Dienstag, 4. August 2015

Dies und Das über die Ideen von Friedrich Fröbel

Mit der Idee des Kindergartens lenkte Friedrich Fröbel den Blick auf die erste Lebensphase des Menschen. 175 Jahre später wird  darüber gestritten, was gute Arbeit von Erziehern wert ist.
Kindergärten boomen in Deutschland. Das Betreuungsangebot ist das eine, die Qualität frühkindlicher Bildung das andere. 175 Jahre nach der Gründung des ersten Kindergartens im thüringischen Bad Blankenburg sehen Fachleute noch erhebliche Baustellen in  der frühkindlichen Bildung.
Beim Ausbau hat sich viel getan, woran es aber massiv hapert, ist oftmals die Qualität. Zu dieser Einschätzung kommt der Leiter des Instituts für Bildung und Kultur der Uni Jena und auch der Ländermonitor der Bertelsmann-Stiftung. Man verweist auf den Personalschlüssel und das Fehlen eines bundesweit einheitlichen Bundes-Kita-Gesetzes. Diese Probleme hat auch die Politik erkannt und eine Bundes-Länder-Arbeitsgruppe gebildet.
Die regionale Kluft ist gewaltig. Nicht nur, dass traditionell in Ostdeutschland die Betreuungsquote viel höher ist - sie lag lt. Statistischem Bundesamt zuletzt bei den unter Dreijährigen mit 52 Prozent fast doppelt so hoch wie im Westen (27,4%). Auch die Zahl der Kinder pro Erzieher schwankt gewaltig.
Spätestens mit dem Pisa-Schock 2001 ist die frühkindliche Bildung in den öffentlichen Fokus gerückt worden. In der Studie wurden zwar die Leistungen  15-jähriger gemessen. Klar war aber, dass schon früher angesetzt werden muss. Im Kleinkinderalter werden Grundlagen für die spätere Bildungskarriere gelegt. So geht es auch um Chancengerechtigkeit für Kinder aus bildungsfernen Familien.
Ideen, die schon Friedrich Fröbel im 19, Jahrhundert erkannt hatte  - und mit dem Kindergarten ein Konzept schuf, das auch in vielen anderen Ländern populär wurde. Margitta Rockstein, die einen wichtigen Teil seines handschriftlichen Nachlasses bewahrt, spricht von einer pädagogischen Revolution. Es ging Fröbel um die Bildung für alle Kinder,  egal welcher sozialen Herkunft  und welchen Geschlechts. Und es war ihm ganz wichtig, die Entwicklung der Kinder beim Spielen zu fördern und anzuregen.
Heute ist es leider manchmal so, dass der Kindergarten darauf zurückgestuft wird, die Kinder lediglich zu betreuen. Es fehlend bundesweit 120 000 Erzieherinnen und Erzieher. Bei den aktuell oftmals sehr großen Gruppen fehlt den Kindern eines: Bindung. Und die ist sehr wichtig.
Aber eines ist auch sehr wichtig: Frühkindliche Bildungsarbeit darf nicht damit verwechselt werden, Kinder schon im Kindergarten zu beschulen. Die Kinder lernen vielmehr im Spiel. Es gibt aber sog.
Elite-Kindergärten, in denen ist es en vogue, bereits Fremdsprachen anzubieten. Fröbel würde sich im Grab umdrehen.
(Auszug aus einem Vortrag über Fröbel und seine Grundidee)

Kommentare :

  1. Guten Morgen, meine liebe Irmi,
    ja, die Entwicklung in den Kindergärten und Tagesstätten läßt manchmal zu wünschen übrig. Das war für mich schon vor Jahren der Grund, nicht mehr in meinem erlernten Beruf zu arbeiten. Genau, Fröbel würde sich im Grabe umdrehen .....
    Ich wünsche Dir einen wunderschönen und fröhlichen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Deine Claudia ♥

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  2. Meine liebe Irmi,

    ich weiß gar nicht, wie und wo ich beginnen soll, weil - mir liegt so vieles auf der Seele....
    Heute dürfen Kinder oftmals gar nicht mehr Kinder sein, so sehr werden sie unter Druck gesetzt.... Schrecklich, einfach schrecklich, wenn Eltern all das auf ihr Kind projizieren, was ihnen selber verwehrt blieb....
    Andererseits sind die Anforderungen heute so extrem und die Kosten so hoch, dass viele einfach beide arbeiten müssen.
    Wenn ich zurückblicke, bin ich restlos dankbar für die Situation, wie sie bei uns war, nämlich Kindergarten von 8 bis 12 (fand ich wichtig für die Entwicklung des Sozialverhaltens außerhalb des Elternhauses) und danach Kindheit zu Hause, im Garten, am frisch-gekochten Mittagstisch, in der Natur oder wo auch immer.
    Wir hatten auch das Riiiiesenglück, ein Mehrgenerationenhaus gewesen zu sein, so war mein Sohn immer behütet und das ist für mich rückblickend gesehen mit dem Wort GLÜCK zu beschreiben.....

    Ich umarme Dich und grüße Dich ganz herzlich
    Uschi
    so what hutliebhaberin

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  3. Moin liebe Irmi,
    da hast Du ja heute wieder ein "heißes" Thema :-)
    Mir geht es ähnlich wie Uschi M. und auch ich könnte einen Roman schreiben.
    Ich habe zwei Kinder und vier Enkel und was mir da so manches mal zu Ohren kommt, da stehen mir die Haare zu Berge.
    Meine jüngere Tochter hat jetzt ihren Sohn (5 Jahre) aus der Kita genommen und betreut ihn jetzt zu Hause. Es gab immer wieder Ärger... zum Beispiel: die Kinder spielen nur und sind sich selbst überlassen und die Erzieher stehen in der Ecke und schwatzen. Auf die Frage "Gibt es denn kein Vorschulunterricht oder kann man die Kinder in der Altersgruppe nicht spielerisch Fördern?" Kam nur "wir haben dafür nicht genügend Personal"
    Ich finde das unmöglich, gottseidank hat sie das Glück und muss zurzeit nicht arbeiten. Auch ich hatte damals das Glück meine Kinder nur bis Mittags in die Kita zu bringen.

    Liebe Grüße und einen schönen Dienstag...
    Biggi

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  4. Andernorts herrscht das Sommerloch.... Bei Dir nicht! Ein ziemlich heißes Eisen, das Du hier zielsicher anpackst liebe Irmi, und ich gebe dir vollkommen recht. Hier im Kindergarten werden Weichen gestellt, oder auch nicht. Es mangelt.
    Obwohl das schlimm ist, die Auswirkungen spürt unserer Gesellschaft, wird dieses Thema von der Politik abgenickt und man geht weiter zur Tagesordnung über, will sagen zu den medienwirksamen Punkten auf der Agenda.

    Danke für s posten und noch einen angenehmen Dienstag.
    Mit sonnigen Grüßen, Heidrun

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  5. Das gibt es glaube ich nicht nur in Elite-Kindergärten, dass englisch angeboten wird. Man kann das auch in unserem Kindergarten 'buchen' - für die Kinder, die im kommenden Jahr eingeschult werden. Unser Kindergarten ist klein und wurde gerade von 3 auf 2 Gruppen reduziert. Der Grund: fehlenden Kinder! Die Betreuung dort ist aber gut und die Kinder gehen gerne. Spielerisch lernen - das gilt dort!! LG Martina

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  6. ...mit Fröbel verbinde ich in erster Linie seine wundervollen Spielsachen, liebe Irmi,
    besonders die Autos aus Kindertagen...aber auch anderes...wenn ich heute nochmal ein Kind in dem Alter hätte, würde ich wahrscheinlich nach einem Waldkindergarten Ausschau halten...gerade für meinen Großen wäre das das Richtige gewesen,

    lieber Gruß Birgitt

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  7. Liebe Irmi,
    ich danke Dir für Deine Erinnerung an Fröbel, der doch so maßgeblich war für die Entstehung des Kindergartens.
    Als wir vor fast zwanzig Jahren nach Cottbus zogen, war ich sehr verwundert, dass man Babies im Alter von einem halben Jahr schon in die Kita gibt. Ich weiß nicht wie es in Westdeutschland mittlerweile gehandhabt wird, aber in Ostdeutschland ist es normal. Ich finde es persönlich ein bisschen schade und viel zu früh. Aber das ist meine persönliche Auffassung - und vielleicht altmodisch?
    LG
    Astrid

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  8. Liebe Irmi, ich schließe mich Astrid an, dass die Kleinsten schon so früh abgegeben werden, finde ich nicht gut. Eltern sollten sich schon einige Zeit nehmen, ihre Kinder rundum zu betreuen. Was ausserdem die Tarifverhandlungen ergeben haben,ist ein Witz! Liebe Grüße Eva

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  9. liebe Astrid,
    ja es hat sich viel verändert, nicht alles zum Positiven.
    Ich bin heute noch froh, dass meine Kinder bis zu 4 Jahren zu Hause waren und dann bis zur Einschulung vormittags im Kindergarten.
    Bei uns im ländlichen Bereich sind die Kindergärten alle gut, die Betreuung und die Förderung.
    liebe Grüße
    Gerti

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  10. Liebe Irmi,
    Ja, komisch ist das auch hier in der USA es genau so genannt wird: Kindergarten! Irgendwie komisch aber so hat es sich entwickelt.
    Unsere Deutsche Schwiegertochter ist auch Erzieherin und es ist schon öfters ein Problem mit fehlendem Personal.
    Schade denn es ist eben so wichtig in diesem Alter alles so gut möglich zu tun.
    Liebe Grüsse,
    Mariette

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  11. Mir fiel bei Deinem Blog gleich meine erste Ausbildung ein, Erzieherin, mit einem Praktikum in einem Fröbelkindergarten.
    Wir lernten alles über Pestalozzi, Teréz Gräfin von Brunszvik, Fröbel und Montessori-Pädagogik.

    Erstaunlich, wie weit damals das Interesse am Kind gediehen war, auch wenn es im Großen nicht umgesetzt wurde. Und heute....nun ja.
    Danke für das Erinnern.
    LG Flo

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Ich freue mich über jeden Kommentar und möchte mich auf diesem Weg recht herzlich dafür bedanken. Kommentare sind wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt sehr viel.