Du hast so recht: dumme Witze gehen gar nicht. Doch leider sehen Kinder das manchmal anders. Dein heutiger Post erinnert mich an meine Schulzeit. In der Grundschule hatten wir einen Jungen in der Klasse, der sehr stark stotterte. Er brachte einen Satz nur zu Ende, wenn er mit einem Bein aufstampfte. Er hat arg leiden müssen - bis heute stottert er. LG Martina

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  13. Ich habe gelesen, dass man beim Singen nicht stottert. Deshalb sollten Stotterer beim Sprechen mehr singen, also eine Art Sprechgesang einüben. Durch das Singen bekommen sie Sicherheit und können dann auch ohne zu stottern sprechen. Wäre vielleicht einen Versuch wert.
    LG Elke

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  14. Leihoma ist sicher eine schöne und interessante Sache. Ich bin mir sicher, dass die Kleine mit viel Geduld und den entsprechenden Übungen der Logopädin, sowie der Stärkung des Selbstvertrauens durch die Familie, das Stottern in den Griff bekommen wird. Wer blöde Kommentare abgibt ist ein oberflächlicher Mensch und hat den Sinn des Lebens (und auch deines Gedichtes) noch nie hinterfragt.

    Liebe Grüße
    Arti

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  15. Du bist sicher eine der liebsten Leihomas der Welt. Schade, dass Du so weit weg wohnst .... liebe Grüsse
    Elisabeth

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  16. Irmi, meine liebe Irmi,

    ja, nun weißt Du auch, warum ich so wenig oder gar keine Kommentare hinterlassen habe - ich wollte diese Hochzeit in "reiferen Jahren" auch besonders genießen und wenn ich alles erledigt habe (Papierkram etc.) und wir die Bilder haben, dann setze ich mich in Ruhe hin und schreibe Dir einen Brief und ja, die Anschrift ist noch geblieben, ich habe nur meinen Nachnamen geändert, aber das kommt trotzdem noch an - ich freue mich und Du kannst es getrost absenden!!!!! Danke Du Liebe!!!!!
    Wir habe beide Namen am Briefkasten, weil mein Sohn auch eine Wohnung hier im Haus bewohnt....

    Ich umarme Dich ganz herzlich
    Uschi
    so what Hutliebhaberin

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  17. Noch nie habe ich von solchen Vorträgen gehört. Das ist ja mal eine richtig gute Sache. Und Dank an dich, liebe Irmi, dass du uns den Inhalt weitervermittelst.
    Gruß vonner Grete

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  18. Ich kann auch jemanden, der wirklich schlimm gestottert hat. Heute ist davon nichts mehr übrig, obwohl man sagte, es wäre nicht heilbar. Ich hoffe es geht der Leihenkeling genauso :)
    Liee Grüße,
    Sandra

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  19. liebe Irmi,
    mich freut, dass Du Dir dieses Mädchen ausgesucht hast, bei Dir ist sie gut aufgehoben und wird auf alle Fälle viel lernen.
    Ich wünsch Dir eine gute Zeit mit diesem kleinen Mädchen.
    liebe Grüße
    Gerti

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  20. Liebe Irmi, das finde ich sehr schön, dass Du darüber schreibst. Oft denkt man ja, man hilft, wenn man den Satz von den betroffenen fertig spricht, und denkt gar nicht darüber nach, dass es sie verletzt. Oft ist ja so eine Hilflosigkeit vorhanden, wie man damit umgehen soll, deswegen finde ich solche Vorträge einfach toll, in dem man erfährt, was wirklich hilft.
    glg Susanne

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  21. da habe ich was gelernt. Ich dachte auch, dass man nicht in das Gesicht schaut um das Stottern nicht zu verstärken. Das mit dem Ausreden und Zeit lassen sind wichtige Gedanken. Mir fällt oft auf, dass ich dem Gegenüber gerne ins Wort falle - oder Sätze zu Ende spreche - je vertrauter desto lieber. Eine blöde Eigenschaft ... die ich mir bei Menschen die stottern ... aber auch sonst generell gerne abgewöhnen würde :-)

    herzliche Grüße von Heidi-Trollspecht

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  22. Good that you are looked 4 child, there isn't wrong with that. I'm glad, I really really glad.

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  23. Liebe Irmi,
    Wie lieb dass das Mädchen durch das Türkenmädchen so gestützt wird; sie hat es wohl sofort geahnt. In Indonesien unter die Taube (manche hörten noch etwas...) die sprechen lernen müssten vor einer Spiegel und mit die drei innere Finger auf den Hals der Lehrerin, und dann bei ihrem eigenem Hals um so die Vibration zu fühlen, da war eine die hat auch so gestottert. Es war ein ganz armes Mädchen mit nur noch eine Mutter, ihr Vater war in die politische Aktion umgebracht worden. Da ist sie nicht jung genug zu diese speziale Schule kommen können und ich glaube sie hat es auch nie wirklich hinkriegen können. Schlimm ist so etwas. Wir haben uns auch sehr viel um ihr gekümmert in den Jahren das wir dort wohnten und arbeiteten. Man kann nie wissen wie gut ein bischen Liebe und Wärme in diese Zeit tun kann. Diese Zeit, damit meine ich, wo andere kaum die Zeit, so wie du es auch machst, nehmen um andere die es so brauchen, bei der Hand zu nehmen und ein Weilchen mit ihnen durch's Leben gehen...
    Ganz lieb von dir!
    Liebe Grüsse,
    Mariette

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  24. Guten Morgen liebe Irmi,
    es sind ja oft Menschen mit einem Handicap, die erfinderisch und kreativ sind, bei den Griechen durch den Gott Hephaistos dargestellt.Versehrte und verletzte Götter gibt es vielen alten Religionen. Die Worte von Karl Rahner gefallen mir gut, sie stehen quer zu all der Selbstoptimierung, die uns so energisch aufgedrängt oder so verführerisch angepriesen wird. Ja, das Kind hat das Glück, Menschen zu begegnen, die es sehen und vielleicht auch zunehmend die Gabe, sich Gehör zu verschaffen. Oder sich seinerseits einen Menschen wie Dich oder ihre Kindergartenfreundin auszusuchen, wohlwollend, mit offenem Blick. Ein schöner Post. Über den Nähkorb habe ich etwas gerätselt. Etwas flicken, reparieren? Oder steht er für die Geduld, die man beim dabei braucht? Niemand stopft mehr Socken, es wird weniger geflickt. Früher, als ihre Augen noch gut waren, hat meine Mutter das teilweise für uns gemacht. Bei vier Kindern gibt es immer einen Berg Flickwäsche. Dann habe ich ihr die Nadeln einfädeln müssen und jetzt macht sie es nicht mehr, weil es sie zu sehr anstrengt. Ach ja, so ist das halt. Am liebsten schaut sie eh in die Berge und die sind ja gottseidank schön groß.
    Dir einen guten Tag!
    Herzlich Sarah

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  25. stottern.. mache sagen wenn diese menschenkinder singen..dann klappt ALLES ganz flüssig.
    Ob es stimmt kann ich nicht sagen
    LG vom katerchen

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  26. Du hast es gesagt - sich Zeit nehmen und richtig zuhören, das ist es, was immer mehr verloren geht. Alles muss schnell, schnell gehen. Wenn ich jemanden erlebe, der mit einer Sprachstörung redet, werde ich mir dem wieder besonders bewusst und erkenne meinen Fehler, habe die Chance wieder leise und langsam zu werden. Eine Hilfe für beide Seiten!
    Alles Liebe, Birgit

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  27. Liebe Irmi. Ich finde es sehr schön, dass das kleine Mädchen nun eine Freundin gefunden hat, der diese kleinen Behinderungen egal sind. Aber Kinder können auch direkt und somit grausam sein.
    Der "Graf" von "Unheilig" soll auch Sprachstörungen haben, was beim Singen jedoch gar nicht vorkommt.
    Ich hatte auch einen Arbeitskollegen, der stotterte. Doch er hatte ein solches Selbstbewusstsein, das fand ich ganz toll. Stimmt, die Menschen ausreden lassen - und ihnen das Gefühl vermitteln, dass doch alles ganz normal und okay ist.
    Liebe Grüße von Kerstin.

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  28. Liebe Irmi,

    erst einmal finde ich es klasse, dass du dich so toll um dieses kleine Mädchen kümmerst und es spürt mit Sicherheit deine Wärme und Zuwendung.
    Eine frühere Freundin von mir stotterte auch. Es stimmt, was du schreibst, man soll diese Menschen anschauen und ganz geduldig einfach zuhören, auf keinen Fall wegschauen, denn das verunsichert sie und sie werden noch nervöser.
    Bei meiner Freundin hat sich das Stottern durch eine Therapie bei einer Logopädin fast ganz gegeben. Man merkt ihr diese Sprachstörung nicht mehr an.

    Liebe Grüße
    Christa

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Ich freue mich über jeden Kommentar und möchte mich auf diesem Weg recht herzlich dafür bedanken. Kommentare sind wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt sehr viel.