Dienstag, 14. März 2017

So war das damals...


Wie das Nähkästchen anzeigt, geht es wieder einmal in die Vergangenheit. Darauf gekommen bin ich durch ein ganz simples Gericht, das ich mehr als 50 Jahre nicht mehr gegessen hatte. Damals gehörte es zu meinen Leibgerichten - und dennoch war es ein sogenanntes Arme-Leute-Essen. Es handelt sich um Eier in Senfsoße. Ich hatte dieses Gericht ganz einfach vergessen. Jetzt fand ich das Rezept für die Soße wieder, in einer etwas abgewandelter Form. Natürlich habe ich es sofort nachgekocht und es schmeckte wie in alten Zeiten. Ich werde es wieder öfter kochen - ist auch ein gutes Gericht für den Karfreitag.

Am 27. August 1939 wurde die Lebensmittelkarte eingeführt, die sich bis zum 10. Januar 1950 hielt. Wir mussten damals Hungerschieben, trotz der Lebensmittelkarten. Die Verpflegung in den Städten wurde immer dramatischer. Die meisten Lebensmittelgeschäfte waren zerbombt. Einkaufen war nur bedingt möglich - und wo es Lebensmittelgeschäfte gab, war nichts da, was gekauft werden konnte.
Und das was da war, konnte nur mit Lebensmittelkarten gekauft werden.Auf  Hamsterfahrt zu gehen, war für uns nicht möglich. Dazu war ich noch zu klein und die größeren Geschwister waren noch in Gefangenschaft. Diese Verpflegungssituation verstanden wir Kinder nur zum Teil. Die Mütter waren die Leidtragenden. Bei ihnen haben wir um etwas Essbares gebettelt.
Wir Kinder hatten Hunger und dafür waren unser Mütter zuständig. Natürlich nur dieMütter. Die meisten Väter gab es nicht. Es wurde zwar von ihnen gesprochen. Aber wer war das? Für die meisten von uns fremde Männer, die wir vielleicht einmal oder noch nie gesehen hatten. Sie kamen langsam wieder heim  - aus der Kriegsgefangenschaft.





Ich freue mich sehr, dass
A.ZamJu

an den Neckarstrand gefunden hat. Herzlich willkommen und fühle dich wohl hier.

Kommentare :

  1. Guten MOrgen, meine liebste Irmi,
    ich freue mich imer, wenn ich Dein Nähkästchen sehe! Eier in Senfsosse, ich mußte eben schmunzeln, denn das Gericht gab es vor 2 Tagen bei uns! Auch ich kenne es noch aus Oma's Zeiten und nach langem Üben kommt der Geschmack auch bei mir immer näher an den aus Kindertagen :O)
    Danke für diesen wieder so schönen Beitrag!
    Hab einen wundervollen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße, verbunden mit einem herlichen Drücker, Deine Claudia ♥

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  2. Liebe Irmi,
    Deine Geschichte kommt mir bekannt vor. Meine Mutter und Oma (als sie noch lebte) erzählten auch viel davon.
    Wenn es abends ins Bett ging, haben wir Kinder unsere Mutter oft gebeten, dass sie Geschichten "von Früher" erzählen soll.
    Trotz aller Entbehrungen war es eine freie Kindheit. Aber ihren Vater sah sie nur, als er aus der Gefangenschaft kam, um zu Hause zu sterben.
    Ich finde diese alten Geschichten SOOOOO wichtig zum erzählen.
    Es weitet den Horizont in unserer Wohlstandsgesellschaft. Darum bitte ich meine Eltern, dass sie auch meinen Kindern davon erzählen.
    Liebe GRüße, Tina

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  3. Das tragische ist ja, dass es immer noch Mütter gibt, die ihren Kindern aus genau denselben Gründen nichts zu essen geben können.... Das macht mich so traurig. Der Geschichtslehrer von Tigerherz hat in der ersten Stubde erklärt: in Geschichte lernen wir, dass der Mensch aus der Geschichte nichts lernt.....
    Trotzdem müssen wir diese Geschichten kennen, damit wir es besser machen könnten
    Herzlichst
    yase

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  4. Liebe Irmi,

    doch die Eier in Senfsoße, oder wie ich immer sage "saure Eier", kennen wir sehr gut. Wir essen sie gerne hin und wieder einmal.
    Ich kenne es von meiner Mutter. Oma und Opa habe ich nie kennen gelernt. Als mein Vater aus der Kriegsgefangenschaft zurück kam, bin ich anschließend gemacht worden. Erzählt haben sie mir auch von den Nachkriegsjahren. Die Lebensmittelkarten kenne ich auch noch. Durfte hin und wieder mal mit ihnen einkaufen gehen.

    Liebe Grüße von
    Paula

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  5. Moin liebe Irmi,
    Eier in Senfsoße gibt es bei uns öfter. Ein schnelles Gericht, dass uns allen schmeckt.
    Ich kenne die Kriegsjahre nur aus Erzählungen (bin Jahrgang 1957) und hier auf dem Land gab es auch immer etwas zu essen. Jeder hatte einen eigenen Gemüsegarten und mein Opa erzählte vom Schwarzschlachten. Da würde ein "verstecktes" Schwein für den eigenen Haushalt geschlachtet.
    Liebe Grüße, Inge

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  6. Liebe Irmi,

    deine Erzählung geht mir richtig ans Herz.
    Wenn ich dann bedenke, in welchem Überfluss wir heute leben, wie verschwenderisch und undankbar manche sind, dann wird mir ganz anders...

    Eier in Senfsoße gab es oft bei uns und auch heute koche ich das Gericht gerne wieder.

    Liebe Grüße von Heike

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  7. Liebe Irmi, das ist interessant, weil eine Bekannte mir neulich ebenfalls erzählte, sie hätte Eier in Senfsoße gemacht und das nach vielen Jahren, in denen sie das Gericht einfach "vergessen" hätte.

    Meine Oma war bei uns die Geschichtenerzählerin, wenn es um frühere Zeiten und auch um den zweiten Weltkrieg ging. Sie hatte sogar noch den ersten Weltkrieg als Kind mit erlebt. Harte Zeiten waren das, aber ich habe ihr trotzdem gerne zugehört und vermisse ihre Erzählungen bis heute.

    Hab einen schönen Tag!

    Lieben Gruss
    Clara

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  8. Liebe Irmi,
    an was du alles erinnerst, toll. Dieses Gericht kenne ich sehr gut. Ich bin Jahrgang 41 da habe ich noch nee Menge miterlebt, gerade was Hunger anbelangt. Deswegen bin ich sehr allergisch wenn es ums Wegwerfen geht, gerade bei Lebensmittel. Ich habe meine Flüchtlingsmädchengeschichte niedergeschrieben und sie an einen Verlag geschickt, der solche Erinnerungen sammelt. Tatsächlich ist diese Geschichte in einem Buch mit dem Titel "Trümmerkinder" im Zeitgutverlag erschienen. Die Geschichte heißt:"Kartoffelbrei aufs Schulbrot". Mit dieser Geschichte bin ich hier in der örtlichen Schule als Zeitzeugin aufgetreten, ganz zünftig mit Lerderschulranzen, alter Fibel, Schiefertafel, Griffelkasten usw. Der Knüller war, ich hatte tatsächlich Kartoffelbrei dabei und Brot und konnte somit eine Kostprobe des Schulbrotes servieren, das kam nämlich in der Geschichte vor. Du merkst es, Erinnerungen die lebendig werden, da genügt nur ein Anstoss: "Eier in Senfsosse" und schon spriesst es.
    Dir einen schönen Tag und ich bin schon gespannt
    auf deine weiteren Geschichten und Berichte
    liebe Grüße
    von Edith

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  9. Liebe Irmi,
    ein Gericht welches ich liebe, gab und gibt es bei uns immer mal wieder. Schön, schnell, praktisch und einfach lecker :)
    Wie gut das ich in meiner Kindheit "Nesthäkchen" gelesen habe, die waren auch auf Hamsterfahrt, sonst hätte ich nachfragen müssen. So habe ich damals meine Oma gefragt und sie hat mir das dann erzählt (und so vieles mehr, das muss ich mir wirklich mal aufschreiben, wird ja sonst alles vergessen).
    Liebe Grüße
    Kirsi

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  10. Moin liebe Irmi,
    das Gericht mache ich heute noch oft - geht schnell für einen Single :-).
    LG Helga

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  11. Eier in Senfsoße mag ich gerne und ab uns zu gibt es die. Z.B. nach Ostern wenn viel hart gekochte Eier drauf warten gegessen zu werden. Dazu Kartoffel und einen schönen Salat - ein leckeres Essen, wie ich finde.

    Damals die Zeit muss sehr hart gewesen sein, für alle, egal ob groß oder klein

    lg gabi

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  12. ...ich mag Eier in Senfsoße auch sehr gerne, liebe Irmi,
    und ganz viele Kapern müssen bei mir rein...könnte ich auch mal wieder kochen,

    liebe Grüße Birgitt

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  13. Liebe Irmi,
    ich muss zugeben, "Eier in Senfsauce" habe ich
    noch nie gegessen, gibt es da ein tolles Rezept?
    das würde ich wirklich gerne probieren.
    Ich wünsche dir einen schönen Tag.
    Lg Sadie

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  14. Liebe Irmi
    das habe ich früher auch gemacht mit 5 Personen Haushalt billig und gut!
    Muss ich auch wieder mal machen..
    Danke für den Bericht wie es früher war nicht einfach hatten es die Mütter so alleine mit den kindern.
    Schönen Nachmittag wünsche ich dir!
    Lieben Gruss Elke

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  15. Hey, jetzt hast du mich auf die Idee gebracht: Eier mit Senfsauce, lecker!
    Liebe Grüße!

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  16. Nein liebe Irmi, aus dem Nähkästchen möchte ich nicht plaudern, aber das ich nun wieder deinen blog verfolgen werden und hin wieder Gedanken hinterlassen möchte, das wollte ich dir nur sagen...
    ;-)

    herzliche Grüße,
    egbert

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  17. Liebe Irmi,
    aus dieser Zeit hat mir meine Oma damals immer erzählt. Sie ist einige Male "hamstern" gefahren und was damals bittere Realität war, gab für uns Kinder eine interessante Geschichte ab. Wo du die leckeren Eier in Senfsoße erwähnst: Ich hatte mal ein Kochbuch, in welchem Rezepte aus Kriegszeiten aufgezeichnet waren. Knäckebrot aus Kartoffelschalen, Kaffee aus Zicchorie, falsche Schnitzel aus Gries oder einer panierten Scheibe Sellerie.... fällt mir nicht mehr alles ein, aber für mich Wohlstandskind, 1967 geboren, unvorstellbar.
    Lieben Gruß
    Gabi

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  18. liebe Irmi,
    ich kenne das Gericht auch "saure Eier", es war eins meiner Lieblingsgerichte und habe es auch schon so lange nicht mehr gegessen - jetzt wird es höchste Zeit! (Das Rezept habe ich bestimmt noch von meiner Oma)
    liebe Grüße
    Gerti

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  19. Servus Irmi,
    eine gute Idee dieses leckere Gericht wieder mal zu genießen!!
    Schönen Gruß,
    Luis

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  20. Liebe Irmi, du rufst echt eigene Erinnerungen wach, danke..
    die Senfeier mit Kapern in der Soße - selbst nie gemacht (warum eigentlich denn die sind ungeheuer lecker) hab ich immer bei Muttern gegessen die dieses Gericht sicher aus den Kriegszeiten noch kannte und immer wieder machte weils einfach, bequem und lecker war, sie muss ich unbedingt auch mal wieder machen.
    Ein Glück ( oder auch nicht) gibts bei mir ein großes schwarzes Nichterinnerungsloch was die nachfolgenden zeiten nach dem 2. Weltkrieg anging, denke aber wir sollten uns zumindest daran erinnern dass es noch eine andere zeit als die heutige gab in der man nichts zum wegwerfen hatte!
    Wo landet eigentlich das was man heute in die EXTRA Essenstonne werfen soll wo es doch kaum mehr schweine auf den umliegenden Bauerndörfern gibt?
    Grüne - graue - gelbe und blaue....!!! sehr nachdenklich
    Angel...

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Ich freue mich über jeden Kommentar und möchte mich auf diesem Weg recht herzlich dafür bedanken. Kommentare sind wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt sehr viel.