Montag, 23. Januar 2017

Dies und Das und Erinnerungen


Ich habe es noch nie gemocht im Mittelpunkt zu stehen. Meine Geburtstage hätte ich am liebsten immer ignoriert. Aber leider geht das nicht. Mir würde es niemals einfallen, schon im voraus darauf hinzuweisen. Ich bin froh, dass ich die letzte Woche abhaken kann. Jetzt geht es ruhig weiter.

Ich habe meine alten Aufzeichnungen hervorgekramt und stolperte über die Einschulung. Unsere Einschulung war im Frühjahr:

http://cdn04.trixum.de/upload2/39400/39362/3/36bf0e2c72022324d362962c3c801ad7b.jpg 

Der große Tag war gekommen. Endlich durfte ich in die Schule. So wie die großen Brüder. Die Mädchen wurden herausgeputzt, soweit das überhaupt zu dieser Zeit möglich war. Die Jungen zogen ihre besten kurzen Hosen an. Dazu lange Strümpfe  (es war noch sehr kalt), die mit Gummibändern gehalten wurden. Die Gummibänder waren oben an einem Hüftgürtel angenäht. Heute nicht mehr vorstellbar. Zwischen Hosenende und Strumpfbeginn war die nackte Haut zu sehen. Ob Mädchen oder Jungen - wir trugen derbe hohe Schuhe. Eigentlich gab es nur solche (meist noch von den größeren Geschwistern geerbt). Halbschuhe oder Sandalen für Kinder konnten sich nur die Familien mit viel Geld in der Tasche leisten.
Auf dem Land war es natürlich viel einfacher. Der Lehrer war im Dorf bekannt. In der Ortshierarchie kam er gleich nach dem Pfarrer und Bürgermeister. Man kannte die Schule ganz genau. Sie gehörte zum Ortsbild und war ein Gebäude, so bekannt wie die Kirche. Also ein Gang in einigermaßen bekannte Gefilde. Schlechter war, dass der Lehrer auch die Eltern kannte. Damit war gesichert, dass schlechtes Verhalten in der Schule unmittelbar bei den Eltern ankam. Ich habe meine Freundin nicht darum beneidet, dass sie auf dem Land wohnte.
In der Stadt war diese Zeit nach der Einschulung sehr kurz. Fliegeralarm und Bomben waren nicht selten. Wir mussten unsere Tinsberger Schule verlassen und der Unterricht fand in dem Hueck´schen Luftschutzbunker statt. Wenn der Vorarlarm ertönte, mussten wir schnell nach Hause laufen. Die Lehrer wechselten häufig: Mal wurden sie eingezogen,  mal wussten wir nicht, wohin sie gekommen sind.
Von dieser für uns so entscheidenden Zeit bekamen die meisten Väter von uns nichts mit. Sie hatten von den Entwicklungsschritten und den für uns damit verbundenen Schwierigkeiten  keine Ahnung.
Wir konnten ihnen  nichts von unserer Unsicherheit und Angst erzählen. Für uns war diese Situation ganz  "normal".

Zeilen zum Schulanfang
Freude soll nimmer schweigen.
Freude soll offen sich zeigen.
Freude soll lachen, glänzen und singen.
Freude soll danken ein Leben lang.
Freude soll dir die Seele durchschauern.
Freude soll weiterschwingen.
Freude soll dauern
Ein Leben lang.
(Joachim Ringelnatz)

Kommentare :

  1. Mich erinnern Bilder an meine Einschulung, aber in der Schule war ich nur ein halbes Jahr denn nachdem wir umgezogen waren ging es dann in eine neue Schule sowie Klasse.

    Wünsche dir einen schönen Wochenstart und sende viele Grüsse

    N☼va

    AntwortenLöschen
  2. Guten Morgen, meine liebe Irmi,
    das sind Erinnerungen, wie ich sie auch aus Erzählungen kenne, von meiner Mama ...
    Wenn ich an meine einschulung denke, es war im Frühherbst damals, lag ich mit meinen Geschwistern und den Masern im Bett. Die Schultüte hatte ich mit dabei und wir haben uns die Süßigkeiten geteilt ;O)
    Das Gesicht von herrn Ringelnatz ist wieder klasse ausgewählt!
    Ich wünsche Dir einen guten Start in eine schöne und für Dich entspannte neue Woche!
    ♥ Allerliebste Grüße, Deine Claudia ♥

    AntwortenLöschen
  3. Und wir können uns das gar nicht vorstellen. Obwohl auch in der Schweiz vieles anders war, war es doch sehr anders.... Und heute sowieso. Schrecklich, dass es gar nicht so wahnsinnig weit von uns, immer wieder Kunder und Menschen gibt, die tagtäglich diese Situationen erleben.....
    Danke Herr Ringelnatz, wir freuen uns auch heute!
    Herzlichst
    yase

    AntwortenLöschen
  4. Guten Morgen Irmi,
    Meine Oma hat mir auch immer von ihrer Schulzeit
    erzählt, ich war immer ganz fasziniert, weil man sich
    viele Dinge überhaupt nicht vorstellen konnte.
    Bei meiner Einschulung 1968 gab es noch keine Schultüte,
    ich habe auch keine erwähnswerte Erinnerung an diesen ersten Tag.
    Lg und einen gemütlichen Wochenbeginn.
    Sadie

    AntwortenLöschen
  5. damals.. die Leute hatten es nicht einfach Irmi.die KLEIDUNG mit den Strümpfen kenne ich noch und wie die Strümpfe an ein Leibchen mit Strippen geknöpft wurden..Irmi 10 Jahre trennen uns
    mit einem Lg vom katerchen

    AntwortenLöschen
  6. Liebe Irmi,
    hab vielen Dank für diese interessanten Erinnerungen zu deinem Schulanfang...eine schlimme Zeit war das und es ist zu bewundern, dass trotzdem Unterricht stattfand.
    Dann wünsche ich dir noch alles Gute nachträglich zu deinem runden Geburtstag und viel Freude weiterhin beim Schreiben hier.
    LG Sigrun

    AntwortenLöschen
  7. Hallo Irmi,
    ich kann mich an diese langen Strümpfe noch erinnern,
    aber in meiner Schulzeit trug ich schon Strumpfhosen.
    Erst Gestern hatte ich mein Einschulungsfoto in der Hand, lange ist es her...
    LG Heidi

    AntwortenLöschen
  8. Moin liebe Irmi,
    ich bin zwar jünger, aber das mit den Strümpfen kenne ich auch noch :-). Als ich eingeschult wurde, war ich auch nur ein paar Monate da, dann sind wir umgezogen aus einem Behelfsheim in eine 3-Zimmerwohnung - da wohne ich nun immer noch.
    LG Helga

    AntwortenLöschen
  9. Liebe Irmi,
    es ist gut, sich zu erinnern. Erinnerungen wecken auch oft vergessene Gefühle wach. Man spürt...man lebt. Schöne Erinnerungen stimmen einen froh, weniger schöne sollten uns zufrieden machen, dass wir auch diese Situationen/Erfahrungen/Schicksalsschläge etc. überlebt haben.
    Angenehmen Wochenstart
    und liebe Grüße
    moni

    AntwortenLöschen
  10. Servus Irmi,
    meine Einschulung war 47 - ohne Schulranzen, ich hatte nur einen von Muttern selbst genähten "Rucksack" aus irgend einem Militärsegeltuch. Die angenähten Gummibänder mit der "patentierten Knopfhalterung" für die Schafwollstrümpfe war auch für uns (Vertriebenen)-Buben angesagt! Ja, das waren noch Zeiten ;-)
    Schönen Tag noch,
    Luis

    AntwortenLöschen
  11. Liebe Irmi, mit deinen aufgeschriebenen Erinnerung begibt man sich automatisch auf Zeitreise in die eigene Kindheit. Auch wenn mich mein (zunächst sehr großer) Schulranzen vom 1. bis zum 10. Schuljahr begleitete, hängt auf unserem Boden auch noch so ein historischer Tornister, wie er auf deinem zweiten Foto zu sehen ist.
    Die von dir beschriebene Kleidung zur Einschulung, trugen wir bei uns im Gebirge noch in den Wintermonaten. Das Leibchen wurde über dem Unterhemd getragen, eine lange Unterhose und darüber zogen wir die langen, wollenen Strümpfe die am Leibchen mit solchen Strumpfhaltern angeknöpft wurden. Man war das Akt, wenn wir Jungen uns vor dem Sportunterricht umzogen. Ich schätze, dass diese Kleidungsart bis zum 2. Schuljahr noch getragen wurde, also bis 1965/66. Wie einfach gestaltet sich heute alles und das ist auch gut so.

    herzliche Grüße,
    egbert

    AntwortenLöschen
  12. Eine wundervolle Erinnerung, die Einschulung - das Eintauchen in die Kindheitstage, liebe Irmi! Nun, ich habe da die große Schultüte vor dem geistigen Auge, die mit den schönsten und damals eher raren Süßigkeiten gefüllt war...

    ...der Ringelnatz dazu kombiniert ist einfach toll. Dir wünsche ich einen guten Start in die neue Woche.

    WinterSonnenGrüßle von Heidrun

    AntwortenLöschen
  13. Das sind wahrlich Erinnerungen, die man gut bewahren sollte.
    Auch bei uns kannte der Lehrer die Eltern und sogar sein Sohn ging mit in die Klasse, die er unterrichtete. Dies wäre heutzutage unvorstellbar. Damals hatte der Lehrersohn sogar ein Auge auf Klein-Astrid geworfen. Seine Mutter hatte morgens Mühe ihn davon abzuhalten, mich vor der Schule abzuholen. Ich wohnte nämlich am anderen Ende der Stadt und die Schule lag auf dem Weg dazwischen. :-)
    LG
    Astrid

    AntwortenLöschen
  14. Liebe Irmi
    Danke, dass du diese Erinnerungen mit uns teilst. Das mit den Strümpfen kenne ich aus Erzählungen von meinen Eltern. In einem Dorf, kennt wirklich jeder jeden und selbst jedes vergessene Grüssen wurde meinen Eltern zugetragen ;))
    Liebe Grüsse
    Barbara

    AntwortenLöschen
  15. Mir ist dein Geburtstag entgangen, liebe Irmi und ich habe erst mal deinen post hier darunter gelesen.
    Mach dir mal keine Gedanken wegen des Kommentierens auf den anderen Blogs. Wer gerne hier liest, der kommt auch zu dir ohne eine Gegenverpflichtung.
    Ich schaffe es ja auch nicht, ständig überall zu sein, aber du sollst trotzdem wissen, dass du nicht vergessen bist.

    So, aber jetzt erst einmal herzlichen Glückwunsch nachträglich zum Geburtstag und alles Liebe für dich.:-)
    Was ich dir am meisten wünsche, ist, dass es dir wieder besser geht, du wieder mehr Kraft bekommst, um den Tag zu meistern. Der Winter ist immer übel, wenn man an einer Krankheit leidet.
    Fühl dich einfach mal ganz lieb in den Arm genommen. :-)

    Einen tollen post hast du wieder geschrieben über die Einschulung. Meine liegt nun auch schon viele, viele Jahr zurück, aber ich kann mich noch an diese Strümpfe und Hüftgürtel erinnern. Zum Glück musste ich sie nicht lange tragen, denn da wurden die Strumpfhosen modern und bei mir mussten es immer die sein mit dem Entchen darauf. Vielleicht erinnerst du auch dich an sie.
    Sündhaft teuer waren sie damals und ich habe so manche beim Rollschuhlaufen an den Knien ramponiert, nämlich dann wenn ich hinfiel und es Löcher gab.
    Meine Mama hat sie damals alle fein säuberlich gestopft. Heute ist das gar nicht mehr denkbar, aber wir sind ja auch zu einer Wegwerfgesellschaft geworden und das in jeder Beziehung.

    Kriegszeiten habe ich keine mehr erlebt und kenne solchen Geschichten nur aus den Erzählungen meiner Vorfahren. Ich bin ein Nachkriegskind.

    An meine Einschulung erinnere ich mich noch ganz genau und an das Gedicht, das wir an diesem 1. Schultag lernten:

    Unsre kleine Jule,
    die geht schon zur Schule,
    lernt dort singen, lesen, schreiben,
    wird sie immer fleißig bleiben?

    Dieses Gedicht werde ich wohl nie vergessen.

    Ganz liebe Grüße, dir einen schönen gemütlichen Abend und eine gute neue Woche
    Christa

    AntwortenLöschen
  16. Liebe Irmi
    Ja, das sind doch herrliche Erinnerungen - Erinnerungen, die uns keiner nehmen kann.
    Einen gemütlichen Abend wünscht Dir Yvonne

    AntwortenLöschen
  17. Hallo Irmi,
    erstmal noch Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und alles, alles Gute für das neue Lebensjahrzehnt. Auch wenn es ein bißchen spät kommt, kommt es doch von Herzen!
    Solch Erinnerungen mag ich total gern. Meine Einschulung ist nun bald 40 Jahre her, aber ich kann mich auch noch gut erinnern. Ich war eine von denen die noch einen Lederschulranzen hatten, fast alle anderen hatten bereits einen modernen, das fand ich damals ganz schlimm.
    An meine Schultüte kann ich mich auch noch erinnern, obwohl die nicht auf dem Einschulungsfoto drauf ist, denn das wurde erst ein paar Tage später gemacht und da bekommen wir vom Fotografen eine Tüte in die Hand gedrückt. *g*
    LG zu Dir
    Manu

    AntwortenLöschen
  18. I didn't like school, it was run like a bunch of idiots, I evently dropped out.

    AntwortenLöschen
  19. Gut, dass du's erzählst. Es werden ja immer weniger, die das erlebt haben. Manchmal denke ich, eure Generation ist deshalb auch so, wesensmäßig, wie sie ist. Hat sich ja keiner für eure Nöte interessiert, oder ihr bekamt gesagt, ihr sollt froh sein, dass ihr noch lebt. Ich lebe mit einem Kriegskind, das die Danziger Bucht überlebt hat...
    Als ich mal mit meinen Schulkindern die Erlebnisse der Großeltern gesammelt habe und sie teilweise in einer Ausstellung veröffentlicht habe, kamen die Großeltern & weinten. "Sie sind die erste, die sich dafür interessiert."-
    Übrigens habe ich diese furchtbaren Strümpfe und die Leibchen mit Gummi auch noch getragen. So was von unangenehm!
    Schön, dass es dicht gibt!
    Herzlichst
    Astrid

    AntwortenLöschen
  20. Liebe Irmi, ich habe gemerkt, dass ich schon länger nicht mehr bei dir war. Viel Interessantes und Neues gab es jetzt für mich. Mit großem Spaß habe ich über Deine Erinnerungen gelesen. Solche Nähkästchen habe ich noch und sogar in doppelter Ausführung. Ich liebe solche Dinge. Diese elenden Strumpfhalter kenne ich auch noch, aber ich hatte Glück, ich durfte oft lange Hosen tragen. Natürlich waren die nicht so schön, aber sehr praktisch. Innen warm gefüttert und unten mit Gummizug, also der Vorgänger der heutigen Trainingshose ;-) Ich habe gerade eine echt schöne Zeit bei Dir verbracht und schicke Dir liebe Grüße, Angelika

    AntwortenLöschen
  21. erst mal noch nachträglich alles Gute zum Geburtstag..
    da geht es dir wie mir..
    ich mag eigentlich auch gar nicht feiern..und bin lieber still für mich alleine ;)
    obwohl Nachkriegskind kenne ich die Stümpfe mit dem Strumpfgürtel auch noch ..
    wenn einer der Klipse abgerissen war nahm man einen Pfennig zum befestigen ..
    die Strümpfe waren hellbraun.. dann gab es auch schon welche mit einem Rautenmuster..
    schlimm waren die mit Wollanteil
    die kratzten
    eingeschult wurde damals im Frühjahr..doch ich hatte auf dem Bild Kniestrümpfe an
    und eine Schultüte gab es auch.. sicher war nicht sehr viel drin ;)
    Im Tornister war eine Schiefertafel und ein Griffelkasten
    später kamen ein Lele und ein Rechenbuch dazu..
    wir mussten nicht so viel schleppen wie die armen Kinder heute ..
    Hosen gab es später dann im Winter..wie oben drüber beschrieben ein Art Trainingshose
    lang lang ist es her ;)

    liebe Grüße
    Rosi

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über jeden Kommentar und möchte mich auf diesem Weg recht herzlich dafür bedanken. Kommentare sind wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt sehr viel.