Donnerstag, 14. Dezember 2017

Dies und Das über Dankbarkeit und Neid

Wenn man es richtig betrachtet, so sind Dankbarkeit und Neid zwei Pflanzen, die nicht im gleichen Garten wachsen können.
Wer kennt das nicht? Der Nachbar hat plötzlich ein neues, teures Auto. Die junge Kollegin verdreht allen männlichen Mitarbeitern im Büro den Kopf, und der eigene Nachwuchs hat Aufstiegsmöglichkeiten, von denen wir früher nur träumen konnten. Und da hilft alles nichts: Einen solchen Wagen können wir uns im Augenblick einfach nicht leisten. Kein Schönheitswässerchen und kein Puder wird unser Äußeres so verändern, dass wir mit der jungen Kollegin auch nur annähernd mithalten können. Im Beruf sind wir nach unseren Möglichkeiten am Ende unserer Karriereleiter angelangt.
In solchen Situationen macht sich dieses nagende Gefühl in unserem Innern breit, das uns keine Ruhe finden lässt und das uns immer wieder dazu verleitet, Dinge zu sagen, die wir nicht sagen wollen und Dinge zu tun, die wir nicht tun sollten. Der Neid, angestachelt von der Habgier, äußert sich in der Regel so: "Ach, der Müller von nebenan, das war ja schon immer so ein Großprotz! Kein Wunder, dass der sich nun auch noch eine solche Karre anschafft! Aber der wird schon sehen, was er davon hat! Horrende Steuern, hoher Spritverbrauch. Und überhaupt: Auf die Umwelt nimmt so einer natürlich auch keine Rücksicht."
Keiner von uns kann sich davon lossprechen, nicht schon einmal neidisch gewesen zu sein. Das ist menschlich, allzu menschlich. Schon Kain und Abel hatten damit zu kämpfen, wie wir in der Bibel lesen können. Kain hatte, bei Licht besehen, gar keinen Grund, neidisch zu sein. Als Ackerbauer war er mindestens ebenso erfolgreich wie sein Bruder Abel als Schafhirte, denn beide konnten Gott zur Erntezeit ein Opfer darbringen. Aber Kain war in dieser bestimmten Situation offenbar nicht in der Lage, die eigenen Segnungen zu erkennen.
Der Ausweg aus diesem Dilemma führt über die Erkenntnis, dass auch wir im Leben vermutlich schon eine ganze Menge geschenkt bekommen haben. Man kann den Neid bekämpfen, indem man eine "Danbarkeitsliste"  aufstellt. Denke einfach daran, was dir in den letzten Tagen ein Lächeln entlockt hat. Einfach alles aufschreiben - jede Kleinigkeit. Man sollte versuchen sechs oder sogar zwölf Punkte zusammenzubekommen. Diese Liste sollte man an den Spiegel heften, an den Computer oder an den Kühlschrank.
Bestimmt war ich auch öfter mal neidisch. Aber mit zunehmendem Alter hat bei mir dieses Gefühl keine Chance mehr. Ich bin dankbar, dass ich mich noch allein versorgen kann, dass ich meinen Lesekindern eine Freude bereiten kann. Ich finde es furchtbar, wenn Menschen so neidisch sind, dass sie nichts anderes mehr sehen und dnken, sich vom Neid zerfressen lassen.
Gerade in dieser Zeit ist es doch nötig, dankbar zu sein und sich auf Weihnachten zu freuen. Wir sollten dankbar sein, dass es uns gutgeht. Wir müssen an die vielen Menschen denken, denen es lange nicht so gutgeht wie uns. und dann wissen wir, wie dankbar wir sein müssen.





Such' nicht immer, was dir fehle;
Demut fülle deine Seele.
Dank erfülle dein Gemüt.
Alle Blumen, alle Blümchen
und darunter selbst ein Rühmchen
haben auch für dich geblüht.

(Theodor Fontane)

Kommentare :

  1. Liebe Irmi,
    das waren schöne Worte zum Tagesanfang.
    Bleib gesund,
    liebe Grüße
    Gine

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  2. Moin liebe Irmi,
    das ist die Weisheit des Alters, die das Neidgefühl unterdrückt - geht mir auch so :-).
    LG Helga

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  3. Liebe Irmi, ein sehr schöner Post zu einem guten Thema. Wenn ich der Meinung bin, benachteiligt zu sein, dann lese ich ein Buch oder schaue einen Film über Menschen, denen es wirklich schlecht geht oder ergangen ist. Es geht dann ganz schnell, dass ich wieder sehr zufrieden bin mit dem, was mir das Leben bietet und bieten kann. Aber meist bin ich sowieso sehr zufrieden, da ich das Glück der kleinen Schönheiten jeden Tag zu genießen versuche! Es grüßt ganz herzlich, Marion

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  4. Auf Materielles bin ich gar nicht neidisch. Warum auch könnte es mir selbst erarbeiten. Ich bin auf Sprachbegabtheit neidisch. Ich würde so gerne mehrere Sprachen können. Oder die Geheimnisse meines Pc´s ergründen. Aber ich sag Dir , ich bring es nicht hin . Dafür kann ich anderes gut , Handarbeiten , nähen usw. Von daher kann ich auch etwas , worum andere mich beneiden .
    Schöner Post
    LG heidi

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  5. Da sagst du was Irmi - mit den Älter werden lässt der Neid nach.
    Da muss ich dir voll und ganz recht geben. Früher habe ich mich mit meinen Wünschen auch an dem gemessen was die anderen drum rum hatten und machten..... Dann wurde mein Mann sehr krank, mehrere Jahre lang, wir lernten und sehr einzuschränken, standen ganz kurz vor Harz4, denn irgendwann zahlt weder die Krankenkasse noch das Arbeitamt... mit seiner zunehmenden Genesung, ging es uns auch finanziell besser, aber nur für kurze Zeit, dann erneut Krankheit und schließlich Tod..... die ganze letzten Jahre hatte ich nicht gearbeitet, um bei ihm zu sein. Ist man erst mal 10 Jahre aus dem Beruf, kommt man nicht wieder rein. Ich lebe nun von einer sehr kleinen Witwenrente, und ich bezeichne das wie ich lebe sogar als Luxus. Ich leiste mir den Luxus nicht arbeiten zu müssen, weil ich irgendwie zurecht komme, mit dem was ich habe und damit dann auch zufrieden bin. Denn ich muss vor niemanden buckeln und nach seiner Pfeife tanzen, um mir mehr leisten zu können - Die meisten verstehen es nicht.

    lg gabi

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  6. Was für ein schöner Text!
    Herzlichst
    yase - die schon länger eine Dankbarkeitsiste führt...

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  7. Hallo Irmi, ja, so ein innerliches Nagen hat wohl schon jeder Mensch gespürt, ob man das immer als Neid bezeichnen kann, weiß ich nicht. Auf materielle Dinge war ich noch nie neidisch, aber es gab genügend Anderes worum ich Menschen beneidet habe, das kann man wohl nicht direkt als Neid bezeichnen.
    Wichtig ist, dass man, wenn es einem sehr gut geht, andere Menschen nicht ganz vergisst und auf einfühlsame Art Hilfe leistet.
    Wer vom Neid zerfressen ist, wird seines Lebens nicht mehr froh, solche Menschen sind zu bedauern und sollten anfangen an sich zu arbeiten.
    Herzlichst, Hanlo

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  8. Servus Irmi,
    wie ist das mit dem Ehrgeiz, der irgendwie doch auch ein "wenig" Neid als Nährboden hat???
    Einen schönen Tag noch,
    Luis

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  9. Welch wahre Worte liebe Irmi.
    Eine Dankbarkeitsliste würde manchem gut tun. Natürlich darf man auch mal neidisch sein, aber nicht gehässig.

    Liebe Grüße Sabine

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  10. ...man schadet ja nur sich selber, liebe Irmi,
    wenn man sich diesem Gefühl hin gibt...Zufriedenheit und Dankbarkeit lässt uns gut und leicht leben,

    liebe Grüße Birgitt

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  11. Liebe Irmi,
    wenn man erkennt und anerkennt, was man hat, bleibt für Neid kein Platz mehr, gell.
    Liebe Grüße ♥
    herzlichst moni

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  12. Liebe Irmi,
    Stimmt das man mit Alter überhaupt garnicht mehr darauf reagiert. Es soll auch nicht!
    Wenn man so eine negative Emotion keine Chance mehr bietet lebt man schon viel glücklicher und wir haben viele kleine Dinge wofür wir Dankbar sein sollen.
    Ganz lieber Gruß, um 19:00 Uhr fängt für uns der Christmas Revue an und sollen wir singen mit allen Chören, wir sind die älteste Gruppe davon.
    Mariette

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  13. Mit sehr viel Weisheit und Menschenkenntnis hast Du hier geschrieben Irmi!
    Tja, ich bin ehrlich eher sehr selten neidisch - ich hab ein wunderbares Leben und bin auch nicht besonders anspruchsvoll und ich bin gesegnet mit allem was der Mensch zum Glücklichsein braucht! Ich versuche auch mein Bestes meine Tochter so zu erziehen, dass sie nicht neidisch sein soll..egal was ist. Glaub es gelingt mir -- ist aber auch Charaktersache, oder?
    Wenn es uns gelingt NICHT neidisch zu sein, sind wir eine große Stufe zur Glücksseeligkeit emporgekommen!!!
    Da bin ich ganz sicher ....
    Sei lieb gegrüßt und lieb "BENEIDET" ( auch das gibt es ) um Deine Weisheit und die Gabe so schön zu formulieren!
    Susi

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  14. Hallo Irmi,
    das hast du wieder gut beschrieben.
    Wir leben leider in einer Ellenbogengesellschaft, in der die Egomanen und narzißtischen
    Selbstbeweihräucherer in der Mehrzahl sind. Neidisch wird ein Mensch nicht so schnell, wenn
    er bescheiden und nachhaltig lebt. Warum sollte ich auf etwas neidisch sein, was ich überhaupt
    nicht brauche.Die Menschen, wo den Konsum brauchen, um ihre Person und ihre Minderwertigkeitskomplexe aufzurichten, sind eh arme Würschte.
    Ein Auto ist für mich ein Fortbewegungsmittel und kein Prestigeobjekt.
    Auf Markenartikel- besonders bei Bekleidung - lege ich keinen Wert. Für mich ist es schlicht
    Dummheit, damit ein Aufhebens zu machen.
    Wünsche dir eine erträgliche Restwoche.
    VG
    Oskar

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  15. Liebe Irmi,
    Du schreibst sehr kluge Worte. Wir nehmen Dinge oft viel zu selbstverständlich hin und vergessen dankbar zu sein für das was wir haben. Natürlich muss man auch voranschreiten und nach dem streben, was man erreichen möchte im Leben. Doch Neid und Missgunst sind nicht die besten Voraussetzungen. Vielleicht hat der Nachbar ein neues Auto, aber ganz bestimmt habe auch ich Dinge, die er nicht hat. Also, warum neidisch sein. Ich finde immer, Gesundheit ist unser höchstes Gut und dafür sollte man dankbar sein. Auch für die kleinen und großen Dinge, für die Menschen, die uns im Leben begegnen und uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
    LG
    Astrid

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  16. liebe irmi,
    das ist wieder ein wunderschöner post. so wahre worte - ganz besonders um diese jahres (weihnachts)zeit!
    ich hoffe, diesen post lesen viele, viele menschen.....
    herzlichst
    margit

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  17. Liebe Irmi,
    Dein Post zum Thema Neid past perfekt zur jetzigen Zeit. Alle müssen alles haben ;-(
    Mir selbst ergeht es wie Heidi - ich beneide Menschen die mehrere Sprachen können und auch jene, die den Computer In- und auswendig beherrschen. Das war's auch schon. Materieller Neid ist mir fremd.

    Liebe Grüße und ein schönes Adventwochenende
    Elisabetta

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Ich freue mich über jeden Kommentar und möchte mich auf diesem Weg recht herzlich dafür bedanken. Kommentare sind wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt sehr viel.