Dienstag, 21. März 2017

Dies und Das über Begriffe, die verschwinden

Sprache dient der Beschreibung der Welt. Und da sie sich ständig ändert, sind auch die Wörter im Wandel. Neue Begriffe entstehen, andere verschwinden. Wenn sie aus dem täglichen Sprachgebrauch erst einmal herausfallen, verschwinden sie irgendwann ganz.

Das Buch der fast vergessenen Wörter - Cnyrim, Petra 

Petra Cnyrim hat ein Buch herausgebracht, das wirklich lesenswert ist. Sie möchte hierin an schöne alte Begriffe erinnern und sie vor dem Vergessen bewahren.

Gardinenpredigt
Schon das Wort Gardine für Vorhang ist nicht mehr ganz zeitgemäß. Wer keine Gardine hat, kann auch keinen Gardinenpredigt mehr halten. Abgeleitet ist das Wort von den Strafpredigten der Mönche und Priester im 14. Jahrhundert, die so den Menschen  das Schlechte der Welt und die Sündhaftigkeit vor Augen führen. Später wurde es übertragen auf Gattinnen, die hinter der Gardine auf den verspätet heimkehrenden, angetrunkenen Mann warteten, um ihm bei seiner Ankunft alle Verfehlungen vorzuhalten. Später übertrug man den Begriff auf alle Formen der Maßregelung.

Rotzlöffel
Einen frechen Jungen nennt Cnyrim Bengel. Das kann noch liebevoll gemeint sein - im Gegensatz zum Schimpfwort Rotzlöffel für einen unverschämten Jungen oder jungen Mann, der sich im übertragenen Sinn  noch nicht einmal selbst die Rotznase  abwischen kann.

blümerant
So wurde Damen im 19. Jahrhundert, wenn sie kurz vor der Ohnmacht standen. Das französische  "bleu mourant"    (blassblau) beschreibt die Gesichtsfarbe eines Menschen, dem die Luft wegbleibt. So übel ist uns heute nicht mehr, uns wird schlimmstenfalls flau im Magen.

Backfisch
Dieses Wort mag Petra Cnyrim besonders. So wurden früher junge Mädchen genannt. Dieser Begriff
stammt aus dem Englischen und bezeichnet junge Fische, die zu klein waren und deshalb zurück (back) ins Meer geworfen wurden. Als Umschreibung einer noch nicht erwachsenen Frau taucht Backfisch schon 1773 in Goethes "Götz von Berlichingen" auf.

Schäferstündchen
Die Umschreibung einer intimen Begegnung ist noch älter als der Backfisch. In der Schäferdichtung des 18. Jahrhunderts  träumten Adlige vom idyllischen Leben und der Liebe in freier Natur. So wurde der Begriff, der erstmals 1711 auftaucht, gleichzeitig Ausdruck einer paradiesischen Flucht aus dem Alltag.   

Schabernack
Die Bezeichnung eines übermütigen Streichs könnte nach einer Vermutung mit dem Schaben oder Scheren des Nackens zu tun haben, früher Strafe für einen Rechtsbruch. Insofern kann ein Schabernack weitreichende rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.                                                                                                                                                                                

Kommentare :

  1. Liebe Irmi,
    es ist immer interessant, etwas über die Wörter zu erfahren. Bei manchen Worten finde ich es auch schade, dass sie so langsam verschwinden, wie z.B. das Kleinod. Ein Wort, welches ich sehr schön finde.

    Ich wünsche Dir einen schönen Tag.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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  2. Auch ich finde es schade das so viele Worte verschwinden. Sollte auch heute noch viel mehr drauf geachtet und gelehrt werden. Die Sprache sollte nicht verkümmern.

    Wünsche dir einen schönen Tag und sende viele Grüsse

    N☼va

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  3. Oh, das Buch muss ich mir besorgen! Ich mag Sprache, die mehr als 5000 Wörter umfasst. Man kan soviel mehr ausdrücken, wenn man dich die Mühe nimmt, das richtige Wort zu suchen..... Ich liebe Sprache
    Herzlichst
    yase

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  4. Das ist wohl wahr, liebe Irmi, die Sprache ändert sich im Laufe der Zeit.
    In die deutsche Sprache wurden viele Begriffe aus dem Englischen integriert. So gehört es heute fast schon zum Straßenbild, an Schaufenstern "Sale" zu lesen statt Rabatt oder Preisnachlass.

    Aber inzwischen finden viele das einfach "cool", gell?

    Hach, wie hübsch das klingt...."blümerant", aber diesen Begriff benutzt heute wirklich niemand mehr.

    Vielen Dank fürs Ausgraben des tollen Buches.

    Liebe Grüße und einen schönen Tag wünscht dir
    Christa

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  5. Liebe Irmi, interessant die " Definitionen" der einzelnen Begriffe "hier zusammengefasst zu lesen.
    Wer Sprache liebt und sie auch benutzt um Erklärungen abzugeben wird wahrscheinlich gleich misstrauisch beäugt und als Interlektueller beschimpft/bezeichnet,denn sprechen ist - wie zuhören - anscheinend dazu gemacht sich gegenseitig oft gründlich misszuverstehen!
    auch bei Kommentaren muss/sollte man beherzigen, dass oftmals der Sinn der Aussage nicht richtig herausgelesen wird, dann wird so mancher Beitrag - wie im englischen verfälscht oder mit 2 unterschiedlichen Begriffen versehen.
    war das jetzt hilfreich oder missverständlich für dich..? lacht angel

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  6. Liebe Irmi, beim lesen musste ich schmunzeln ;-) Ja, es gibt diese Wörter, die immer mehr in Vergessenheit geraten. Ich finde es schade! Blümerant sage ich aber heute noch, ich mag das Wort sehr :)

    Lieben Gruss
    Clara

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  7. Liebe Irmi
    Was für ein Aufsteller, da hast du mich wirklich zum lachen gebracht. Schade das solche Wörter immer mehr in Vergessenheit geraten.
    Liebe Grüsse
    Barbara

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  8. Ja, das stimmt, liebe Irmi. Schade eigentlich, aber das ist der Wandel der Zeit. Nicht alle neu entstandenen Wörter sind schön, aber auch die, die in unseren Sprachgebrauch hinein gewandert sind, werden eines Tages wieder verschwinden. Eine gute Idee also, all diese Wörter zu konservieren.
    Liebe Grüße, Angelika

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  9. Huhu, das sind alles alte Begriffe, die heute weitgehend unbekannt sind. Schade eigentlich :-(. LG Helga

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  10. Danke dir Irmi, ich habe mir das Buch gleich bestellt, denn ich Liebe ja die deutsche Sprache.
    Wünsche dir einen wunderschönen Tag und du weißt, wenn ich auch wenig Kommentiere, so bin ich doch hier immer präsent. LGLore

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  11. Sprache ist eben etwas äußerst Lebendiges... Ich benutze alles, alte Begriffe, Denglish, Dialekt, immer abschätzend, welcher Begriff am treffendsten das zu sagen vermag, was ich ausdrücken möchte. Gerade das Kölsch ist da viel präziser als Hochdeutsch. Und bereichernd ist es sowieso.
    GLG
    Astrid

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  12. Das finde ich toll, dass du uns diese alten Wörter noch einmal vor Augen führst und sie uns erklärst. - Es ist noch gar nicht so lange her, da hatten wir das Wort 'blümerant' sogar als 'Reizwort' für unsere Geschichten! - Der Uropa unserer Enkel sagt gerne mal 'Rotzlöffel' - das ist aber absolut liebevoll gemeint! :-)- LG Martina

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  13. Liebe Irmi,
    es ist eigentlich wirklich traurig, dass man jetzt schon ein Buch voll schreiben kann über vergessene, alte, deutsche Worte und Begriffe. Sicher gibt es als Pendant dazu auch ein Buch voller "neudeutscher" denglischer Worte, gell. ;-)
    Lieben Gruß
    moni

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  14. Toller Post, liebe Irmi! Vor allem die Herkunft der Worte ist ja echt interessant, da man sie oftmals gar nicht kennt.

    Die Worte, die mir gefallen, benutze ich auch, egal ob alt oder neu, und gelegentlich kommen ja eigene "Wortkreationen" hinzu. Ganz nach Humpty Dumpty eben! ;-)

    Liebgruß,
    Tigerle ;-)
    🐯

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  15. Was für bezaubernde Worte aus dem Fundus unseres Sprachschatzes - leider ist so manchem nicht bewusst, um welchen Schatz es sich handelt - mein Lieblingswort ist "Glückseligkeit" - interessanterweise finde ich das auch nicht im Dialekt.
    Worte haben eine Geschichte, oft Kraft, erschaffen Wahrheiten und Weltsichten - und dies macht mich glückselig ;)

    Sei umarmt für dieses Thema
    Knitgudi

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  16. Ich benütze sehr gern alte, verlorene Wörter/Begriffe ... oder mir fällt auf, dass ich dieses oder jenes schon lange nicht mehr gehört habe, was ich traurig finde.
    Es macht auch Spaß, in alten Büchern zu lesen. Manchmal fehlt mir diese Art der Sprache von einst. Kennst du z.B. Ottilie Wildermuth? Ab und an darin lesen, das tut einfach gut.

    Schön, dass du mit diesem Buchtipp darauf aufmerksam machst, liebe Irmi.

    Ich wünsch dir noch einen schönen Abend ...
    mit lieben Grüßen,
    Andrea

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  17. Liebe Irmi, sei herzlich gegrüßt.
    Ich stelle fest, daß beim Schreiben mir eher die vergessenen Worte einfallen, als beim Sprechen und dann schreibe ich doch das jetzt gebräuchliche Wort.
    Es ist ein interessanter Beitrag, die Worte sind mir aber bekannt.
    Dir alles Gute, tschüssi Brigitte.

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  18. ...schön wär´s, wenn "wir" uns wieder mehr auf unsere alten Begriffe im Sprachgebrauch kümmern würden!!
    Dein "Gedankenanstoß" hilft vielleicht - schönen Gruß,
    Luis

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  19. Es sind Worte, die wohl jeder noch versteht, wenn ich an viele Worte der Jugendlichen denke, da finde ich echt keinen Sinn darin.
    Liebe Grüße
    Sylvia

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  20. Meine liebste Irmi,
    danke für diesen tollen Buchtipp, das wered ich mir auch besorgen ;O) ICh benutze oft diese alten Ausdrück und weiger mich, die verenglischten Versionen zu benutzen ....
    Danke für wieder so schöne Beispiele :O)
    Hab einen zauberhaften Frühlingstag!
    ♥ Allerliebste Grüße und von ganzem Herzen einen festen Drücker, Deine Claudia ♥

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  21. Liebe Irmi, vielen Dank für deine Buchvorstellung. Dieses Thema bewegt mich immer wieder sehr. Eine Ursache liegt jeweils am 3. Oktober jeden Jahres begründet, da findet die Wahl des sächsischen Wortes des Jahres statt. Darüber hinaus sammelt meine Patentante seit vielen Jahren nach solchen Worten. Die Schwierigkeit erhöht sich dadurch, da es sich dabei um Worte aus dem erzgebirgichen Dialekt handelt. Denn die Gruppe der tatsächlich Dialekt sprechenden Menschen wird stets kleiner.

    vielen Dank für die Vorstellung und beste Grüße an dich,
    egbert

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  22. Rotzlöffel - ja den Ausdruck kennen wir und jeder weiß, was gemeint ist. Schabernack treiben, wer von uns hat es als Kind nicht getan?
    Gardinenpredigt habe ich meinem Mann noch nie gehalten :-) Und ein Schäferstündchen? Bleibt unser Geheimnis :-)
    Liebe lachende Grüße von Kerstin.

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Ich freue mich über jeden Kommentar und möchte mich auf diesem Weg recht herzlich dafür bedanken. Kommentare sind wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt sehr viel.