Sonntag, 30. April 2017

Genau so war er...

Ich breche meine Kurzsendepause. Denn ich finde, Hermann Löns brachte es schon damals auf den Punkt - und aus dem Grunde möchte ich euch das Gedicht nicht vorenthalten.
 
April
Laut flötet der Wind durch den Haselnußstrauch,
Schneeflocken durchwirbeln den Hain,
Bald Hagel, bald Regen und eisiger Hauch,
Bald lachendster Lenzsonnenschein.
Ich weiß ja, daß kurz dieser Sonnenblick dauert,
Daß Hagel und Regen und Schneefall schon lauert
Und Nordwinds erstarrendes Wehn,
Und dennoch mich freudige Hoffnung durchschauert,
Es ist ja so schön, ja so frühlingshaft schön.

Erfriern auch die Veilchen, die gestern erblüht,
Verstummt auch der Fink in dem Wald –
So lieb ich, April dich, in meinem Gemüt
Ist's auch heute warm, morgen kalt.
Auch dich hatt' ich lieb, die so oft mich belogen,
So oft mich mit Lachen und Weinen betrogen,
Dich Mädel, trotz Falschheit und Lug,
Ja, Zauberkraft war's, die zu dir mich gezogen,
Ja Trug, doch berauschender, seliger Trug.

Schon lange ist's her, schon manch langes Jahr,
Hab' immer gern deiner gedacht,
Du rosige Wange, du goldhelles Haar,
Du Auge, voll tiefblauer Pracht,
Ihr Lippen, wie konntet ihr lachen und schmollen,
Ihr Augen, wie konntet ihr strahlen und grollen,
Bald Höllenpein spenden und bald Paradies,
Was half mir mein besseres Wissen und Wollen,
Ja Lüge und Trug war's, doch süß, ach so süß.

Ich weine den Blumen des Herzens nicht nach,
Schon morgen erblüht neues Glück,
Und wenn auch der Nordwind die Lenzblüten brach,
Ein Jahr und sie kehren zurück.
Ja Hagel und Regen und Sonne und Schneien,
Und Wechsel von Trauer, von Lust und Bereuen,
Bald jauchzend, bald düster und still,
Die Lust nicht verachten, die Schmerzen nicht scheuen,
Ich lieb euch, falsch Mädchen und falscher April.

Kommentare :

  1. Liebe Irmi,

    ja so war er der April und schön von Hermann Löns geschrieben. Danke für deine Unterbrechung!

    Wünsche dir einen schönen Sonntag und einen guten Start in den Wonnemonat Mai
    liebe Grüße von
    Paula

    AntwortenLöschen
  2. Wirklich ein schönes und zugleich zutreffendes Gedicht und danke fürs teilen.
    Nun komm auch du gut in den Mai.
    Lieben Inselgruß
    Kerstin

    AntwortenLöschen
  3. Das passt ja in diesem Jahr... selbst die "falsch Mädchen", die gab es, in moderner Form...
    Lass dich vom heutigen Sonnenschein beglücken!
    Herzlichst
    Astrid

    AntwortenLöschen
  4. Ich war ganz überrascht, als ich gesehen habe, dass heute ein Post von dir erscheint!
    Aber der Anlass ist aber auch schön.
    Das Gedicht von Hermann Löns ist wirklich lesenswert, danke dafür.
    Einen guten Start in den neuen, jungen Mai wünsche ich dir

    AntwortenLöschen
  5. Danke für deine Kurzunterbrechung mit diesem passenden Gedicht. Genieße den Tag.

    Liebe Grüße

    Andrea

    AntwortenLöschen
  6. liebe Irmi, wäre Hermannn heute noch am Leben gäbe es wahrscheinlich bei seinem Gedicht Leser die ihm vorwürfen"er blicke zu lange in die Rückschau/Vergangenheit" seines Lebens zurück und würde sich nicht mit der Gegenwart beschäftigen - so hörte ich es oft bei meinem Themen und: mach mir nix draus, denn gerade diese nostalgische Betrachtung zeuigt ja nur davon dass der Dichter zu dieser zeit schwerst verliebt war und dis mit seinem Gedicht zum Ausdruck brachte.
    heute ist er berühmt und Lyriker bewundern und lieben seine Sprache.
    ich mag es sehr wie auch andere von ihm, aber wer von den Heutigen Jugendlichen liebt schon gedichte?
    ich glaube, dazu muss man erst ein gewisses Alter und eine innere Reife besitzen um sie zu mögen und ihre Sprache zu ehren
    lieben Gruß in dein Maiwochenende.
    Angelface

    AntwortenLöschen
  7. Wirklich ein wundervolles Gedicht!
    Liebste Grüße!

    AntwortenLöschen
  8. ......die Lust nicht verachten, die Schmerzen nicht scheuen...., das ist "gelebtes Leben!"
    Einen schönen ersten Maientag,
    Luis

    AntwortenLöschen
  9. Danke für das Gedicht.
    Bei dir finde ich immer viel Interessantes zum Lesen und Nachdenken.

    Herzliche Grüße von Heidi-Trollspecht

    AntwortenLöschen
  10. Hallo Irmi,
    ja, dieses Gedicht ist ja sowas von zutreffend auf den diesjährigen April.
    Der hat seinem Ruf wirklich alle Ehre gemacht.
    Mir denkt noch der April 1975 - da hat es tagelang heftig geschneit, teilweise brach der Zugverkehr zusammen im KA-Raum. Da hatte ich schon Sommerreifen drau und bin nach Dienstschluß mit Ach und Krach heimgekommen. In den Alpen war es katastrophal, Lawinenunglücke und zahlreiche Tote nach meterhohen Neuschneefällen.
    1977 das andere Extrem: "April, April, macht was er will" - in diesem Jahr(1977)heißt das: Sonne satt. Noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war der April so trocken und sonnig.
    Nach der wochenlangen Trockenheit ist die Waldbrandgefahr in Deutschland dramatisch gestiegen. Für April ist das äußerst ungewöhnlich. "Wir haben jetzt flächendeckend Gefahrenstufen wie sonst im Juli oder August" - habe ich in meinen Wetteraufzeichnungen zu stehen.
    So außergewöhnlich war der diesjährige April jedenfalls nicht, eher schöner und milder wie sonst - jedenfalls bei uns hier LK-KA. Nachtfröste hatten wir auch schon im Mai noch.
    Wünsche dir einen angenehmen Maibeginn, mit dem Maiausflug sieht es eher mau aus, Regen und Wind ist angesagt.
    VG
    Oskar

    AntwortenLöschen
  11. Liebe Irmi,
    schon, dass du deine Kurzsendepause brachst um dieses inhaltsvolle tolle Gedicht zu präsentieren!
    Toll was Poeten immer wieder schreiben...Danke für den für mich neuen Text!!!
    Freu mich über deine Besuche so sehr in den Blogs hab ganz lieben Dank!!!
    Einen guten ersten Mai wünsche ich dir von Herzen
    die Monika*

    AntwortenLöschen
  12. Liebe Irmi, ich sollte dein tolles Aprilgedicht noch unter meinen Post mit viel Schnee vom 26. April 2017 schreiben. Treffender kann man den Moment nicht beschreiben.

    egbert :))))

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über jeden Kommentar und möchte mich auf diesem Weg recht herzlich dafür bedanken. Kommentare sind wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt sehr viel.