Donnerstag, 26. Oktober 2017

Dies und Das über den Kräuterbuschen

Immer, wenn ich meinen alten Förster-Freund besuche, fällt der große "Kräuterbuschen" im Wintergarten auf. Er hat mir sehr viel über die einzelnen Kräuter erzählt - höchst interessant.
Am 15. August feiern die Katholiken das Fest  "Mariä Himmelfahrt". Zu Büscheln gebunden, wurden und werden an diesem Tag zumeist von Frauen gesammelte Kräuter in der Kirche geweiht. Im Zeichen einer wiedergefundenen Wertschätzung von Heilkräutern macht es durchaus Sinn, den Brauch der Kräutersegnung wieder zu pflegen: dies allerdings ohne die magischen Vorstellungen unserer Vorfahren - zur Abwehr von Blitzschlag ist ein Blitzableiter  sinnvoller  als das Verbrennen von Kräutern. Wenn die Kräuter im Festgottesdienst von Mariä Himmelfahrt gesegnet werden, so soll dies der Dank an Gott für die Kräuter mit ihren heilenden Kräften sein.

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Heute stelle ich den Frauenmantel vor (Alchemilla vulgaris). Taumäteli, Sinau, Liebfrauenmantel, Frauentrost sind einige der Namen mit denen die Pflanze bedacht wurde. Als typische Frauenpflanze darf sie im Buschen nicht fehlen.
Der botanische Name leitet sich vom arabischen alkemelych (Alchemie) ab. Die Alchemisten versuchten, aus den Tautropfen der Blätter Gold herzustellen. Diese  "Gutatationstropfen" an den Blättern, von der Pflanze ausgeschiedenes Wasser, wurde auch  "Tau"  genannt und offensichtlich kommt daher der Ausdruck Taumantel. Schon die Druiden begehrten dieses Pflanzenwasser. Es diente ihnen zur rituellen Reinigung bei kultischen Handlungen.
Den Frauenmantel sucht man in den Büchern der alten griechischen und römischen Ärzte vergebens.
Im Kräuterbuch von Hieronymus Bock im 16. Jahrhundert taucht Alchemilla wahrscheinlich zuerst auf.  Unsere germanischen Vorfahren kannten den Frauenmantel jedoch. Für sie war es ein heiliges Kraut der Frigga, der ewigen Mutter des Lebens.
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Mit dem Einzug des Christentums wurde aus der heiligen Pflanze der Frigga ein Kräutlein der Jungfrau Maria, dessen reich gefaltete Blättchen als Abbild des heiligen Marienmantels galten 

Die Form des Blattes erinnert an den Mantel Marias, mit dem sie auf vielen Bildern zu sehen ist, wie auch bei der berühmten Schutzmantelmadonna von Hans Holbein. Hier wird diese Geborgenheit besonders deutlich.

Erst in den 1930er-Jahren machte der Kräuterpfarrer Künzle die Pflanze wieder populär. Er schreibt:  "Allen Müttern ist der tägliche Genuss von Frauenmanteltee sehr zu empfehlen, viele Frauenoperationen könnten bei frühzeitiger und kurmäßiger Anwendung dieses Heilkrautes vermieden werden."

Der Tee von Frauenmantel ist lieblich und angenehm, mit Schlüsselblumen gemischt, beruhigt er die Nerven und gibt gesunden Schlaf.
Bei Ekzemen, Akne und zur Wundheilung könnten Auflagen und Waschungen mit dem Tee vorgenommen werden.

Die Pflanze gehört zu den Rosengewächsen. Sie wurde bereits von Hildegard von Bingen verwendet.. Nachgewiesene Inhaltsstoffe sind Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonoide und ätherisches Öl. Diese Stoffe wirken entzündungshemmend,schmerzlindernd, zusammenziehend  und antiseptisch.
Daraus ergeben sich folgende Anwendungen, bei leichten, unspezifischen Durchfallerkrankungen, Magen- und Darmbeschwerden sowie Katharren. In der Schweiz gilt das Waschen mit den betauten Blättern als gutes Mittel zum Vertreiben der Sommersprossen.
Auch Gewittergras ist ein Name des Frauenmantels: Ein Kranz aus seinen Blättern an Fenstern und Türen angebracht, soll vor Blitzschlag schützen.

Kommentare :

  1. Guten Morgen, meine liebe Irmi,
    ein sehr schöner Post über den "Kräuterbuschen", der bei uns daheim "Würzwisch" heißt! Als Kind ging ich mit meiner Oma immer diesen Kräuterstrauß pflücken! Leicer findet man viele der damals vorkommenden Wiesenkräuter nicht mehr vor ...
    Danke, daß Du all die Kräuter so schön beschrieben hast!
    Hab einen wundervollen und fröhlichen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Deine Claudia ♥

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  2. Liebe Irmi
    das kenn ich nicht hab auch noch nie gehört davon deswegen ist es so interessant davon zu lesen!
    Ich wünsche dir einen schönen gemütlichen Donnerstag!
    Lieben Gruss Elke

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  3. Interessant! Noch nie gehört, danke für den Post!
    Meine Freundin ist Phytotherapeutin, sie würde sich über deinen Beitrag freuen!
    Herzlichst
    yase

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  4. Moin liebe Irmi,
    bei Dir gibt es wieder etwas zum Lernen, danke dafür :-).
    LG Helga

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  5. Danke für´s erklären . Das wusste ich noch gar nicht . Gut das Du es erklärt hast :))
    LG heidi

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  6. In meinem Garten stehen sehr viele Pflanzen... einiges weiß man ja schon , aber du hast doch noch vieles mehr gefunden. Danke.
    Lieben Inselgruß
    Kerstin

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  7. Hallo liebe Irmi,
    sich mit Kräutern zu beschäftigen ist sehr interessant, waren es doch die ersten Heilmittel die der Menschheit zur Verfügung standen. Ich besitze ein Büchlein vom " Kräuterpfarrer Künzle" mit dem Namen "Chrut und Unchrut" er war ja Schweizer und im Klardeutsch heißt der Titel "Kraut und Unkraut" ist sehr amüsant zu lesen. In meinem Garten gibt es auch Faruenmantel, in der Natur habe ich ihn auch schon angetroffen.
    Liebe Grüße
    von Edith

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  8. Das ist geballtes Wissen! Schade, daß man einige Kräuter, die man als Kind noch fand, heute lange suchen muß oder auch gar nicht mehr antrifft.

    Ich wünsche Dir einen würzigen Tag,
    Liebgrüße,
    Tigerle
    🐯

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  9. Liebe Irmi, sei herzlich gegrüßt.
    Ich staune immer wieder, mit was für außergewöhnliche Themen Du dich beschäftigst.Daher ist es auch stets interessant, bei Dir zu lesen.
    Verbringe einen schönen Tag, alles Gute, tschüssi Brigitte

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  10. Liebe Irmi,
    wie spannend und interessant. Den Namen kannte ich zwar, habe mir aber nicht wirklich Gedanken darüber gemacht. Erstaunlich was man entdeckt, wenn man sich etwas näher damit befasst.
    Angenehmen Donnerstag und lieben Gruß
    moni

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  11. Liebe Irmi
    bei uns gibt es nach der Messe zu "Mariä Himmelfahrt" immer so kleine
    Gewürzbüschchen, die gebe ich in eine kleine Vase, gleich ohne
    Wasser und sie trocknen perfekt - jedes Jahr tausche ich dieses
    Büschchen wieder aus.
    Lg und einen gemütlichen Donnerstag.
    Sadie

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  12. Ich werde mir Frauenmantel als Tee besorgen..klingt als ob der gut für mich sein könnte!
    Maria Himmelfahrt ist für mich auch immer ein besonderer Festtag, da mein Mann da Geburtstag hat.

    Schönes kommendes Wochenende liebe Irmi!

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  13. Liebe Irmi, es ist schon toll, was uns die Natur alles schenkt!
    Liebe Grüße!

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  14. Liebe Irmi,

    ich trinke ihn im Moment den Frauenmanteltee, jeden Tag ein Tässchen!

    Liebe Grüße
    Kerstin

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  15. Liebe Irmi,

    ich kenne das Kraut schon lange, aber soviel davon hatte ich nicht gewusst. Durch Hildegard von Bingen habe ich die Pflanze kennen gelernt. Ich durfte als junge Frau ein Buch von ihr lesen. Ich habe aber andere Pflanzen für mich angewendet.

    Wünsche dir ein schönes Wochenende. Am Wochenende ist Zeitumstellung!

    Liebe Grüße von
    Paula

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Ich freue mich über jeden Kommentar und möchte mich auf diesem Weg recht herzlich dafür bedanken. Kommentare sind wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt sehr viel.