Freitag, 24. Februar 2017

Dies und Das über den rußigen Freitag

Der rußige Freitag ist der Freitag vor Aschermittwoch und der Tag nach Weiberfastnacht oder dem "schmotzigen Donnerstag". "Gefeiert wird am rußigen Freitag nichts". Schließlich wird in der christlichen Tradition an jedem Freitag dem Todestag von Jesus gedacht. Vielmehr ist der rußige Freitag ein Brauch in der schwäbisch-alemannsichen Fastnacht, den es seit dem Mittelalter gibt.

Der rußige Freitag heißt auch bromiger oder schmalziger Freitag

Oder besser gesagt zwei Bräuche, die eineinander verschmolzen sind. "Früher war am rußigen Freitag die letzte Gelegenheit, Schmalzgebäck auszubacken, da nach der Fastnacht die Fastenzeit beginnt".  Deswegen heißt der rußige Freitag auch schmalziger Freitag oder bromiger Freitag, ein altes Wort für Schmalz. Außerdem haben die Leute am rußigen Freitag Schabernack getrieben: "Sie haben den Ruß aus dem Ofenrohr gekratzt und auf der Straße andere Leute verrußt, ihnen also Ruß an die Nase geschmiert".

"Rußiger Freitag": Noch heute beschmieren sich Feiernde mit Ruß

Die beiden Bräuche am rußigen Freitag sind dann ineinander übergegangen: Die Narren zogen durch die Straßen und haben die Leute, die aus den Fenstern geschaut haben, "verrußt". Im Gegenzug dafür haben sie Schmalzgebäck überreicht bekommen.
Noch heute ist es in manchen Gegenden Brauch, am rußigen Freitag anderen das Gesicht mit Ruß oder schwarzer Farbe zu beschmieren. Ob es nun rußiger, bromiger oder schmalziger Freitag heißt, das kommt auf die Region an, in der man wohnt. "Es gibt den Brauch aber in ganz Süddeutschland",.
Karneval und die schwäbisch-alemannische Fastnacht haben übrigens einen gemeinsamen Ursprung im Mittelalter, beide sind "Ventil-Feste" vor der Fastenzeit: "Das wird noch einmal richtig die Sau rausgelassen." Der Karneval kommt ursprünglich aus Italien und und von ihm sind einige Sitten übernommen worden, wie etwa der Karnevals-Prinz. "Der Karneval ist eher vornehm, wobei es auf der Fastnacht rauer zugeht".
(Ausführungen von Jürgen Hohl, Mitbegründer des Fastnachtsmuseums in Weingarten)
...
Warum sprechen wir vom "Rußigen Freitag"? - weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/panorama/Warum-sprechen-wir-vom-Russigen-Freitag-id36794427.html

Donnerstag, 23. Februar 2017

Dies und Das über den anderen Karneval

Der Karneval oder Fasching treibt seinem Höhepunkt entgegen.  Die tollen Tage beginnen. Aber heute möchte ich über den Karneval in Venedig erzählen. Ein Karneval, in dem die Magie der Masken vorherrscht. Vom 11. bis 28. Februar 2017 verwandelt sich Venedig in eine Zauberwelt. Ein Laufsteg der Lebensfreude - aber gleichzeitig  auch der Melancholie. Karneval in Venedig wirkt so ganz anders als unser rheinischer Frohsinn mit Festwagen und Kamellen.

 

Der venezianische Karneval ist leise. Die Tradition ist alt. Erste Belege für das prunkvolle Treiben stammen aus dem 11. Jahrhundert. In den Palästen fanden Maskenbälle statt, Fackeln und Feuerwerke erhellten die Kanäle. Akrobaten und Theatergruppen zeigten ihre Kunst. Das Publikum  staunte über exotische Tiere. Unter den Masken waren alle gleich, egal ob reicher Patrizier oder einfacher Bürger. So manche Verfehlung blieb im Schutz der Maske ungesühnt. Chroniken berichten sogar von Männern, die sich als Frauen verkleidet in Klöster geschlichen haben sollen. Einen Höhepunkt erreichte der Karneval zur Zeit Casanovas im 18. Jahrhundert. 1797 war dann alles vorbei: Napoleon besetzte die einst so stolze Republik und gliederte sie schließlich Österreich an. Ob der Kaiser den Karneval verbot ist nicht überliefert. Fest steht: Den Venezianern war die Lust an ausschweifenden Festen vergangen. Gefeiert wwurde daher eher im privaten Kreis.

Bildergebnis für karneval in venedig masken und kostüme 

Rund 200 Jahre lang führte der Karneval in der italienischen Lagunenstadt ein Schattendasein. Doch dann entfachte Frederico Fellini mit seinem Film  "Casanova"  die Lust auf das bunte Treiben neu. Der Magistrat hauchte 1980 dem bunten Treiben wieder neues Leben ein.
Zu sehen sind klassische Kostüme wie der Pestarzt mit der Vogelmaske, der Harlekin und die schlaue Colombine. Doch der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.


Venedig
An der Brücke stand
jüngst ich in brauner Nacht.
Fernher kam Gesang;
goldener Tropfen quoll's
über die zitternde Fläche weg.
Gondeln, Lichter, Musik -
trunken schwamm's in 
die Dämmrung hinaus ...
                                     
Meine Seele, ein Saitenspiel,
sang sich, unsichtbar berührt,
heimlich ein Gondellied dazu,
zitternd vor bunter Seligkeit.
- Hörte ihr jemand zu?
(Friedrich Nietzsche)



Mittwoch, 22. Februar 2017

Dies und Das über einen Sehnsuchtsort

Heidelberg ist schon immer ein Sehnsuchtsziel Reisender gewesen. So haben auch Gottfried August Bürger und Mark Twain ihre Spuren hinterlassen. Heidelberg hat sie alle beeindruckt, was aus zahlreichen Zitaten hervorgeht.
"Denn der schönste  Platz, der hier auf Erden mein, ist Heidelberg in Wien am Rhein", schreibt 1928 Kurt Tucholsky in seinem "Lied in der Abendstunde" für einen achtstimmigen Männerchor.

 Bildergebnis für Postkarten Alt Heidelberg - fotos  

Ob mit leichtem Gepäck wie seit dem Mittelalter (bis heute) die Pilger oder mit Schrankkoffern, Hutschachteln, Reisenecessaires und ganzen Apothekerkoffern wie die Bildungsbürger des 19. Jahrhunderts - alle suchten in Heidelberg ein ästhetisches Naturerlebnis. War es gefunden, natürtlich verzugsweise auf dem Schloss, schickte man seinen Liebsten eine Postkarte von der Idylle, gern in Sonnenuntergangsstimmung getaucht. Lt. Überlieferung wurden 40 000 Karten 1899 in den drei Sommermonaten auf dem Schloss in den Postkasten geworfen. 

Hotel Alt-Heidelberg HEIDELBERG Germany luggage label Kofferaufkleber - COSTUMES

Alle namhaften  Hotels klebten ihren Gästen zum Abschied ein Hoteletikett auf den Koffer, was das Prestige des Hotels ebenso steigerte wie das des Kofferinhabers. In einem alten Gästebuch ist zu lesen, dass Winston Churchill 1932 auch Station in Heidelberg gemacht hat.
Das Wirken von Hölderlin, von Arnim, Brentano und Eichendorff gehörte zur  "Heidelberger Romantik.
Heidelberg ist bis zum heutigen Tage immer eine Reise wert und es gibt so viel zu sehen. Man wandelt auf historischen Pfaden, speist in historischen Gaststätten und kann sich von dem alten Geist berieseln lassen.

Bildergebnis für Schloss Heidelberg Fotos 

 
Alt-Heidelberg du feine (1854)

Alt-Heidelberg, du feine,
Du Stadt an Ehren reich,
Am Neckar und am Rheine
Kein' andre kommt dir gleich.

Stadt fröhlicher Gesellen,
An Weisheit schwer und Wein,
Klar ziehn des Stromes Wellen,
|: Blauäuglein blitzen drein. :|

Und kommt aus lindem Süden
Der Frühling übers Land,
So webt er dir aus Blüten
Ein schimmernd Brautgewand.

Auch mir stehst du geschrieben
Ins Herz gleich einer Braut,
Es klingt wie junges Lieben
|: Dein Name mir so traut. :|

Alt-Heidelberg, du feine,
Du Stadt an Ehren reich,
Am Neckar und am Rheine
Kein' andre kommt dir gleich.

Und stechen mich die Dornen,
Und wird mir's drauß zu kalt
Geb ich dem Roß die Sporen
|: Und reit' ins Neckartal :|

Joseph Victor von Scheffel (1826-1886)

 
Auch das ist Kunst, ist Gottesgabe -
aus ein paar sonnenhellen Tagen
sich so viel Licht ins Herz zu tragen,
dass, wenn der Sommer längst verweht,
das Leuchten immer noch besteht.
(J.W.v. Goethe) 



 




















































Dienstag, 21. Februar 2017

Dies und Das über die Ökumene

Eigentlich... ja eigentlich halte ich mit den Themen Religion und Politik auf diesem Blog zurück.
Aber in diesem Jahr - dem Lutherjahr - melde ich mich dann doch mal zu Wort.




500 Jahre nach Martin Luthers  überliefertem Thesenanschlag  an der Wittenberger Schlosskirche ist der reformatorische Zorn verraucht. Wenn es dafür noch eines Beweises bedurfte, so wurde er am Montag, dem 6.2.2017  in Rom geliefert. Die Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unter dem EKD-Ratsvorsitzenden Henrich Bedford-Strohm traf an diesem Tag mit Papst Franziskus zusammen. An diesem Zusammentreffen nahm auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofs- konferenz der Münchener Erzbischof  und Kardinal Reinhard Marx, teil.
Aus Sicht der  EKD war die Begegnung mit  Franziskus ein Meilenstein auf dem Weg zu einem ökumenisch gestalteten Reformationsjubiläum. Der EKD ist es besonders wichtig, dass bestehende Hindernisse abgebaut werden, die z.B. einem gemeinsamen Abendmahl im Wege stehen. Das unterschiedliche  Abendmahls- und Kirchenverständnis ist ein Streitpunkt der beiden  großen christlichen Konfessionen. In einer katholischen Messfeier  sind Protestanten daher nicht zur Kommunion zugelassen.

Was bedeutet Ökumene eigentlich. Lt. Meinem Christlichen Lexikon wird das so erklärt:
"Als Ökumene wird die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen christlichen Kirchen bezeichnet. In Deutschland liegt der Fokus seit rund vier Jahrzehnten auf dem Bemühen der evangelischen und der katholischen Kirche um die Einheit.
Zwischen Katholiken und Protestanten sind zwei Streitpunkte von großer Bedeutung. Zum einen geht es um das unterschiedliche Abendmahlsverständnis. Nach katholischer Lehre  behalten Brot und Wein während der Kommunion zwar ihre äußere Gestalt, verwandeln sich  aber ihrem Wesen nach in Blut und Leib Christi.
Außerdem ist der Vatikan bislang  nicht bereit, die Evangelische Kirche formell anzuerkennen.
Das griechische Wort Oikoumene bedeutet   "der ganze bewohnte Erdkreis". Die ökumenische Bewegung  entstand Ende des 19. Jahrhunderts, als Christen begannen, über konfessionelle Grenzen und geschichtlich bedingte Spannungen hinweg gemeinsam zu beten und zusammenzuarbeiten."



Die wandelnde Glocke

Es war ein Kind, das wollte nie
Zur Kirche sich bequemen,
Und sonntags fand es stets ein Wie,
Den Weg ins Feld zu nehmen.

Die Mutter sprach: »Die Glocke tönt,
Und so ist dir's befohlen,
Und hast du dich nicht hingewöhnt,
Sie kommt und wird dich holen.«

Das Kind, es denkt: Die Glocke hängt
Da droben auf dem Stuhle.
Schon hat's den Weg ins Feld gelenkt,
Als lief' es aus der Schule.

Die Glocke, Glocke tönt nicht mehr,
Die Mutter hat gefackelt.
Doch welch ein Schrecken hinterher!
Die Glocke kommt gewackelt.

Sie wackelt schnell, man glaubt es kaum;
Das arme Kind im Schrecken,
Es lauft, es kommt als wie im Traum:
Die Glocke wird es decken.

Doch nimmt es richtig seinen Husch,
Und mit gewandter Schnelle
Eilt es durch Anger, Feld und Busch
Zur Kirche, zur Kapelle.

Und jeden Sonn- und Feiertag
Gedenkt es an den Schaden,
Läßt durch den ersten Glockenschlag,
Nicht in Person sich laden.
Johann Wolfgang von Goethe



Montag, 20. Februar 2017

Dies und Das über das Ausweichen

Ein alter Kaufmann zieht mit seinem Wagen aus der wunderschönen Stadt Venedig hinaus. Sein Esel tut ihm gute Dienste und zieht den Karren rasch voran. Nach einer Weile erreicht er eine verengte Stelle, die zwei Karren  nicht nebeneinander passieren können. Just in diesem Moment  kommt ihm ein zweiter Karren entgegen. Der andere blickt ihm grimmig in die Augen und ruft: "Geh mir aus dem Wege, alter Mann, oder ich mache das Gleiche was ich in Montecasino tat."


Erschrocken und verängstigt macht der alte Mann sogleich Platz. Nachdem der Mann mit seinem Karren vorübergezogen ist, fasst sich der alte Kaufmann ein Herz und fragte schüchtern: "Was hast du denn in Montecasino getan?"  "Nun", antwortet der andere, "dort bin ich ausgewichen und habe Platz gemacht!"



Nicht bei Seite sehen,
nicht drum herum gehen und ausweichen,
nicht darüber hinwegträumen ...
Stand halten,
Aug in Auge seine Kraft erproben,
und Herr drüber werden!
Cäsar Otto Hugo Flaischlen

Samstag, 18. Februar 2017

Dummheit und Stolz....

....wachsen auf einem Holz. Dieses alte deutsche Sprichwort kennen wir alle. Der Ursprung geht aber auf die Sprüche des Salomon zurück.
Übertriebene Überzeugtheit von sich selber oder einer Gruppe, der man angehört, muss als schlechte Eigenschaft angesehen werden. Denn sie geht oft mit Überheblichkeit und mangelnder Klugheit einher. Also: Dummheit und Stolz. Denn Überheblichkeit kann mit übertriebenem Stolz (im negativen Sinn) gleichgesetzt werden.
In der alten Lehre von den Tugenden wurde der Stolz als Haltung nämlich verurteilt, als beschränkte Sicht nur auf sich selber, so wie eben der Hahn stolz kräht, weil er über anderen steht - aber eben doch nur auf einem Misthaufen.
Die Charaktereigenschaft Stolz ist in der katholischen Theologie die Ursache für eine Hauptsünde. Gegenbegriff zum Stolz ist hier die Demut. Auch volkstümlich  wird Stolz nicht selten kritisch betrachtet: Dummheit und Stolz wachsen auf einen Holz.
In meiner Erziehung war der Stolz jedenfalls nicht unter die Tugenden gezählt worden, sondern eher unter die Laster. Und wurde ich gemaßregelt, fügte mein Vater meist hinzu: Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz. Im Nachhinein muss ich sagen, dass das vielleicht ein wenig zu streng gewesen ist. Denn dass man sich besonders freut, wenn einem etwas besonders gut gelungen ist, das sollte nicht verworfen werden, solange die Freude nicht zu Lasten anderer geht. Aber wenn jemand sagt: "Ich bin stolz ein Deutscher zu sein!" Was ist ihm da besonders gut gelungen?
Gelegentlich packt mich dann ohnmächtige Wut darüber, dass diejenigen, die da laut grölen, sie seien stolz Deutsche zu sein, unseren Ruf in der Welt beschädigen durch feige Gewalt gegen Ausländer und Schwache. Und wenn man dann in die hasserfüllten Gesichter schaut, schaudert mich. Da kann man nur sagen: Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz. Doch leider ist dieses altdeutsche Sprichwort kein wirksamer Zauberspruch gegen Dummheit.







Der Lümmel und der Protz sind
Geschnitzt aus gleichem Holz;
Den einen bläht die Dummheit auf,
Den anderen bläht der Stolz.
(Alois Josef Ruckert)

Donnerstag, 16. Februar 2017

Dies und Das und unser Umweltbewußsein

Die nachfolgende Geschichte fand ich bei einer lieben Bloggerin. Ich durfte sie mitnehmen und hier veröffentlichen. Ich finde, dass sie uns alle zum Nachdenken anregen sollte.

In diesem Sinne sind wir erzogen worden.
 
    Beim Bezahlen an der Kasse im Supermarkt schlägt die Kassiererin der
    vor mir bezahlenden alten Dame vor, sie möge doch beim nächsten
    Einkauf ihre Einkaufstasche mitbringen, denn Plastiktüten seien
    schlecht für die Umwelt.
    „Da haben Sie Recht“ entschuldigt sich die alte Dame „doch leider
    war ich in Eile und habe meine Einkaufstasche entgegen meiner
    Gewohnheit zu Hause vergessen".
 
    Die junge Frau erwidert: „Ja wissen sie, unser Problem ist nämlich,
    dass Ihre Generation sich keine Gedanken darüber gemacht hat, in
    welch schlechtem Zustand sie die Umwelt uns und den zukünftigen
    Generationen hinterlässt. Umweltschutz ist sicherlich ein Fremdwort
    für Sie".
 
    „Das stimmt. Unsere Generation kannte keinen Umweltschutz – war auch
    gar nicht nötig, denn Sprudel- und Bierflaschen gaben wir an den
    Laden zurück in dem wir sie gekauft hatten. Von dort gingen sie an
    den Hersteller, der die Flaschen wusch, sterilisierte und auffüllte,
    so dass jede Flasche unzählige Male benutzt wurde. Die Milch holten
    wir beim Milchhändler in unserer eigenen Milchkanne ab. Aber
    Umweltschutz kannten wir nicht.
 
    Für unsere Gemüseeinkäufe benutzten wir Einkaufsnetze, für den
    Resteinkauf unsere Einkaufstaschen. Vergaßen wir sie, so packte uns
    der Händler den Einkauf in braune Papiertüten, die wir zu Hause für
    viele Zwecke weiter verwendeten, z.B. zum Einpacken der Schulbücher,
    die uns von der Schule unter der Auflage, dass wir sie gut
    behandeln, kostenlos zur Verfügung gestellt wurden. Nach Beendigung
    des Schuljahres wurden sie wieder eingesammelt und in gutem Zustand
    an den nachfolgenden Jahrgang weiter gereicht. Aber Umweltschutz
    kannten wir nicht.
 
    Wir stiegen Treppen hoch, denn Aufzüge oder Rolltreppen gab es nicht
    so wie heute in jedem Kaufhaus oder Bürogebäude. Wir gingen zu Fuß
    die paar Schritte zum nächsten Lebensmittelgeschäft und benutzten
    dazu keinen 300 PS starken Geländewagen. Sie haben Recht,
    Umweltschutz kannten wir nicht.
 
    Damals wuschen wir die Babywindeln, weil es keine Einwegwindeln gab.
    Wir trockneten die Wäsche nicht in einem Strom fressenden Trockner,
    sondern mit Wind- und Solarenergie auf der Wäscheleine aus Hanf. Die
    Kleidung der Kinder ging stets an die jüngeren Geschwister, denn
    immer neue Kinderkleidung konnten wir uns nicht leisten. Aber
    Umweltschutz kannten wir nicht.
 
    Im Haus hatten wir ein einziges Radio und später einen kleinen
    Fernseher mit einem Bildschirm in Taschentuchgröße. In der Küche gab
    es keine elektrischen Maschinen. Alles wurde von Hand geschnitten,
    geraspelt, geschält. Als Polstermaterial für Päckchen oder Pakete
    benutzten wir alte Zeitungen, kein Styropor oder Plastikblasen. Der
    Rasenmäher wurde mit der Hand geschoben, machte keinen Krach und
    keinen Gestank. Das war unser Fitnesstraining, weshalb wir keine
    Fitnessstudios mit elektrischen Laufbändern und anderem Energie
    fressenden Unsinn benötigten. Aber Umweltschutz kannten wir nicht.
 
    Das Wasser tranken wir aus der Leitung und benötigten dazu keine
    Plastiktasse oder Plastikflasche. Unsere leeren Schreibfüller wurden
    wieder mit Tinte gefüllt, anstatt neue zu kaufen. Papier wurde
    beidseitig beschrieben. Stumpfe Rasierklingen wurden ersetzt, und
    nicht gleich ein neuer Rasierapparat gekauft. Aber Umweltschutz
    kannten wir nicht.
 
    Damals fuhren unsere Kinder mit dem Bus, der Straßenbahn, dem
    Fahrrad oder gingen zu Fuß zur Schule. Einen 24-stündigen
    Taxiservice der Mutter mit dem 50.000 EUR teurem Auto gab es nicht.
    Aber Umweltschutz kannten wir nicht.
 
    In jedem Zimmer gab es eine Steckdose und keine Steckdosenleisten
    für unzählige Stromfresser, und wir benötigten auch kein von einem
    35.000 Kilometer entfernten Satelliten gesteuertes System, um die
    nächste Imbissbude zu finden. Jedoch Umweltschutz kannten wir nicht.
 
    Aber bedenken Sie:
 
    Es ist traurig, wenn die junge Generation sich darüber beklagt, wie
    verschwenderisch wir Alten gelebt haben, nur weil wir keinen
    Umweltschutz kannten? Glaubt sie wirklich, wir Alten benötigen eine
    Belehrung von euch Grünschnäbeln? Und dann auch von einem Mädchen,
    das mir noch nicht einmal das Wechselgeld heraus geben kann, ohne
    die elektronische Kasse zu befragen.
 
    Schönen Tag noch…."
Dem möchte ich nichts mehr hinzufügen. Wir sollten die Worte auf uns wirken lassen.

Ich freue mich riesig, dass

Bij Jen

an den Neckarstrand gefunden hat. Nimm Platz und fühle dich wohl hier.