Donnerstag, 12. Mai 2016

Kulturgeschichte der Düfte

Beim japanischen Kondo-Ritual versammeln sich mehrere Menschen in einem Raum. Sie versuchen, die vom Gastgeber ausgewählten Räuchermaterialien zu erkennen. Am Ende gibt es einen Gewinner, nämlich denjenigen mit dem feinsten Riechorgan, der die meisten Treffer hatte. Heutzutage kann jedermann daran teilnehmen. Eine gewisse Bildung und finanzielle Mittel werden allerdings vorausgesetzt, denn bei der Zeremonie spielen auch literarische Vorbilder eine Rolle, und das verbrannte Räucherwerk ist nicht gerade billig.


Parfum findet sich seit Bestehen der Menschheit als ein Bestandteil wohl in allen Kulturen, wobei der Begriff nicht im heute gebräuchlichen französischen Sinn zu verstehen ist, sondern in Anlehnung an den lateinischen Ursprung "per fumum" (durch Rauch) auf verschiedene aromatische Materialien bezogen wird. Mit den in den letzten 100 Jahren durch geschicktes Marketing entstandenen Mode-Produkten, die Frauen - und zunehmend auch Männer -  betören sollen, hat Parfum also ursprünglich nichts zu tun. Seine eigentliche Bedeutung in allen Kulturen lag in der  Pharmazie, der Ethik im Sinne der "Reinheit"  des Menschen und der Medizin. Allerdings ist dieser Grenzbereich zwischen Natur- und Kulturwissenschaften noch relativ wenig erforscht.


Eng verbunden ist die Kulturgeschichte des Parfums mit den asiatischen Religionen. Duftstoffe werden hier sehr bewusst eingesetzt und sind ein wichtiges Element des religiösen Alltags. Viele der kostbaren und heiß begehrten Rohmaterialien für natürliche Parfums sind mittlerweile vom Aussterben bedroht und auf die Liste des Washingtoner Artenschutzübereinkommens gesetzt. Die auch im Zuge des Bevölkerungswachstums weltweit enorm gestiegene Nachfrage führte zu einem Umgang mit Rohstoffen, der alles andere als nachhaltig ist. Moschus z.B., ein Drüsensekret des im ostasiatischen Hochland lebenden Moschushirsches und als  "König"  der Duftstoffe bezeichnet, gibt es fast nicht mehr
Dass Duftrituale auch in der christlichen Tradition ein Thema sind, zeigt die Verwendung des Weihrauchs in Kirchen, und immer zu Weihnachten wird an die Geschichte der drei Weisen aus dem Morgenland erinnert, die dem Jesuskind Gold, Weihrauch und Myrrhe als Geschenke mitbrachten. Schon zuvor, in der Adventszeit, lebt hierzulande alle Jahre wieder mit den Räuchermännchen eine aus dem sächsischen Erzgebirge  stammende Tradition auf, die zwar keine religiösen Wurzeln im eigentlichen Sinne hat, aber durch das Abbrennen von duftenden Räucherkerzen die passende Atmosphäre für die Zeit der Einkehr geschaffen hat.




Es hat die Rose sich beklagt,
Daß gar zu schnell der Duft vergehe,
Den ihr der Lenz gegeben habe.
Da hab ich ihr zum Trost gesagt,
Daß er durch meine Lieder wehe,
Und dort ein ewiges Leben habe.
(Friedr.v.Bodenstedt)
1819-1892

Kommentare :

  1. Guten Morgen, meine liebe Irmi,
    danke für diesen wunderbare Beitrag über die Kulturgeschichte der Düfte! Ich habe wieder dazugelernt! Das kleine Gedicht zum Schluß paßt wunderbar!
    Ich wünsche Dir einen wunderschönen und glücklichen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße und eine liebe Umärmelung, Deine Claudia ♥

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  2. moin liebe irmi,
    die düfte hab ich immer im zusammenhang mit frankreich gesehen, die unsitte des *nichtwaschens* wurde mit düften überspielt. deine erläuterungen sind viel symphatischer, die begleiterscheinungen der rohstoffknappheit allerdings bedenklich.
    der text zum schluss hat mich berührt...
    herzliche grüsse von der kelly

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  3. Guten Morgen liebe Irmi,
    ein interessante Thema hast du für den heutigen Tag ausgesucht. Vielen Dank für die kleine Reise in das Reich der Düfte.
    Viele sonnige Grüße von Carola

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  4. So liebe Irmi! Nun habe ich auch zu dir gefunden! Einen wahren Schatz an interessant aufbereiteten Informationen hast du da! Ich freue mich schon auf die Lektüre, am Wochenende kannst du mir hier schon mal einen virtuellen Kaffee bereit stellen :)))
    Lieben Gruß
    Gabi

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  5. Reinheit Irmi genau so ist es..Danke für diesen ausfühlichen Beitrag zum Reich der DÜFTE
    LG in den Tag vom katerchen

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  6. Ich liebe gute Düfte, in Räumen, draussen an mir und auch bei Männern, und meine Nase ist diesbezüglich auch sehr empfindsam. Es ist für mich schon alleine in der Natur immer faszinierend wie Blüten ihre Düfte verströmen lassen können....ohne Hilfe des Menschen^^

    Ein interessanter und schöner Post. Danke dir dafür und hab einen wundervollen Tag.

    Herzliche Grüsse

    N☼va

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  7. Die Welt der Gerüche ........
    da kann man jeden Tag Neues drüber schreiben.
    Nur Wohlgerüche zu beschreiben, wäre wie nur die sonnigen Tage zu beschreiben, wie nur die Paradiese auf Erden zu beschreiben. Alles hat seinen Sinn.
    In jungen Jahren hat mich das Thema beschäftigt.
    Heute lebe ich längst mit der Erkenntnis, das es nicht gut wäre, wenn alles immer nur schön ware und alles immer nur wohlriechen würde.
    wir würden agressiv, weil die vielseitigkeit fehlen würde.
    Herzlich Pippa

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  8. Hallo Irmi,
    Sehr detailliert und interessant dieser Beitrag über die Kulturgeschichte
    der Düfte.
    Für mich sind Düfte sehr wichtig, sie wecken Erinnerungen, sie machen mich
    manchmal fröhlich, manchmal etwas melanscholisch usw.
    Natürlich sind nicht alle wohlriechend, doch hier ist es wie im Leben, es ist
    nicht alles "nur schön"
    Lg und noch einen sonnigen Tag.
    Sadie

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  9. Ich liebe Düfte ( und werde in meinem nächsten Leben eine "Nase" ), aber deine Recherche hat mir doch einige neue Kenntnisse beschert.
    Danke!
    Vielleicht interessiert dich ja auch meine heutige großartige Frau...
    GLG
    Astrid

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  10. Liebe Irmi,
    mein Urlaub ist beendet und ich kann wieder Blogrunden drehen.
    Bei dir ist es, wie immer ,interessant.
    Ich liebe Rosen, wir haben duftende Rosen im garten, mein Mann pflegt sie und wir erfreuen uns dann beide daran.
    Danke für deine Besuche bei mir !
    LG
    Käthe

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  11. Irmi, das war wieder sehr interessant zu lesen
    Ich persönlich bin nicht wirklich ein freund von Düften = Parfums
    Starke Düfte machen mir schnell Kopfschmerz, obwohl ich keinen wirklich guten Riecher hab.
    Leichte Düfte von echten Blumen mag ich, es darf aber nicht zuviel werden. eine Hyazinthe in der Wohnung geht bei mir gar nicht.

    lg gabi

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  12. Ich liebe Düfte und ich liebe Parfums, doch seit selbst in den teuersten kein natürliche Moschus mehr enthalten ist, reagiere ich darauf leider hochallergisch. Es ist ein Jammer.
    Lieben Gruß
    Katala

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  13. Liebe Irmi,
    sehr interessant, diese Betrachtungen über die Düfte. Gerade Düfte, bzw. Gerüche, begleiten uns doch durch unser ganzes Lebend und beeinflussen meist mehr als wir wissen, unsere persönlichen Entscheidungen, gell.
    Liebe Grüße
    moni

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  14. Hallo Irimi,
    ein schöner Hinweis.
    Ich ergänze ihn mit meinen Erlebnissen in der Uniklinik-Mainz.
    Ganz liebe Grüße - Wolf.

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  15. Liebe Irmi,

    wieder so ein schöner Post.
    Den Moschusduft kenne ich auch. Ich habe einmal ein Parfüm aus Syrien geschenkt bekommen, da war der Duftstoff auch mit enthalten und ich war irgendwie begeistert.
    In Bulgarien haben sie aus den Rosenblättern, das Rosenöl gewonnen und für Parfüm mit verwendet. Davon habe ich schon in der Schule erfahren und wollte immer mal zur Rosenernte dahin.In Bulgarien war ich 1971 das erste mal, aber nicht zur Rosenernte. Eine kleine Probe haben wir trotzdem erhalten. Ich muss dir sagen, war so gar nicht mein fall.

    Unsere Räucherkerzen zu Weihnachten die lieben wir natürlich sehr. Das ist halt ein Stück Heimat.

    Ich sende dir viele liebe Grüße
    Paula

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  16. Oh, heute wehen uns aber viele Düfte hier um die Nase und ich weiß gar nicht, wo ich zuerst schnuppern soll.
    Es stimmt, bestimmte Pflanzen sollten zur Duftgewinnung gar nicht mehr verwendet werden, nämlich die, die vom Aussterben bedroht sind, das Sekret des Moschusochsen gehört natürlich auch dazu.

    Wie schön, wenn das eigene Riechorgan noch gut funktioniert und man all die wohl riechenden Düfte bewusst wahrnehmen kann, den Duft von Rosen, von frisch gebackenem Brot und, und, und.

    Düfte, die uns angenehm sind, fördern auf jeden Fall das Wohlbehagen und da die Geschmäcker ja unterschiedlich sind, liebt der eine eine eher süßliche Parfumnote, der andere mag es lieber herber.

    Einen ganz feinen post hast du wieder geschrieben, liebe Irmi. :-)

    Liebe Grüße und ich wünsch dir noch einen schönen Nachmittag
    Christa

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  17. wieder sehr interssante Ausführungen..
    Parfüm direkt mag ich gar nicht so..aber alle Düfte die in der Natur so vorkommen..
    liebe Grüße
    Rosi

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  18. Hallo Irmi,
    sehr interessant, was du uns über das "per fumum" erzählst. Die Rosenfotos sind sehr schön. Ich liebe gerade diese Farbe besonders.
    Herzliche Grüße
    Ganga

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  19. Das Räuchermännchen kommt mir ja sehr bekannt vor...eine ganz typische Werkstatt....das Gesicht erkennt man sofort....Christian Ulbricht. Der hat immer diese lustigen Augen....:-) Es gibt ja auch sehr grimmig dreinschauende Männer...bei mir gibt es einen lustigen Bergmann, wie sich das für die Gegend hier gehört...:-)))
    LG Sigrun

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  20. Ich mag Düfte sehr gerne, und doch ... gibt es kaum noch welche bei uns. Parfüm für mich schon gar nicht mehr. Denn .... Robert hat ja auch noch Epilepsie. Und er verträgt keine Düfte die sehr duften. Da löst Anfälle aus ..... das war am Anfang schwer für mich, ich hab oft noch zu meinem Lieblingsparfüm gelangt und konnte es nicht mehr auftragen ....
    liebe Grüsse und ein schönes Wochenende für Dich
    Elisabeth

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  21. Liebe Irmi,
    ich verwende selten ein Parfum. Doch ich liebe es, durch den Garten zuschlendern, an den Blüten zu riechen, die Kräuter zu streicheln... die Erde nach einem Regenguss wahrzunehmen und....
    Danke für den anschaulichen Post.
    Schönes Pfingstwochenende,
    Manuela

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  22. Liebe Irmi,
    Ja, im alten Ägypten gab es schon Parfum und es ist später durch die Griechen und Römer übernommen und verbreitet.
    Auch in Asien haben die Menschen immer viel mit Jasminen gearbeitet und auch die Bulgarische Rose geht einen langen Weg zurück. Es ist auch himmlisch so ein herrlicher Duft und es bringt ein Jeder Freude. Ich mag auch sehr die Lampe Berger mit ihren Öl von Gardenien , Jasminen oder Orangenblüten. Es verzaubert unsere Wohnung und hebt unsere Seele.
    Ganz liebe Grüße,
    Mariette

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Ich freue mich über jeden Kommentar und möchte mich auf diesem Weg recht herzlich dafür bedanken. Kommentare sind wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt sehr viel.