Donnerstag, 14. April 2016

So war das...

...immer gegen elf stand er plötzlich in der Küche. Und im Weg herum.


 Es war ihm einfach nicht abzugewöhnen. Zuerst war es nur am Sonntag, später dann, als er im wohl verdienten Ruhestand war, täglich. "Was möchtest du?" "Bloß mal reinschauen." Und genau das tat er dann auch. Vorsichtig hob er den Deckel von einem Topf.
"Mhm - also Reis gibt es heute. Prima. Aber sag mal, muss der nicht vom Herd? Der schaut doch schon ziemlich matschig aus oder?" Kluge Haus- und Ehefrauen überhören so etwas. Solche, mit einem weniger robusten Nervenkostüm  reißen ihm den Deckel aus der Hand, knallen ihn auf den Topf (den Deckel) und funkeln ihn so grantig an, dass er eigentlich wissen müsste, wieviel es geschlagen hat. Aber ein Ehemann hat meistens eine ziemlich dicke Haut. Weshalb er auch ohne Angst und Zögern den nächsten Deckel hebt.
"Ohhh, Gulasch - setzt der nicht schon etwas an?" Und schon rührt er im Topf rum, was Ich schon gar nicht leiden kann. Er rührt und rührt und  "rettet"  das Gulasch vor dem Anbrennen. Und nicht nur das. Er fischt sich mit dem Kochlöffel eine Kostprobe heraus, probiert, ob auch mit den Gewürzen alles in Ordnung ist. "Ganz gut" befindet er. "Vielleicht noch eine Spur Senf." Jetzt reicht es auch mir. Der Blutdruck ist auf 180. Ruhig bleiben, ganz ruhig bleiben.
Ganz sanft sage ich: "Die Rollen  am Teewagen eiern noch immer. Kannst du bitte mal die Schrauben nachziehen?" Dann musste er plötzlich raus, den Mülleimer runterbringen. So bekam ich ihn aus der Küche. Ich gestehe es aber ganz offen: Heute würde ich mich freuen, wenn er mir noch im Weg herumstände und Kostproben nehmen würde.



Schön ist es, miteinander zu schweigen,
schöner, miteinander zu lachen.
(Friedrich Nietzsche)

Kommentare :

  1. ...ist doch klar, dass einem diese Marotten fehlen!
    Gut, dass Du so melancholisch und humorvoll darüber hier schreiben kannst!
    Herzlich Pippa

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  2. Liebe Irmi, liebevoll und freundlich hast du diese Zeiten in Erinnerungen gehalten. Es ist schön, wenn es auch gleichzeitig schmerzt. Alles Liebe, Birgit

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  3. Meine liebe Irmi,
    ach ja, da sprichst Du aus dem wahren Leben .....ja, es gibt Momente, wo einem solche Marotten tierisch auf die Nerven gehen, aber, ich denke dann auch immer, wie gut, daß er noch da ist :O) Es würde mir ganz viel fehlen ....
    Ich finde es auch so schön, wie Du über solche Dinge schreibst, mit Wehmut, aber auch mit viel Humor!
    Ich wünsche Dir einen wunderschönen und glücklichen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Deine Claudia ♥

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  4. ja Irmi... so sehr Männer nerven, wenn sie in unseren Bereich eindringen und uns belehren wollen, so sehr fehlen sie dann wenn sie nicht mehr da sind

    lg gabi

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  5. Liebe Irmi,
    deine Zeilen gehen mir sehr ans Herz . . wie oft denke ich" Mensch, lass mich in Ruhe . . . " und nun lese ich deine nachdenklichen Zeilen und denke, hoffentlich kann ich mich noch oft "ärgern " über ihn ;-)
    Danke für diese Zeilen.
    ♥liche Grüße

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  6. aber die Erinnerun bleibt UNS Irmi..
    auch diese Gedanken sind noch LIEBE..
    einen schönen Tag vom katerchen der auch oft die Gedanken so schweifen lässt

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  7. Liebe Irmi, nachdenkliche Zeilen und tiefgreifend... Ja, manchmal schätzt etwas erst, wenn es verloren gegangen ist.

    Unser Zusammenleben, zwischen meinem Mann und mir, ist mir deshalb kostbar. Denn die Erfahrung, liebe Irmi, die Du so aufrichtig, zart und gleichzeitig leise mahnend erzählst, wurde mir bewusst als der Mann meiner Freundin verstarb. Meine Freundin erzählte mir sehr viel in dieser Zeit und ich verstand...

    ...wundervoll dazu die Gedanken von Nietzsche.

    Mit sonnigen Grüßen, Heidrun

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  8. ...auch wenn diese Situation bei uns so nicht passieren würde, liebe Irmi,
    nachdenklich stimmen deine Worte doch,

    wünsche dir einen guten Tag,
    liebe Grüße Birgitt

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  9. Liebe Irmi,
    was du da schreibst kann ich so gut nachfühlen .
    LG
    Käthe

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  10. Liebe Irmi,
    das hast du wirklich schön geschrieben.
    Ich kann dir sehr gut nachfühlen. Auch wenn nicht immer alles Friede Freude Eierkuchen war, es bleibt doch eine riesengroße Lücke.
    Ganz liebe Grüße
    Silke

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  11. Liebe Irmi,
    das hast du wirklich schön geschrieben.
    Ich kann dir sehr gut nachfühlen. Auch wenn nicht immer alles Friede Freude Eierkuchen war, es bleibt doch eine riesengroße Lücke.
    Ganz liebe Grüße
    Silke

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  12. Eine schöne Geschichte und ich kann mir Dich dabei so richtig vorstellen wie Du innerlich kochst und versuchst doch diplomatisch ihn aus der Küche zu bringen. Ja, wenn man die Zeit zurückdrehen könnte, würde man sich im Nachhinein vielleicht über das eine oder andere doch nicht so aufregen. Aber alles hat seine Zeit und damals hat es Dich genervt, heute würde es Dich erfreuen. So sieht man wieder mal, alles ist relativ:-). Einen schönen Tag noch und

    liebe Grüsse
    Brigitte die Weserkrabbe

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  13. Das ist nett beschrieben. Auch das, was uns nervt, gehört doch zum Ganzen und dann kann man ja auch drüber lachen.
    Genieß den Tag!
    Magdalena

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  14. Zum Glück haben wir die gleichen Ansichten übers Kochen.
    Ich sag manchmal, da brutzelt was. Aber dieses Fleisch braucht seine Zeit, lach.
    LG Bärbel

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  15. Liebe Irmi,
    Deine kleine Geschichte zeigt, dass echte Liebe den ganzen Menschen umfasst, gell.
    Herzlichst moni

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  16. Es gibt Momente, da sind Alltagsgegebenheiten so nah...... Und das Heimweh dann so gross
    Sei fest umarmt
    yase

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  17. Ich hab soooo breit gegrinst - weil mir diese Situation soooo bekannt vorkommt. Allerdings (noch) nicht von meinem Mann. Das hab ich noch vor mir - aber lang dauert es auch nicht mehr bis zum Rentnerdasein meines Mannes. Mein Vater machte das genau so, wie dein Mann. Er hatte aber noch eine andere Marotte: die Wäsche - und zwar die auf der Leine. Man konnte gefühlte 1000 Mal zur Leine gehen und kontrollieren, ob sie schon trocken war. Dann nahm er das eine oder andere Stück schon mal ab und meine Mutter ärgerte sich: Wie sieht das denn aus, wenn immer mal wieder ein Stück fehlt. Sie hängte die Wäsche nämlich nach Größe nach auf die Leine - jaha!!!! --- Es berührt, wenn du schreibst, dass du dich freuen würdest, wenn er noch da wäre, um seine Marotten auszuleben. Aber schau - so hast du doch eine schöne Erinnerung - und ich wette, du denkst sehr oft beim Kochen an ihn. Darüber wird er sich ganz sicher freuen! LG Martina

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  18. Ach ja liebe Irmi, es gibt Momente, wo einem solche Situationen auf die Nerven gehen, aber ich glaube, wenn das nicht mehr wäre, würde es mir schon fehlen.
    Es ist toll von Dir, wie Du doch so humorvoll diese Geschichte erzählen kannst - danke!
    Noch einen schönen Resttag wünscht Dir Crissi

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  19. Liebe Irmi,
    das kann ich sehr gut nachfühlen, auch wenn
    manchmal etwas genervt hat, ist dieser Verlust immer
    wieder schmerzhaft.
    Carpe diem.
    Sadie

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  20. Liebe Irmi,
    schön, dass du mich gefunden hast und ich nun auch den Weg zu dir...:-) Das ist mir ja noch nie passiert...ich bin nun die 500ste Leserin bei dir....was für eine Zahl!
    Deine kurze Geschichte ist wunderschön erzählt....ich bin noch in dem Alter, wo man dieses 180-Gefühl öfters hat. Aber man sollte das tatsächlich mal überdenken.
    Ich komme gerne wieder vorbei, bin allerdings etwas sentimental manchmal...auch wenn ich es toll finde, dass du glücklich bist, so hab ich meine Mutter doch wegen diesem blöden Krebs verloren.
    Alles Gute für dich, LG Sigrun (=steinigergarten) aus dem Freiberg/ S.

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  21. tja, liebe Irmi, so aus der Vergangenheit betrachtet, verklärt sich manches. Aber dieses Kontroll-Verhalten könnte ich auch absolut nicht ab! Daran sieht man, daß der Mensch sinnvolle Beschäftigung braucht. Mit einem Rentner im Haus, der sich nicht sinnvoll zu betätigen weiß, würde ich es wohl nicht lange aushalten.

    Liebe Grüße
    Sara

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  22. Das Rentner sein kennen wir noch nicht, dauert noch ein paar Jährchen, aber den Partner vermisst man zu jeder Zeit schmerzlich und ganz besonders wenn es ein endgültiger Abschied ist.

    Liebe Grüße
    Arti

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  23. Hallo Irmi,
    ich liebe diese Geschichte. Sie erinnert mich an meine Eltern. Der Vater war auch ein Topfgucker.
    Liebe Grüße von Ingrid

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  24. Eine humorvolle und hintergründige Geschichte.
    Ich mag es auch nicht, wenn mein Mann mir beim Kochen auf die Finger schaut, bzw. mochte es nicht. Irgendwann musste ich feststellen, dass er sehr gute Ideen hat und sogar gut kochen kann. Es dauert halt nur sehr lange bei ihm. Ich habe von ihm "gelernt", wie Frau excellente Saucen machen :-))

    LG von Alison

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  25. Liebe Irmi,

    habe mich riesig über deine Glückwünsche zu meinem 2.Blog-Geburtstag gefreut!!!

    Süßer Fliegenpilz...;-)

    Jennifer

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  26. Hallo Irmi,

    diese kleinen Alltäglichkeiten sind genau die Dinge, welche man dann vermisst.
    Aber Du hast es sehr schön beschrieben :)

    Lieben Gruß und ich schaue nun "virtuell" in die Töpfe ;)
    Björn :)

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  27. jeder hat so seine rituale!
    liebe grüße
    ingrid

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  28. Servus Irmi,
    .....und so wären wir bei einem meiner Lieblingssprüche: "DIE ERINNERUNG IST DAS EINZIGE PARADIES, AUS DEM MAN UNS NICHT VERTREIBEN KANN !
    Schönen Gruß,
    Luis

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  29. But, it's beautiful, the magic mushroom does what nobody cannot do!

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  30. Die Geschichte ist einfach köstlich, liebe Irmi und ich kann mir natürlich sehr gut vorstellen, der Allerliebst, auch wenn er den Blutdruck mal auf 180 brachte, wäre noch da.

    Hast du ganz wundervoll erzählt. :-)

    Liebe Grüße
    Christa

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  31. Ach liebe Irmi,
    ich musste gerade schmunzeln - ja, Rentner zu sein ist bestimmt eine große Veränderung - zumindest für die Männer! ;-)
    Alles Liebe
    ANi

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  32. Liebe Irmi
    Ich habe gerade in deinem Blog geschmöckert und mir gefällt es so gut, dass ich mich gleich bei dir einniste.
    Da mein Göga in einem Jahr in Rente gehen will, bin ich schon gespannt wie wir unserer Alltag bewältigen werden. Deine kleine Geschichte ist Herz erwärmend.
    Liebe Grüsse
    Barbara

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  33. das hast du schön geschrieben Irmi. Ja genau diese Kleinigkeiten sind es, die dazugehören ... und fehlen können.

    Herzliche Grüße von Heidi-Trollspecht

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  34. Oh ja, auch solche Macken kann man doch schnell vermissen und dann merkt man erst wie banal doch die Aufregung gewesen ist. Schön geschrieben liebe Irmi.

    Wünsche dir einen schönen Tag und sende herzliche Grüsse

    N☼va

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  35. Ha ha, das erinnert mich an meine Schwiegereltern. Die hatten immer Kuechenstreit auf ihre alten Tage - ich fand das schade, aber manchmal war es auch lustig. :-)

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Ich freue mich über jeden Kommentar und möchte mich auf diesem Weg recht herzlich dafür bedanken. Kommentare sind wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt sehr viel.