Donnerstag, 8. März 2018

Dies und Das über unsere Stimme

Eine sehr interessante Studie zeigt, dass die weibliche Stimme tiefer wird.
Weibliche Stimmen sind heute signifikant tiefer als noch vor Jahren. Das ist das Ergebnis einer Studie an der Uniklinik Leipzig, in der 2500 gesunde Frauen und Männer zwischen 40 und 80 Jahren untersucht wurden. Die Wissenschaftler haben auch nach den Ursachen geforscht.
„Die männliche Stimme liegt weltweit im Durchschnitt bei 110 Hertz, die der Frauen bei 220 Hertz“, also eine Oktave höher, sagt Michael Fuchs, Leiter der Sektion für Phoniatrie und Audiologie an der Leipziger Universitätsklinik. Man spricht von der mittleren Sprechstimmlage. Seit etwa 100 Jahren gibt es Untersuchungen dazu, und so steht es in jedem Lehrbuch. Beginnend 2005 führten die Leipziger Mediziner eine groß angelegte Studie („Life“-Studie) von gesunden Erwachsenen durch. Ziel war es, bestimmte Lebensstil-assoziierte Erkrankungen wie Diabetes, Adipositas, Schlaganfall und Depressionen zu untersuchen.
Bei dem Studienprojekt wurden auch sogenannte Stimmfeldmessungen vorgenommen und festgestellt, dass die Frauen im Schnitt mit 165 Hertz sprechen, der Abstand zur männlichen Stimme hat sich halbiert. „Das ist ein signifikanter Unterschied, der biologisch nicht zu erklären ist“, sagt Fuchs. Untersucht wurde, ob es daran liegt, dass die Menschen größer, älter und schwerer werden als früher. Die Wissenschaftler konnten das als Ursache aber ausschließen, denn dann hätten ja auch die männlichen Stimmen tiefer werden müssen. Hatte sich die Anatomie verändert, die Größe des Kehlkopfes oder der Stimmlippen? Wissenschaftlich gesehen ist der Kehlkopf ein sekundäres Geschlechtsmerkmal und dient dazu, nach der Pubertät Frauen und Männer zu unterscheiden. Doch hier gab es keine Veränderungen.
Auch der Hormonstatus wurde untersucht, es hätte ja sein können, dass hormonelle, umweltbedingte Veränderungen zu der tieferen Stimme führten. Aber auch das war nicht der Fall. Es gab keine gravierenden hormonellen Veränderungen.
Die Ursache, so das Ergebnis der Untersuchung, liegt vielmehr im veränderten Rollenbild der Frau. Fuchs: „Frauen sind heutzutage selbstbewusster, beruflich erfolgreich, verdienen mehr Geld. Das zeigt sich in der tieferen Stimme.“ Diese signalisiert Kompetenz, schafft Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Generell empfinden Menschen sowohl bei Männern als auch bei Frauen tiefere Stimmen als angenehm. Höhere Stimmen hingegen wecken Beschützerinstinkte, sie drücken eine höhere Unsicherheit aus. Doris Day zum Beispiel ist bekannt für ihre hohe, fast kindliche Stimme. Die Schauspielerin Mechthild Großmann hingegen, bekannt aus dem Münsteraner „Tatort“, wo sie die Staatsanwältin spielt, hat eine extrem tiefe Stimme. Die Stimme ist gewissermaßen ihr Markenzeichen, mit dem sie beruflich erfolgreich ist. Allerdings ist Mechthild Großmann Raucherin, Rauchen macht die Stimme sowohl bei Männern als auch bei Frauen rauer und heiserer.
Die Stimme spielt heutzutage eine größere Rolle, da im Berufsleben mehr kommuniziert wird als noch vor Jahrzehnten. Manche Männer fühlen sich von einer tiefen, rauchigen Frauenstimme aber auch bedroht. Eine zu hohe Stimme wird als nervig, zickig, naiv empfunden.
Wenn Menschen ihre Stimme aufgrund sozialer, gesellschaftlicher Bedingungen anders benutzen, spricht man von Soziophonie. Ziel ist, einer gewissen Gruppe der Gesellschaft zugehörig zu sein. Das geschieht sowohl bewusst als auch unbewusst. Phoniatrie-Professor Michael Fuchs sagt: „In Japan haben Frauen die höchsten Stimmen weltweit, die hohe Stimme gilt dort als Schönheitsideal.“ Die tiefsten Stimmen haben Frauen in Skandinavien, Länder, in denen die Gleichberechtigung weit fortgeschritten ist.
Politiker und Politikerinnen trainieren ihre Stimme, damit diese positiv wahrgenommen wird. Margaret Thatcher hatte am Anfang ihrer politischen Karriere eine hohe Stimme, die sie sich tiefer trainierte. Allerdings muss die Stimme immer authentisch wirken. Menschen haben feine Antennen für eine verstellte Stimme und empfinden diese als unangenehm.
Welche Konsequenzen haben die neuen Erkenntnisse? Zum einen müssten die Lehrbücher umgeschrieben werden. „Die tieferen Stimmen sind Realität und nicht zu bemängeln“, stellt Fuchs fest. Die neuen Normwerte müssen in der klinischen Betreuung berücksichtigt werden. Gleichzeitig sollte die emotionale Spannbreite, um Dinge stimmlich auszudrücken, nicht kleiner werden. Man kann davon ausgehen, dass Mütter, die heute tiefer sprechen, ihre Kinder mit der tieferen Mutterstimme beeinflussen.
Schon heute werden viele Kinderlieder tiefer gesungen, weil ja auch die Erzieherinnen tiefer sprechen und singen. Fuchs plädiert für einen bewussten Umgang mit der Stimme, Stimmtraining sollte zur Pädagogen-Ausbildung gehören, was momentan in Deutschland kaum der Fall ist. Es gibt Untersuchungen, dass Grundschulkinder, deren Lehrerin eine kranke, raue, überlastete Stimme hat – Ursache ist häufig eine Kehlkopfentzündung –, schlechtere Lernergebnisse erzielen.
(Quelle: Auszug aus einer Veröffentlichung von Heidrun Böger)

Kommentare :

  1. Guten Morgen liebe Irmi, über dieses Stimmphänomen hörte ich dieser Tage und finde es bemerkenswert und interessant. Und Dein Post passt auch sehr gut aktuell zum Weltfrauentag.

    Ich wünsche Dir einen angenehmen Donnerstag und sende herzliche Grüßle, Heidrun

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  2. Guten Morgen, meine liebste Irmi,
    ein sehr interessanter Beitrag, da habe ich mir noch nie solche Gedanken drüber gemacht .... wieder etwas dazu gelenrt, herzlichen Dank :O)
    ღ Ich wünsche Dir einen zauberhaften Tag! ღ
    ♥ Allerliebste Grüße und einen festen Drücker,Deine Claudia ♥

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  3. Guten Morgen Irmi
    ein klasse Beitrag, ich habe mich noch nie damit auseinandergesetzt,
    aber vieles ist für mich nachvollziehbar.
    Eines ist unbestritten, eine Raucherstimme kann man bei Mann und Frau erkennen,
    zumindest bilde ich mir ein, dass ich das heraushören kann ;-)
    Ich wünsche dir einen gemütlichen Tag.
    LG Sadie

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  4. Liebe Irmi, das ist ja wirklich ausserordentlich spannend. Ich selbst habe bei mir das Gefühl, dass meine Stimme immer höher wird, was ich gar nicht so gerne mag. Ein Stimmtraining wäre vielleicht wirklich eine gute Sache.
    glg Susanne

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  5. liebe irmi, erst einmal lieben dank für den kommentar zu meinem heutigen weltfrauenbeitrag,der deine ist ja hochinteressant - zwar glaube ich dass die tiefere stimme bei frauen noch andre ursachen haben kann wie beispielsweise kehlkopf op - s oder struma operationen 8 zumindest habe ich danach keine sopranstimme nicht mehr sondern angenehmen alt aber die besprochene studie ist schon sehr interessant....
    lieben linksgruß angelface

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  6. ist ja sehr interessant, heute gilt mein besonderer Gruß allen Frauen, Klaus

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  7. Sehr interessant, liebe Irmi,
    das alles habe ich so nicht gewusst. Dass heute unsere Stimme tiefer klingt, das ja, aber warum, nein. Ich finde es bedeutsam, wenn die im Wandel begriffene Geschlechterrolle sich sogar in unserer Stimmlage zeigt!
    Harmonischen Donnerstag wünsche ich Dir,
    herzlichst
    moni

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  8. Absolut, Stimme und Stimmlage sagen viel aus!
    Liebe Grüße an dich!

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  9. Servus Irmi,
    da hast wieder so ein unbeachtetes Thema zur Diskussion gebracht - interessant, worauf wir überhaupt nicht achten!!
    Schönen Gruß,
    Luis

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  10. Absolut interessant, hätte ich ohne Dich nie gewusst . Wirklich spannend was Du alles für Informationen findest . Vielen Dank dafür und einen schönen Donnerstag für Dich
    LG heidi

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  11. Hallo Irmi, deinen Beitrag finde ich sehr interessant.
    Der Klang der Stimme ist für mich sehr wichtig, manche Stimmen die so einen Krähton haben oder sehr hohe Stimmen, kann ich nicht lange hören. Die Kirchenlieder wurden früher auch immer sehr hoch gesungen, ich hab dann meistens nur den Mund mitbewegt und hätte mir manchmal gerne die Ohren zu gehalten :)). Ich finde es sehr angenehm, wenn die Stimmen der Frauen tiefer und dunkler klingen, ich glaube das mag jeder lieber. Kinderstimmen mag ich immer sehr gerne hören, auch wenn sie schrill und hoch sind. Komisch, wie man die Töne empfindet.
    Danke für deinen Beitrag!
    Herzlichst, HanLo

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  12. Absolut interessant und wirklich bemerkenswert, alles!
    Wenn es eine Abstimmung gäbe zu diesem Beitrag,
    Du hättest auf jeden Fall meine Stimme! ;-)

    Liebgrüße,
    Tigerle

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  13. Ich melde mich auch mal wieder und danke für diesen wohlrecherchierten Eintrag,den ich als Chorsängerin und -leiterin natürlich sehr interessant finde.
    Herzliche Grüße den Neckar hinab,
    Brigitte (aus Heilbronn)

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  14. Das war ein sehr interessanter Beitrag! Vorhin im Heutejournal gab es ein Interview mit Franziska Giffey. Für mich das erste mal, dass ich ihre Stimme hörte und ich dachte sofort: oh, ist die Stimme hell.
    Für mich war sie zwar ganz angenehm aber ungewöhnlich für eine Politikerin. Nun bin ich mal gespannt, ob sie als Ministerin eine tiefere Stimme bekommt. Da kommt ja jetzt doch was anderes auf sie zu.
    Ich wünsche dir ein wundervolles Wochenende und
    liebste Grüße,
    Dani

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Ich freue mich über jeden Kommentar und möchte mich auf diesem Weg recht herzlich dafür bedanken. Kommentare sind wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt sehr viel.