Dienstag, 14. Juli 2015

Dies und Das über gute Gründe, die Muße wiederzuentdecken

Als Strategie gegen Stress und chronische Überbelastung haben Experten die Muße wiederentdeckt.
Und darüber sollte man keinesfalls lächeln oder es mit einer Handbewegung abtun.


Es ist nicht bekannt, ob Isaac Newton (1643-1727) auf seine Gravitationstheorie gekommen wäre, hätte er damals am Laptop sein Postfach aufgeräumt. Der Legende nach kam dem Physiker der zündende Gedanke  zur Schwerkraft, als er entspannt beobachtete, wie ein Apfel in seinem Garten von einem Baum plumpste. Newton fragte sich, was da eigentlich passiert war und entwickelte die bahnbrechende Theorie.
Ohne Stress zum Erfolg oder gar Welterfolg? Im modernen Arbeitsalltag fast undenkbar. Der Wirtschaftswissenschaftler  Norbert Rohleder analysiert die heutige Arbeitswelt. Unlängst hat er einen lesenswerten Aufsatz  "Muße für Manager"  veröffentlicht. Er ist es auch, der den etwas verstaubt wirkenden Begriff  "Muße"  wiederentdeckt hat. "Muße - Gründe für absichtsloses Nichtstun."
Er sagt: Wir haben ein großes Arbeitsvolumen und gleichzeitig ist der Zeitdruck gestiegen. Arbeitnehmer  - und nicht nur sie - werden von Mails überschüttet, hetzen Terminen hinterher  und vermengen Arbeit mit Freizeit. Die chronische Überbelastung führt ganz einfach zu Ausfällen.


Er plädiert daher für die Rückkehr zu einem Prinzip, das früher als selbstverständlich galt. Er sagt:
"Muße ist nichts Antiquiertes. Man darf es allerdings nicht damit verwechseln, abends vor dem Fernseher abzuhängen." Es ist nicht Trägheit. Muße bedeutet Zeit zu haben, über die man selbst Herr ist. Die keinem äußeren Zweck dient. So einfach und doch so schwer.
Wir verlernen die Muße nicht, wir gewöhnen sie uns ab.
Ulrich Schnabel hat ein lesenswertes Bucht über die Muße geschrieben: "Muße. Vom Glück des Nichtstuns."
Zeit für sich haben - auch mal im Grünen sitzen, ohne gleich daran zu denken, am besten auf eine Joggingrunde zu gehen. In Ruhe zu telefonieren, ohne nebenher etwas zu machen (was übrigens auch nicht gerade höflich dem Anderen gegenüber ist). Das ist Muße.


Was rennst, was mühst du dich,
Zu mehren deine Tat.
Halt nur den Acker rein,
Dann sprießt von selbst die Saat;
In Ruhe wohnt die Kraft,
Du mußt nur ruhig sein,
Durch ohne Tür und Tor
Die Gnade lassen ein.
Annette von Droste-Hülshoff (1797 - 1848),

Kommentare :

  1. Guten Morgen, meine liebe Irmi,
    ja, in der Ruhe liegt die Kraft, das waren stets die Worte von meinem Papa, und auch mein Opa lebte diese Worte schon! Sehr schön hast Du darüber geschrieben, und das Gedicht dazu ist wunderbar!
    Ich wünsche Dir einen schönen und glücklichen Tag mit vielen Momenten der Muße und des Kraft tankens!
    ♥ Allerliebste Grüße, Deine Claudia ♥

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  2. moin irmi,
    ein gleichgewicht zwischen tun und lassen...
    wenn ich arbeite möchte ich erfolgreich sein, dann ist mir die zeit egal - ebenso in den mußezeiten, auch dann beherrsche ich die zeit und bestimme dauer und *tiefe*!
    die autoren werd ich mir merken und deren gedanken in muße versuchen zu folgen...
    lg kelly

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  3. Da hast du vollkommen recht. Ich liebe dieses "Nichtstun", es ist so entspannend
    Herzlichst
    yase

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  4. Wenn man die Zeit bedenkt, in der Annette von Droste-Hülshoff ihre Gedanken niedergeschrieben hat, kann man es kaum glauben. Gab es denn damals auch schon keine Muße mehr? Du hast so recht: Vor dem Fernseher abzuhängen hat wenig mit Muße zu tun und unser ständig schlechtes Gewissen, wenn wir mal nichts tun ist doch furchtbar. Dann sind zumindest unsere Gedanken am Werk und überlegen, was wir wohl tun könnten, um diese freie Zeit mit etwas Sinnvollem zu füllen. Wäre schön, wenn die Muße wieder Einzug hielte - so ganz ohne schlechtes Gewissen! LG Martina

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  5. Guten Morgen, liebe Irmi,

    Dein Eintrag spricht mich absolut an ..oh ja, die Muße ist ganz wichtig und in ihr kann sich so viel entfalten, was in der Hektik und dem Streß auf der Strecke bleibt.

    Ich wünschte, ich hätte ein bisschen mehr davon ..muß doch noch besser an meiner Zeiteinteilung arbeiten. Die Zeit rast so schnell davon und irgendwie ist immer irgendwas - aber genau das ist ja nicht so gut ..weil zu wenig Raum für Muße und Ruhe bleibt.

    Ich grüß dich ganz lieb und wünsche dir eine entspannte, schöne Woche,
    Ocean

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  6. Und ich zitiere den Spruch, den mein Opa in Stein hat meiseln lassen und der damals bei uns am Haus hing: "Jeder freie Bürger hat die Pflicht zu arbeiten, aber auch das Recht nichts zu tun."

    Nana

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  7. So ist es, liebe Irmi! In der Ruhe liegt die Kraft. Oder auch "Gut Ding will Weile haben". Es ist eine Frage der Lebensqualität, der Gesundheit, ob und inwieweit ich mich stressen lasse. Inzwischen verschiebe ich lächelnd einiges auf Morgen. Und siehe da, manches erledigt sich von selbst....

    Ein schöner Post ... Und Dir wünsche ich einen angenehmen Dienstag.
    Mit sonnigen Grüßen, Heidrun

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  8. Liebe Irmi,
    das ist ein wirklich gutes Plädoyer für die "Muße"!
    Wir sollten uns jeden Tag ein wenig darin üben, gell.
    Angenehmen Dienstag und liebe Grüße
    moni

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  9. Liebe Irmi, Muße ist wundervoll. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass man auch freie Zeit dazu braucht. Und an der fehlt es so oft...
    glg Susanne

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  10. Danke liebe Irmi, dass du mich daran erinnerst, immer mal wieder inne zu halten. Vor allem in den Momenten, wenn es besonders stressig ist.
    Liebe Dienstagsgrüße von Carola

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  11. Ach, liebe Irmi, jetzt habe ich schon lange die Zeit, keine beleidigte Leberwurst mehr zu sein, wenn ich einfach innehalte und nichts, aber auch gar nichts tue, aber...
    Ich muss immer etwas zum Lesen haben, einfach immer. Seien es noch so dicke Bücher ( David Foster Wallace ) oder auch nur DIE ZEIT und ihr Magazin. Was ich ganz und gar nicht mehr lesen kann, das ist der STERN und der SPIEGEL.
    Ich verstehe heute nicht mehr, wie ich auf diesen Plapperjournalismus mal hereingefallen bin.
    Und die schönen Klassiker: Werfel, Freitag, Heine, Börne, Schiller, Goethe, Grass - unbedingt Arno Schmidt!!!

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  12. Je älter ich werde, je weniger Straß und Stress mute ich mir zu. ☺
    Wenn es stressig wird, setzt sich bei mir irgendwie ein Enzym frei und das schaltet auf
    langsamer.
    Komisch oder. Wenn es dann nicht geht mit langsamer, dann suche ich mir einen Kompromiss.
    Irgendwie klappt es bis jetzt immer. Naja, nimmt man die Gesundheit mal aus.
    Hab es schön, liebe Irmi!
    LG Rosine

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  13. Liebe Irmi!
    Wie immer ein super Thema, welches du hier ausgewählt hast. Es ist leider wirklich so, dass wir "vergessen" wie es ist zur Ruhe zu kommen und sich einfach mal fallen zu lassen und sich was zu gönnen: RUHE!
    Wir sollte uns vielleicht auch ein kleines Beispiel an unseren Nachbarn, den Südländern, nehmen. Wie sagt ein italienisches Sprichwort?:
    "Dolce far niente" - wie süß ist das Nichtstun!
    Da ist was dran!
    Liebste Grüße
    Manu

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  14. Liebe Irmi. Ja das ist so schön, einmal nichts zu tun. Vor allem kein Internet. Jetzt habe ich 3 Tage abgeschaltet, herrlich! Liebe Grüße Eva

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  15. Hallo Irmi, was für ein toller Beitrag. Und es ist ja so wie du schreibst, wir haben es verlernt. Muse zu haben war verpönt. "Hast du nichts zu tun?" , "Du wirst es einmal zu nichts bringen." .....
    Die Unterscheidung zwischen Muse und Herumhängen .... gefällt mir sehr gut.
    Sehr lehrreich.
    Das Buch von Schnabel wollte ich mir vor einiger Zeit kaufen, habe es dann aber wieder von meiner Einkaufsliste gelöscht, weil ich mir dachte, da wird nicht viel neues drinnenstehen. Ich gehe jetzt doch wieder bei ihm schmökern.

    Liebe Grüße
    ganga

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  16. Hallo Irmi,
    in unserer Zeit haben wir leider das Denken und Sinnieren verlernt. Wir sind gewohnt, alles sofort und jederzeit verfügbar zu haben. Dabei sind Mußestunden Streicheleinheiten für die Seele.
    Liebe Grüße von Ingrid

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  17. Das mache ich schon länger, ich gönne mir die Muße, ohne Zwänge, in aller Ruhe mal gar nichts zu denken oder aber in aller Ruhe über einiges nachzudenken. Man glaubt gar nicht wie gut das ist!!

    Allerdings - und wie bei dir schon erwähnt, man muss nicht ständig was tun, vor allen Dingen nicht krampfhaft sein, d. h. joggen, im Internet ständig unterwegs sein etc., sondern auch mal z. B. ein Buch nehmen, in den Garten sitzen und auch über das Gelesene sinnieren.

    Das kann sich jeder leisten.

    Liebe Grüße, Brigitte

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  18. .....Muse - für viele Menschen unserer hektischen Zeit nicht "lebbar" und daher auch nicht "erlebbar". Man tut sich ja sogar als Rentner noch schwer ein wenig Muse zu leben. Immer "aufgezogen" oder gar "überdreht" ! - Aber ich sage mir, nicht aufgeben, immer wie der probieren ;-))
    Schönen Mittwoch,
    Luis

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  19. Ja liebe Irmi, die Muße die kommt oft viel zu kurz. Auch hier wird mein Mann auch am Wochenende von Mails belästigt. Da plingt dann das Handy sogar am Sonntag und wir sind überein gekommen dass er es auf lautlos stellt denn selbst wenn er nicht nachsieht ist ja die Störung alleine durch den Ton schon gegeben und er kommt gar nicht dazu richtig abzuschalten. Ich finde eh dass in dieser hektischen Zeit Seelensachen viel zu kurz kommen.

    Liebe Grüße zum Dienstag
    die Kerstin

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  20. Yes, I even can do without those letters, bah, I really throw away in delete box.

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  21. ja - wir müssen aufpassen, dass wir in dem Arbeits- und Freizeitstress nicht vergessen das Leben auch hin und wieder einfach zu genießen.
    Es ist ja nur von begrenzter Dauer ...
    Irgendwann können wir die schönen Momente nicht mehr nachholen - so denke ich es mir immer wieder mal ...

    Danke wieder für deine interessanten Gedanken.
    Herzliche Grüße von Heidi-Trollspecht

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  22. Jaja.....du bringst mich wieder mal zum Nachdenken mit deinem Post!
    Und was für tolle Bilder!!!!
    Lieben Gruß
    Gisi

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  23. Ein guter Ansatz, liebe Irmi. Einfach mal nichts tun. Das macht man viel zu selten.
    LG Sabine

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  24. In der Ruhe wohnt die Kraft, wie wahr!
    Muße haben für dies und das, vor allen Dingen Spass an der Freude.
    Liebe Grüße, Klärchen

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Ich freue mich über jeden Kommentar und möchte mich auf diesem Weg recht herzlich dafür bedanken. Kommentare sind wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt sehr viel.