Mittwoch, 15. Juni 2011

Dies und Das und die totale Mondfinsternis

Jeder - oder besser gesagt: fast Jeder spricht über die heute bevorstehende Mondfinsternis. Ein Ereignis, das in gewissen Abständen immer wieder uns Menschen in Staunen versetzt. Ein Naturschauspiel, das heute genau erklärt werden kann. Früher versetzten die Ereignisse die Menschheit in Angst und Schrecken. Rituale und Opfer sollten die Natur besänftigen. Es wird sehr viel über die totale Mondfinsternis gesagt und geschrieben, daher möchte ich eine nette kleine Mondlegende erzählen, die von Marianne Winkler geschrieben wurde:


Der alte Mondmann war dort oben schon seit sehr langer Zeit. Er hatte dort ein kleines Häuschen, in dem er wohnte. In diesem Häuschen stand nicht viel. Es gab dort ein Bett, in dem er tagsüber schlief und einen Schrank für seine Kleidung. Und dann hatte er noch einen Tisch und einen Stuhl, an den er sich setzten konnte. Manchmal saß er dort und schrieb ein paar Gedichte, die ihm eingefallen waren auf, oder er malte. Und Hin und wieder trank er an diesem Tisch einen Schluck Tee. Er wohnte dort oben ganz alleine und hatte niemanden, mit dem er sich hätte unterhalten können. Tagsüber schlief er ja, aber wenn es Abend wurde stand er auf und kümmerte sich um den großen Ofen. Es gab nämlich außer seinem Häuschen noch einen großen Ofen auf dem Mond. Und wenn in dem Ofen ein Feuer brannte, dann leuchtete die Laterne, die darüber hing erstaunlich hell. Und der Mondmann musste also jeden Abend ein Feuer in dem Ofen anzünden, damit die Laterne leuchtete und auf die Erde schien. Und er musste alle paar Tage Holz nachlegen, damit die Laterne nicht langsam ausging. Das alles war noch zu der Zeit, in der die Menschen auf der Erde nur den Vollmond kannten.
Der alte Mondmann hatte seinen Stuhl nach draußen getragen und saß nun vor seinem Haus. Er starrte auf die Erde hinab und fragte sich, wie es dort unten wohl war. Er saß oft dort und blickte auf die Erde. Und er spielte  dazu auf seiner Panflöte, die er sich einmal selbst geschnitzt hatte. Er liebte seine Musik und es gab für ihn nichts schöneres als Abend für Abend auf seiner Panflöte zu spielen. Doch eines Abends geschah es: Er ließ die Panflöte fallen und bekam sie nicht mehr zu fassen. Da der Mondmann immer sehr nahe am Rand des Mondes gesessen hatte fiel die Panflöte nicht einfach auf den Boden. Sie fiel und fiel und landete schließlich auf der Erde. Erschrocken und traurig stand der Mondmann noch eine ganze Weile wie erstarrt da und blickte nach unten, als könne er die Flöte noch sehen.
Die Tage du Nächte verstrichen und der Mondmann wurde immer trauriger. Seine Musik fehlte ihm.
Eines Abends, als er wieder einmal draußen saß und auf die Erde hinab blickte fasste er einen Entschluss. „Ich werde einfach runter zur Erde reisen“, sagte er sich. Er legte noch ein letztes Mal Holz in den Ofen und dann trat er seine Reise an. Als er unten auf der Erde angekommen war hatte er nicht die geringste Orientierung. Er war zum ersten mal hier und all die vielen Häuser, die er sah, die vielen Stimmen, die erhörte und so viele Dinge, die er plötzlich wahrnahm; das alles verwirrte ihn am Anfang. Und gleichzeitig war er so begeistert, denn so etwas hatte er noch nie gesehen. So wandelte er einige Tage auf der Erde umher, sodass er seine Flöte und den großen Mondofen völlig vergaß. Erst nach vielen Tagen wurde er daran erinnert. Als er gerade zufällig nach oben blickte sah er, dass Mond nur noch eine hauchdünne Sichel war. Man konnte ihn kaum noch sehen. Voller Angst wurde ihm bewusst, dass er zurück musste, denn wenn die letzte Flamme im Ofen erloschen war, würde der Mond von hier aus nicht mehr zu sehen sein. Und das würde bedeuten, dass er nie mehr zurück kehren könnte, denn er würde den Mond nicht mehr wieder- finden.
Traurig atmete er noch einmal die belebte Erdenluft ein, dann brach er auf. Er kam gerade rechtzeitig zurück, denn in dem Moment, da er in sein Haus getreten war, erloschen die Flammen und der Mond war umhüllt von Dunkelheit.
Auf der Erde wunderten sich die Menschen schon seit Tagen, wieso der Mond immer dünner geworden war. Und jetzt war er plötzlich verschwunden.
Es dauerte eine Weile, bis der Mondmann genug Holz in dem Ofen aufgeschichtete hatte. Die Flammen wuchsen nur langsam. Der Mondmann überlegte sich, dass er ja jetzt eigentlich wieder auf die Erde könnte. Nun, wo der Mond wieder leuchtete. Doch noch war das Feuer zu schwach. Die Flammen wuchsen nur langsam und der Mondmann wollte kein Risiko eingehen. Denn wenn er jetzt ginge und die Flammen würden ausgehen, wenn er gerade auf seiner Reise war, dann würde er nicht mehr zurückfinden. Also wartete er, bis der ganze Ofen wieder von Flammen erfüllt war und der Mond so hell wie früher schien.
Unten auf der Erde wunderten sich die Menschen, wieso der Mond plötzlich wieder auftauchte. Doch er sah nicht so aus, wie sie ihn kannten. Er war eine dünnen Sichel. Diese Sichel wuchs jedoch Tag für Tag und bald schien der Mond wieder so hell und rund auf die Erde, wie er es schon immer getan hatte.
Der alte Mondmann warf noch einmal einen letzten Blick in den Ofen. Das Feuer brannte. „Nun“, sagte er sich, „brauch ich keine Angst mehr zu haben, dass das Feuer ausgeht.“ Und er trat seine zweite Reise auf die Erde an. Und wieder suchte er viele Tage nach seiner Flöte, doch er fand sie nicht. Und als nur noch eine dünne Mondsichel am Himmel zu sehen war wusste er, dass das Feuer fast erloschen war. Er musste zurück.
Noch heute bereist der Mondmann immer wieder die Erde und sucht nach seiner Panflöte. Und jedes Mal muss er umkehren, bevor er sie gefunden hat, denn bis auf die dünne Sichel war der Mond schon verschwunden. Damals haben sich die Menschen auf der Erde noch gewundert

Kommentare :

  1. Hallo Irmi,
    ich habe deine hübsche Geschichte schnell noch "quer" gelesen - bin müde. Aber ich werde sie mir morgen nochmal in aller Ruhe durchlesen.
    Lieben Gruß und gute Nacht -
    Elke

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  2. Irmili mein Irmili ...was für eine wunderschöne Geschichte!!! Als ich so ca. 8 Jahre alt war habe ich "Peterchens Mondfahrt" im Theater sehen dürfen ...seit dem bin ich verzaubert vom Mondmann und allem um ihn herum! Diese Geschichte aber ..nee ..die kannte ich noch so überhaupt nicht ...dankie dafür!!!
    Gute Nacht
    wünscht Dir
    Dein
    Kroeti

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  3. P.S. sollte ich mal ne Panfloete finden ......

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  4. Eine tolle Geschichte! Danke Irmi!
    Liebe Grüße
    Mae

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  5. Schön, aber auch ein bisschen traurig, dass er seine Panflöte nicht findet und seine Musik in den Tagen des zunehmenden Mondes missen muss...

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  6. Danke Irmi..die Geschichte war NEU für mich
    LG vom katerchen

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  7. Liebe Irmi, vielen Dank für diese schöne Geschichte. Sie erinnert mich an den Moment in dem meine Mutter mir den Mann im Mond zeigen wollte. Ich war als Kind traurig, konnte ich doch die Umrisse nicht einem Mann mit einem Bündel Holz auf dem Rücken zuordnen. Jetzt weiß ich, woher das mit dem Holzbündel kommt. Diese Geschichte muss schon sehr alt sein, sie wird in unserer Familie von Generation zu Generation in der Kurzfassung weitergegeben. Ich werde sie in ihrer Gänze wieder "aufflammen" lassen :o) Liebe Grüße Schweinchen Schlau

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  8. LiebeIrmi, sei herzlich gegrüßt.
    Danke für die hübsche Geschichte.
    Die kannte ich nicht.
    Ich wünsche Dir einen guten Tag und sage tschüssi, Brigitte

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  9. Sehr schöne Geschichte liebe Irmi. Da guckt man heute gleich noch interessierter nach oben gen Himmel.

    liebe Grüsse
    Brigitte

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  10. Liebe Irmi,
    auch ich kannte diese schöne Gesichte noch nicht. Vielen Dank dafür. Aber sag mal, hast du zufällig die Adresse vom Mann im Mond? Dann würd ich ihm eben eine Panflöte bestellen und schicken lassen ;-)

    LG, dieMia

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  11. Danke, liebe Irmi, dass Du uns diese nette Geschichte nahe gebracht hast.

    Von der heutigen Mondfinsternis werden wir allerdings nicht viel zu sehen bekommen, denn es wird zu hell sein. Das Ganze spielt sich dann auch noch kurz über dem Horizont ab.

    Liebe Grüße
    Jürgen

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  12. was für eine schöne Geschichte!
    Es war mir gerado so, als ob ich vor dir sässe und du mir die Geschichte erzählt hättest.
    Vielen Dank!

    Liebe grüsse, Alice

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  13. So eine schöne Geschichte - kann sie leider erst später fertig lesen, lasse derweil nen lieben Gruß hier! Hoffentlich sind heute Nacht nicht mehr so viele Wolken :)

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Ich freue mich über jeden Kommentar und möchte mich auf diesem Weg recht herzlich dafür bedanken. Kommentare sind wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt sehr viel.